Zorneding Junges Wildschwein streunert durch Pöring

Das Jungtier ist knapp zwei Jahre alt und wiegt 40 Kilo. Das Foto hat eine Pöringer Anwohnerin gemacht und auf Facebook gepostet.

(Foto: Privat)

Am Ortsrand von Zorneding taucht seit Wochen immer wieder ein verirrtes Wildschwein auf. Jäger nehmen das Jungtier nun ins Visier.

Von Viktoria Spinrad, Zorneding

Es ist knapp zwei Jahre alt, etwa 40 Kilogramm schwer - und ziemlich verloren: ein junges Wildschwein, das vor etwa einem Monat aus dem Wildgehege im Ebersberger Forst ausgebüchst ist und seitdem zwischen dem Waldrand und dem anliegenden Pöringer Wohngebiet umherschweift. Seit ein Pöringer das Tier am Ostermontag in seiner Garageneinfahrt ablichtete und das Bild in eine Zornedinger Facebook-Gruppe gepostet hat, ploppen die Fragen auf: Wie konnte es aus dem umzäunten Bereich im Forst entkommen? Ist es womöglich auf Wassersuche? Und vor allem: Ist das Jungtier gefährlich?

Der zuständige Förster gibt Antworten - und zunächst einmal Entwarnung. Das Tier sei aus dem 5500 Hektar großen abgetrennten Bereich im Forst entwischt, "und die Parktiere sind nicht aggressiv, niemand ist in Gefahr", so Wolfgang Richter. Dass das Tier das Areal überhaupt verlassen konnte liege an einem beschädigten Türchen, das in der Zwischenzeit auch wieder repariert worden sei.

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Seitdem huscht das verirrte Tier mal entlang des Pöringer Waldspielplatzes, mal vor die Wildkameras an den Hochsitzen - und mal in die anliegenden Wohngebiete hinein. Richter verfolgt die Spuren des Tieres, kann es aber weder einfangen noch erlegen. Um es zu fangen, müsste er ein entsprechendes Konstrukt aufstellen, "und ein Wildschwein in die Falle zu locken, ist gar nicht so einfach", so Richter. Schusswaffengebrauch innerorts wiederum ist auch für Jäger tabu. Solange das Tier im Wohngebiet unterwegs ist, müsste die Polizei einschreiten oder einen Jäger beauftragen, das Tier zu erlegen. Dafür sieht Richter keine Chance: "Wir wollen nicht riskieren, dass ein Querschläger einen Menschen trifft." Pfeil und Bogen? "Habe ich nicht."

Es droht der Wildschwein-Himmel

Während er warten muss, bis er das Jungtier abseits von Menschen erlegen kann, mutmaßen einige Pöringer, dem Tier habe es im Gehege an Wasser oder Futter gemangelt. Richter erklärt, dass es dort ausreichend Wasserstellen und mit Eicheln, Pilzen und Würmern "Futter ohne Ende" gebe. "Das Wildschwein ist schlicht desorientiert", deswegen sei der Ausflug nichts Ungewöhnliches: "Überall wo Wald ist, können Wildschweine vorkommen."

Im Forst leben manche Wildschweine im eingezäunten Schaugehege "Sauschütt" bei Hohenlinden. Andere leben frei in dem 5500 Hektar großen Bereich der Bayerischen Staatsforsten, der durchgehend mit Zäunen und an den Einfahrten mit Gitterrosten abgetrennt ist. Es kann aber auch vorkommen, dass sich einzelne Tiere außerhalb dieses Bereichs vermehren. Dass ein Wildschwein mal einen Ausflug in anliegende Wohngebiete macht, "das kommt überall mal vor" und sei kein Grund zur Unruhe, erklärt Konrad Metzger, Vorsitzender der Kreisgruppe Ebersberg im Landesjagdverband.

Zumal die Tiere aus dem abgegrenzten Park an Menschen gewohnt und nicht für Aggressivität bekannt sind, wie Metzger und Richter versichern. Beide raten den Pöringern, ihre Gartentore zu schließen. Man solle das verirrte Tier nicht in die Enge treiben, sondern es in Ruhe lassen und nicht füttern: "Sonst kann passieren, dass ein Tier immer wieder kommt", so Metzger.

Das verlorene Wildschwein noch unbekannten Geschlechts erwartet derweil das Schicksal des 100-Kilo-Keilers, der vor eineinhalb Jahren durch mehrere Gärten in Ebersberg streifte: ein Schuss, ein Treffer, Tier tot. Der Grund diesmal: "Wenn das Wildschwein einen Feldschaden anrichtet, müssen das die Staatsforsten übernehmen", so Richter. Ehe der Wildschweinhimmel winkt, können die Pöringer ihrem Besucher trotzdem noch einmal nahe kommen. Das Tier wird zerlegt - sein Fleisch wird dann von den Staatsforsten zum Kauf angeboten.

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