„Klack, klack, klack“ macht die kleine silberne Kugel beim Kontakt mit den hölzernen Hebeln. „Das geht ja überhaupt nicht“, ruft jemand. Kurz darauf zeigt das schrille „Bing“ einer Glocke, gefolgt von einem Leuchtschriftzug, dass es sehr wohl funktioniert.
Ein Flipperautomat ist nicht das erste, das man mit einem Kulturpreis assoziieren würde – doch es ist ja gerade das Unerwartete, das „um die Ecke Gedachte“, was diesen Wettbewerb auszeichnet, den der Kreisjugendring Ebersberg (KJR) schon seit 1983 auslobt. Er richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und 21 Jahren und man glaubt Jurorin Babsi Lux sofort, dass es alles andere als einfach ist, ein für diese Altersspanne passendes Thema zu finden. „Und doch ist die dabei entstehende Bandbreite an kreativen Ideen immer wieder erstaunlich!“
Diesmal nun haben unter dem Motto „Nicht von dieser Welt“ 31 Exponate in Form von Filmen, Geschichten, Objekten, Installationen und Gemälden den Kreisjugendring erreicht. Diese Zahl, so Geschäftsführer Philipp Spiegelsberger, sei im Vergleich zu den 56 des Vorjahres „zwar nicht ganz so groß, aber ausreichend, um eine schöne Präsentation zu erlauben.“
Vorerst allerdings hat er mitten im Studio an der Rampe alles einfach nebeneinander auf langen Tischen drapiert. Das ist wichtig für die unvoreingenommene Begutachtung, erhält doch jedes Werk durch eine gekonnte Hängung oder das Arrangement auf einem Sockel gleich zusätzliches Gewicht. Aufmerksam mustert die dreiköpfige Jury die Auslage. Eigentlich hätten neben Babsi Lux vom Alten Kino, dem freien Künstler Konrad Peters und Tassilo Sussmann vom Kunstverein noch die Künstlerinnen Leonie Gillhuber und Frauke Schreiner dabei sein sollen. Sie mussten jedoch erkrankt absagen.

Bei diesem ersten Durchgang gibt es noch keinerlei Hinweis auf die Urheberinnen und Urheber, Name und Alter werden erst bei der zweiten Runde hinzugefügt. Wie man hört, gibt es sogar einige „Wiederholungstäter“, die sich regelmäßig beteiligen. „Da ist es dann besonders schön, die künstlerische Weiterentwicklung zu sehen, mit teilweise deutlicher Steigerung über die Jahre“, erläutert Lux.
Sie ist es auch, die mit passender Intonation die Geschichten vorträgt, die als Büchlein mit opulenten Zeichnungen eingereicht wurden. Ein spannender Krimi ist dabei, in dessen zwölf Kapiteln die Heldin in einer magischen Welt zur Tierretterin wird. Wer die Geschichte nachspielen möchte, hat dazu mit Papierfiguren auf der mitgelieferten Magnettafel Gelegenheit. In einem anderen Werk sorgt die Beschreibung von unbekannten Planeten, auf denen „Schnuppis“ leben oder „Schnerdisch“ gesprochen wird, für Erheiterung und Begeisterung. Detaillierte Illustrationen helfen beim Betrachten der eigenen Vorstellungskraft auf die Sprünge.


Im Unterschied zu diesen „Planetariern“ von oft noch herkömmlicher Gestalt, dominieren auf vielen Kunstwerken ein- bis vieläugige Aliens, reine Kopffüßler oder schillernde Zwitterwesen, die gleichermaßen in Luft und Wasser existieren, wo sie „ihren Träumen folgen“. Ein Außerirdischer müht sich in einem aufwendigen, großformatigen Comic in einem Bergwerk ab, andere Charaktere galoppieren durch Landschaften voller Konsum-Abfälle.
Es gibt Portale in andere Welten, Guckkästen mit erstaunlichem Innenleben und ein ganzes Theater mit auswechselbaren Kulissen, einer zauberhaften Fee sowie einem Nachtmahr, dessen gruselige Scheußlichkeit durch die Zeichnung im dazugehörigen Buch erst so richtig deutlich wird.
Auch Filme wurden eingereicht – in Stop-Motion-Technik oder als Realfilm, liebevoll selbst vertont, mit Musik unterlegt, sogar eine Kamerafahrt mit Drohne hat eine Gruppe eingebaut. Die zu Herzen gehende Geschichte über Freundschaft, die aus anfänglicher Fremdheit, wenn nicht sogar Feindschaft entsteht, berührt ebenso wie das Abenteuer der Hühner im All.

Manches erschließt sich sofort, über andere Werke kann man trefflich sinnieren und spekulieren, wie etwa über die fast 100 Männchen, die einerseits fast niedergedrückt werden von der Bürde gedruckter Lexikonseiten, sich aber an anderer Stelle die Worte untertan machen.
Ältere unter den jugendlichen Künstlerinnen – weibliche Teilnehmer sind in der Überzahl – richten den Fokus auch auf die Innenperspektive, die manchmal „nicht von dieser Welt“ ist. Etwa dann, wenn sie durch äußere Zwänge wie den Schulalltag bestimmt wird. Umwelt ist ein wiederkehrendes Thema, immer wieder schimmert auch der Gedanke an Völkerverständigung durch, an Gemeinsamkeiten statt Gegensätzen.
Was man nicht sieht: eine Auseinandersetzung mit den konkreten Spannungsfeldern dieser Tage wie Rechtsruck, Krieg und Autokraten. Das mag auch dem Alter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschuldet sein: Die Mehrzahl der Einzelpersonen und Gruppen – Schulklassen gab es diesmal keine – ist unter zwölf. Darüber wird das Feld dünn, die Altersgruppe ab 17 ist fast gar nicht vertreten.
Die Jury prüft wohlwollend, aber auch kritisch. Machart und Qualität spielen ebenso eine Rolle wie die kreative Umsetzung des Themas. Die Kategorien, in denen das Preisgeld von rund 2500 Euro vergeben wird, sind jedes Jahr unterschiedlich, da sie sich stets an den Einreichungen orientieren. Wer gewonnen hat, das wird nicht verraten. Zumal über den „Publikumspreis“ erst jene entscheiden, die sich die Exponate am Ausstellungswochenende anschauen. Ein Besuch lohnt auf jeden Fall. Um zu staunen, zu lachen – und selbst sein Geschick am Flipper unter Beweis zu stellen.
Ausstellung Jugendkulturpreis. 6. bis 8. Februar. Freitag, 15 bis 19 Uhr, Samstag, 10 bis 15 Uhr, Sonntag ab 13 Uhr mit Preisverleihung gegen 15 Uhr. Studio an der Rampe, Klosterbauhof 6, Ebersberg

