JugendarbeitAnsprechperson, Berater, Sprachrohr

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Schon seit zehn Jahren ist Robert Dembinski in der Jugendarbeit tätig. Er will für alle Ansprechpartner sein, unabhängig von der religiösen Orientierung.
Schon seit zehn Jahren ist Robert Dembinski in der Jugendarbeit tätig. Er will für alle Ansprechpartner sein, unabhängig von der religiösen Orientierung. (Foto: Christian Endt)

In der katholischen Jugendstelle in Ebersberg gibt es seit einem Monat einen neuen Jugendreferenten: Robert Dembinski. Nicht nur über die Religion will er Zugang zu den jungen Leuten finden.

Von Romy Hölzel, Ebersberg

„Was die Kirche angeht, war ich normalerweise der Exot der Familie“, erzählt Robert Dembinski. Mit Hut auf dem Kopf und Sonnenbrille auf der Nase berichtet der 33-Jährige gelassen von seiner neuen Aufgabe als Jugendreferent in der katholischen Jugendstelle in Ebersberg – und von dem Weg dorthin, der ihn eigentlich in eine andere Richtung führen sollte.

Dembinski ist Ansprechperson, Berater, Sprachrohr und Bindeglied zwischen den Jugendlichen und Gremien. Schon seit mehr als zehn Jahren ist er im Bereich der Jugendarbeit tätig. Seine Eltern hatten sich für ihn eigentlich immer einen anderen Karriereweg gewünscht, wie er erzählt: Dembinski sollte einen technischen Beruf erlernen. In seiner Jugend habe er aber gemerkt: „Ich kann mehr als das.“ Er wolle sich mit Menschen umgeben und sie inspirieren, sagt er. Er entschied sich für das Studium „Soziale Arbeit“, gegen den Wunsch seiner Eltern und für seinen eigenen Weg.

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Nicht nur im Berufsleben, auch beim Thema Religion und der Kirche ging Dembinski einen anderen Weg als sein Elternhaus: Seine Eltern seien nicht durch die Kirche sozialisiert worden, sagt er, sie hatten keinen direkten Bezug dazu. Dembinski wiederum fand durch die Jugendarbeit Berührungspunkte zur katholischen Religion. Das sei aber nicht immer der Fall gewesen: „Ich war eine lange Zeit auch eher kirchenfern“, sagt der Jugendreferent. Mit seiner Arbeit an unterschiedlichen Jugendstellen habe sich das geändert.

Die katholische Jugendstelle in Ebersberg ist nicht die erste, in der Dembinski mit Jugendlichen zusammenarbeiten darf. Der Jugendarbeiter kommt aus München und hat auch dort an unterschiedlichen Orten gearbeitet, unter anderem in Bogenhausen. Irgendwann merkte Dembinski: „Es war für mich an der Zeit für einen Aufbruch.“ Die Jugendarbeit in Ebersberg anzustreben, war die Empfehlung einer Kollegin. Und es hat geklappt: Seit einem Monat ist Dembinski nun offiziell der neue Jugendreferent in Ebersberg.

Erst einmal will er die verschiedenen Pfarreien kennenlernen

Da er frisch in seine Aufgabe im Landkreis eingestiegen ist, weiß er noch nicht genau, wie sein Arbeitsalltag aussehen wird. In einem ist sich der 33-Jährige, der verheiratet ist und drei Kinder hat, aber sicher: „Die Arbeit als Jugendreferent ist so abwechslungsreich. Kein Tag gleicht dem anderen.“ Dembinski weiß aus Erfahrung, dass seine Arbeit facettenreich sein wird und er verschiedene Rollen einnehmen wird. Dembinski erklärt das so: „Ich bin sozusagen der ‚Joker‘ der Jugendarbeit.“

Der „Joker“ der Jugendarbeit: das unterstreicht die Vielfältigkeit an Aufgaben, die der Jugendreferent übernehmen darf. Eine dieser Aufgaben ist es, durch das Dekanat zu reisen: Er besucht also verschiedene Jugendstellen in Ebersberg, und stellt sich dort den Heranwachsenden vor. Diesen soll vermittelt werden, dass Dembinski ihr Ansprechpartner sein kann, und zwar bei diversen Themen und Fragen: „Ich fungiere als das Verbindungsstück zwischen den verschiedenen Pfarreien in Ebersberg im Bereich der Jugendarbeit“, sagt Dembinski. Ob es also politische Unterstützung braucht, ein ehrliches Gespräch oder kreativen Input – genau dafür ist Dembinski als Jugendarbeiter da. Dabei dient er auch als eine Art Netzwerker: Er kann Kontakte zwischen Jugendlichen und Gremien herstellen oder die jungen Personen an andere Stellen weiterleiten – zum Beispiel, wenn er das Gefühl hat, dass eine professionelle Anlaufstelle einem jungen Menschen noch besser und effizienter helfen kann. Damit er das tun kann, muss er zu den Heranwachsenden erst einmal eine Bindung aufbauen.

Für den 33-Jährigen ist denkbar, dass er noch einmal etwas ganz anderes wagt

Eine solche Bindung aufzubauen ist einer der zentralen Aspekte bei der Zusammenarbeit mit Jugendlichen. Normalerweise fällt das dem Münchner aber nicht schwer. Das liegt vor allem an der Bandbreite von Interessen und Hobbys, die er erlernt hat – von Breakdance und Hip-Hop über Fußball, Feuerakrobatik und die Mittelalter- und Fantasy-Szene ist da so einiges dabei, worüber man mit Teenagern reden kann. „Ich versuche immer, mit den Jugendlichen Anknüpfungspunkte und Gemeinsamkeiten zu finden“, erklärt Dembinski. Bei der Auswahl finde man aber normalerweise immer etwas, worüber man reden und eine Beziehung zueinander aufbauen könne. Ein Aspekt könne auch die Religion sein.

Für Dembinski ist die katholische Religion inzwischen ein wichtiger und auch schöner Teil seines Lebens. Das kann, aber muss keine Rolle bei seiner Arbeit mit Jugendlichen spielen. Gerade bei tieferen Gesprächen kommen Gott und die Religion durchaus mal zur Sprache: „Christliche Werte sind mir sehr wichtig, das wird man dann besonders merken, wenn man mit mir in den Deep-Talk kommt“, sagt Dembinski. Dennoch ist es ihm wichtig, dass alle Jugendlichen, unabhängig von der religiösen Orientierung, mit ihm in Kontakt treten und sich ihm anvertrauen können. Er hofft, dass sich alle, die das möchten, in der Kirche willkommen fühlen: „Ich würde mir wünschen, dass in der Kirche ein Wandel stattfindet, sodass jeder dort Platz findet, der das möchte.“

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In nächster Zeit möchte sich Dembinski erst einmal voll und ganz auf die Arbeit als Jugendreferent fokussieren und einlassen. Für den 33-Jährigen wäre dennoch denkbar, eines Tages einen etwas anderen beruflichen Weg einzuschlagen: Dembinski findet den Beruf eines Diakons faszinierend. Die Rituale, die Bräuche und die Praktiken – er könnte sich vorstellen, später einmal einen Weg einzuschlagen, in dem er sich noch intensiver mit all dem beschäftigen kann.

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