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Jubiläumsfeier:Auf Augenhöhe mit Alem Katema

25 Jahre Alem Katema

"Von der Idee zur Gründung - die ersten Tage der Partnerschaft": Davon erzählen Anton Stephan, Peter Dingler und Alexander Bestle (von links).

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Seit 25 Jahren ist Vaterstetten Partner der äthiopischen Stadt

"Heuer war ich schon mal unten", erzählt Helmut Schmidt. Unter den weißen Haaren blitzen zwei wache Augen hervor, als er auf dem Stammtisch erzählt, was es in Äthiopien alles zu sehen gibt. In Felsen geschlagene Kirchen, Salzwüsten und Vulkangebiete locken Schmidt immer wieder in den afrikanischen Staat: "Ich glaube, das war acht Mal jetzt", sagt er auf der Jubiläumsfeier des Vereins Partnerschaft mit Alem Katema.

Schmidt ist ein alteingesessenes Mitglied des Vaterstettener Vereins "Partnerschaft mit Alem Katema". Heidi Frömel nimmt zum ersten Mal am Stammtisch in der Landlust teil: "Ich finde es gut, dass die jungen Leute auch eine Schulbildung bekommen." Sie wurde erst am jüngsten Aktionstag in der Volkshochschule Vaterstetten dazu angeregt, sich Tausende von Kilometern von Vaterstetten entfernt zu engagieren. Die Stadt Alem Katema in Äthiopien liegt zwar geografisch betrachtet weit weg. Doch bei der Jubiläumsfeier "Von der Idee zur Gründung - die ersten Tage der Partnerschaft" wird die Organisation, die seit 25 Jahren besteht, dem Publikum sehr nahe gebracht. Das gelingt nicht nur dank Vereinssprecher Alexander Bestle im Gespräch mit Altbürgermeister Peter Dingler. Auch Mitschnitte von einer bereits länger zurückliegenden Reise informieren über die Partnerschaft. Damals kamen Vereinsmitglieder auf die "Schnapsidee", wie Vorsitzender Anton Stephan erzählt, mit dem Fahrrad nach Alem Katema zu fahren. Eine kleine Gruppe Vaterstettener mühte sich bei 40 Grad Hitze über Hügel und Schotterstraßen ab. Streckenweise musste geschoben werden. Der ein oder andere zog sich eine Prellung am Hinterteil zu. "Das Radfahren war nicht ungefährlich."

Die Eindrücke wurden vor knapp 15 Jahren eingefangen, als das zehnte Jubiläum anstand. Inzwischen verbinden 25 Jahre Partnerschaft Vaterstetten mit der äthiopischen Stadt. Vor diesem Hintergrund lässt Dingler, der von Anfang an dabei war und das Projekt mit ins Leben rief, die Anfänge Revue passieren. Dass es überhaupt zu einer Partnerschaft kam, sei den Einflüssen durch den von Willy Brandt in Auftrag gegebenen Nord-Süd-Bericht und der "intensiven Freundschaft" zu Karlheinz Böhm, der zeitweise in Baldham lebte, zu verdanken. 1993 lud Böhm Dingler zu sich nach Hause in Äthiopien ein. Der damalige Bürgermeister habe sich über "die Möglichkeit gefreut, als kleiner Provinzbürgermeister etwas in die Welt zu setzen". So erzählt Dingler: "Die Idee, dass wir eine Partnerschaft machen, die habe ich mitgenommen." Das Anliegen Böhms, in Äthiopien etwas bewirken zu wollen, und seine "gnadenlose Energie" überzeugten den damaligen Bürgermeister: "Man sagt immer, in jemanden muss etwas brennen, um jemand anderen begeistern zu können."

Gleichzeitig gestaltet sich die Frage nach einer Partnerschaft auch als eine Frage der Einstellung. Dingler betrachtet die Welt als "offenes Buch": "Man hockt nicht unter einer Käseglocke." Über seine ersten Eindrücke berichtet er: "Kinder schleppten auf dem Rücken Kuhfladen. Alles, was in diesem Nord-Süd-Bericht stand, hatte ich plötzlich leibhaftig vor Augen." Trotz aller widrigen Verhältnisse einander "auf Augenhöhe" zu begegnen, ist ein Anspruch, den sich Dinger selbst stellt. Doch neben dem Altbürgermeister sind auch viele Vaterstettener interessiert daran, über den regionalen Tellerrand hinauszuschauen: Wo zu Gründungszeiten der Verein 42 Mitglieder zählte, sind es nun um die 650. Dem Engagement der Gemeinde sind "inzwischen zwei Kindergärten und eine öffentliche Bibliothek" zu verdanken.

Mitglied Richard Hecker ist insbesondere über den Erfolg der 2013 eröffneten "Humboldt-Library" stolz: "Sie hat einen Riesen-Zulauf". Statt eingreifender Umwälzungen "ganz kleine Verbesserungen" vorantreiben sowie eine "eigenständige Verwaltung aufziehen", so formuliert Dingler die Ziele der Partnerschaft. Daraus hat sich nicht nur eine Freundschaft über 7000 Kilometer Entfernung entwickelt, sondern auch der Grundsatz ist geblieben: "Die Ausgangsmotivation muss stimmen, und die muss bleiben."