Jubiläum Wo's brummt und summt

Seit 25 Jahren kümmert sich der Landschaftspflegeverband Ebersberg um Flächen, die für herkömmliche landwirtschaftliche Zwecke unbrauchbar sind. Damit trägt er zur Erhaltung der Artenvielfalt im Landkreis bei

Von Johanna Feckl, Ebersberg

Kleine Perlen nennt Josef Rüegg sie metaphorisch. "Im Sommer brummt's und summt's dort überall", sagt der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Ebersberg. Rüegg spricht von den 85 Hektar Land, um die sich der Verband im Rahmen von 70 bis 80 verschiedenen Projekten im Jahr kümmert: viele einzelne Stückchen Land, auf denen dank einer besonderen Pflege jeweils bis zu 130 unterschiedliche Pflanzenarten gedeihen und sich zehnmal so viele Tier- und Insektenarten, also um die 1300 Sorten, tummeln. Auf gewöhnlichen landwirtschaftlichen Feldern sind es gerade einmal 20 Pflanzenarten und auch weitaus weniger Tiere, nur etwa 200. Seit nunmehr 25 Jahren nimmt sich der Landschaftspflegeverband spezieller Flächen im Landkreis an - und verwandelt sie in solch kleine Perlen der Natur. Anlässlich seines Jubiläums veranstaltet der Verband am Sonntag ein Fest im Alten Speicher Ebersberg.

Die Ländereien, um die sich der 53-jährige Rüegg zusammen mit seiner Kollegin Tina Feuerbacher kümmert, gehören Gemeinden oder Privatpersonen aus dem Landkreis. Entweder der jeweilige Eigentümer tritt an den Verband heran mit der Bitte, sich um einen bestimmten Wiesenabschnitt zu kümmern, oder der Verband entdeckt selbst eine Fläche und fragt bei den Eigentümern an, die Pflege übernehmen zu dürfen. "Das sind alles Flächen, die zu steil, zu feucht, zu trocken oder zu klein für die herkömmliche Landwirtschaft sind", erklärt Rüegg die Kriterien, damit ein Gebiet geeignet für die Obhut des Verbandes ist. Größtenteils werden Rüegg und Feuerbacher auf kommunalen Flächen tätig. Deshalb ist auch jede Gemeinde Mitglied im Verband und zahlt ihm 26 Cent für jeden ihrer gemeldeten Einwohner. Auch der Landkreis ist Verbandsmitglied und steuert zusätzlich 42 Cent pro Bürger bei. Daneben sind auch acht Verbände und 20 Einzelpersonen Mitglieder.

Eine der vielen landwirtschaftlichen Flächen, die der Verband versorgt, ist die sogenannte Streuwiese am Egglburger See. "Streuwiese deshalb, weil das, was dort früher gewachsen ist, als Einstreu verwendet wurde", erklärt Rüegg die Herkunft des Namens. Mit einer Streuobstwiese, auf der unterschiedliche Arten und Sorten von Obstbäumen wachsen, habe das nichts zu tun, betont der 53-Jährige, der sein breites Fachwissen unter anderem im Studium der Landwirtschaft und Agrarbiologie erwarb. Wegen der unmittelbaren Nähe zum See ist die Streuwiese eine sehr feuchte Fläche. Der Boden ist weicher als gewöhnlich: An manchen Stellen schwingt er mit, wenn man hüpft, wie bei einem Trampolin. Bei Regen braucht es nicht einmal das Hüpfen, um die Nachgiebigkeit des Bodens zu sehen. Denn bereits jeder normale Schritt lässt die Erdfläche leicht sinken, sodass die Füße teilweise von kaltem Wasser bedeckt werden, das wegen des eigenen Körpergewichts von unten durch den weichen Boden hindurch nach oben drückt.

Eine solche Beschaffenheit ist nichts, um die Streuwiese am Egglburger See auf herkömmliche Weise landwirtschaftlich zu nutzen. Allein die gewöhnlichen landwirtschaftlichen Gerätschaften, die etwa zum Mähen zum Einsatz kommen, seien zu schwer für diese Wiese, sagt Rüegg, der seit 2009 Geschäftsführer des Verbandes ist. Die Reifen der Maschinen würden einfach im Boden versinken und dort steckenbleiben. Entweder man hat also eine Mähmaschine mit extra breiten Reifen für solche Fälle parat oder man muss auf die gute alte Handarbeit zurückgreifen. Neben der aufwendigen Pflege von Ländereien nehmen Rüegg und seine Kollegin Feuerbacher auch Pflanzmaßnahmen vor, renaturieren Bäche und setzen sich für den Schutz von Quellen ein.

Arnold Schmidt ist seit der Gründung Vorsitzender.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Damit sich der Verband eine solch aufwendige Pflege leisten kann, gibt es staatliche Zuschüsse zwischen 70 und 90 Prozent der anfallenden Kosten. "Ohne die würde es nicht funktionieren", gibt Rüegg zu. Und dass es funktioniert, das hält er für wichtig. Denn durch die Arbeit des Verbands haben seltene Pflanzen und Tiere einen Lebensraum, den sie ansonsten nicht hätten, wie etwa der Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Das ist ein Schmetterling mit pelzig aussehenden Flügeln, der zum einen von einer Pflanze mit dem Namen Wiesenknopf und zum anderen von Ameisennestern abhängig ist, in denen er sich parasitenartig verpuppt. Auf der Streuwiese am Egglburger See gibt es beides.

"Nach jeder Vorstandssitzung sehe ich, dass wieder etwas Gutes für unseren Landkreis passiert", erklärt Arnold Schmidt, der sich seit der Gründung des Landschaftspflegeverbands vor 25 Jahren als dessen Vorsitzender engagiert. "Wir machen unsere Arbeit, um die Artenvielfalt zu erhalten", sagt Rüegg. Für ihn ist das eine Grundsatzentscheidung: "Ich kenne niemanden, der nicht Freude daran hat, auf einer blühenden und bunten Wiese zu stehen."