Süddeutsche Zeitung

Kommunalwahl 2020:Josef Peis kandidiert für Ebersberger Bürgermeisteramt

Die neue Wählergruppe "Pro Ebersberg" präsentiert sich erstmals öffentlich. Die Mitglieder erklären ihre Positionen - unter anderem zum Thema Tunnel.

Der Saal in der Sieghartsburg ist voll. Gut 300 Ebersberger sind am Dienstagabend gekommen, um zu erfahren, wie sich die vor Kurzem gegründete Wählergemeinschaft "Pro Ebersberg" präsentiert - und wer ihr Bürgermeisterkandidat wird. Alle Stühle sind besetzt, einige Besucher müssen stehen.

"Wir wollen auch über den Tellerrand schauen", sagt der Vorsitzende der neuen Gruppierung, Josef Peis. So möchten sie bereits bestehende Konzepte anderer Gemeinden auch für Ebersberg nutzen. Sie haben kein fertiges Wahlprogramm und Lösungen, sondern wollen zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern an ihren Themen arbeiten. Konkret ist die Wählergemeinschaft "pro Windräder", setzt aber auch auf andere Energieträger, um die Wende umzusetzen. Bei der Debatte um die durch die Kreisstadt verlaufende Staatsstraße 2080 sprechen sie sich für eine Tunnellösung aus. Sollte diese scheitern, setzen sie auf Alternativen.

Zur Seite steht dem Vorsitzenden von "Pro Ebersberg" Claudia Pfrang als Stellvertreterin, unterstützt wird sie von Reinhold Weise. Laut Pfrang gibt es 20 aktive Mitglieder - und einen großen Mailverteiler. "Hier wollen sich viele engagieren, die Ebersberger sind nicht politikverdrossen."

Am 24. September wurde "Pro Ebersberg" gegründet. Peis wollte eine unabhängige Kraft im Stadtrat und habe dann die Idee gehabt, selbst eine Wählergemeinschaft zu gründen. Der 46-jährige Peis soll auch der Bürgermeisterkandidat von "Pro Ebersberg" werden. Der dreifache Familienvater ist Politikwissenschaftler, saß sechs Jahre im Gemeinderat von Niedering im Landkreis Erding und ist Leiter der Geschäftsstelle des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising. Er freue sich und habe Lust, die Stadt Ebersberg als aktiver Player zu gestalten. "Wir wollen Ebersberg nicht neu erfinden, aber wir brauchen eine Vision, wie die Stadt in 20 oder 30 Jahren aussieht." Das gehöre zum Thema Gemeinwohl dazu. "Wir treten an, um groß zu denken."

"Irgendetwas müssen sie ja anders machen"

Lokalpolitisch sind die Mitglieder bisher nicht in Erscheinung getreten, die Wählergemeinschaft ist dementsprechend "parteiunabhängig". "Wir sind Ebersberger Bürger, die alle mitten im Leben stehen. Wir wollen uns voller Vielfalt und Buntheit für Ebersberg einsetzen." In den Flyern, die sie auf den Tischen verteilt haben, werben sie mit "frischen Ideen" und "neuen Perspektiven". Ihre Basis sei dabei laut Peis das Gemeinwohl.

Sie setzten auf Dialog und Austausch und wollen sich stark machen für mehr Bürgersprechstunden, denn: "Gemeinsam sind wir stark", sagt Peis. Und das bekommt man an diesem Abend gleich zu spüren. Zu Beginn sollen die Gäste mit ihren Tischnachbarn reden, warum man hier ist. "Irgendetwas müssen sie ja anders machen, sonst hätten sie sich nicht neu gegründet", sagt ein Mann am Tisch.

Die Themen der Wählergruppe umfassen altbekannte Probleme, doch auch neue Ideen sind dabei. Um diese zu präsentieren, haben sie einen kurzen Film produziert. "Ebersberg ist schön" ist gleich zu Beginn auf der Leinwand zu lesen. Dazu tönt junge, hippe Musik mit Dance-Beats aus den Lautsprechern. Nacheinander werden die einzelnen Arbeitskreise vorgestellt: "Verkehr", "Stadtentwicklung, Gemeinschaftsflächen und Soziales", "Energie, Umwelt und Natur" "Gemeinwohl" und "Wohnen".

In der Pause sind die Gäste aufgefordert, eigene Ideen an Pinnwände der einzelnen Arbeitsgruppen anzubringen und mit den Leitern ins Gespräch zu kommen. Und tatsächlich: Die Wände füllen sich, fast jeder Gast ist unterwegs, Grüppchen stehen beisammen und diskutieren. Um einige Pinnwände haben sich Trauben gebildet.

So mancher dürfte sich schon über den Namen der Wählergemeinschaft gewundert haben, auch dieses Thema spricht Peis an: Der Name habe nichts mit der Pro-Bewegung rechtsextremer Wählergruppen wie "Pro Köln" zu tun. "Wir setzen uns für Ebersberger ein, egal woher sie kommen. Es ist klar, dass wir pro Ebersberg sind. Wir wollen diesen Begriff nicht rechten Gruppen überlassen", macht Peis deutlich. Das Publikum applaudiert. Umbenennen? Sie wollen vielmehr, so ist zu erfahren, den Begriff wieder positiv besetzen.

Um zur Bürgermeisterwahl am 15. März 2020 zugelassen zu werden, müssen sie noch 180 Unterschriften sammeln und eine Stadtratsliste aufstellen. Im Januar will "Pro Ebersberg" dann ein konkretes Wahlprogramm vorstellen.

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Quelle:
SZ vom 10.10.2019/koei
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