Interkommunale Infrastruktur Vaterstetten bittet zur Kasse

Die Gemeinde Poing soll sich finanziell an Verkehrsprojekten beteiligen, da diese auch das neue Gewerbegebiet in Grub mit versorgen würden

Von Wieland Bögel

Die Gemeinde Vaterstetten will für den Ausbau der Straßen im nördlichen Gemeindegebiet Geld von Poing. Dies fordert der Zweite Bürgermeister Martin Wagner (CSU) in einem offenen Brief an Poings Bürgermeister Albert Hingerl (SPD). "Angesichts der Entwicklung in Poing sowohl im gewerblichen Bereich als auch bei der Ausweisung von Wohnbauland", schreibt Wagner, sei es an der Zeit "eine Beteiligung der Gemeinde (Poing) an den Kosten der Infrastruktur auch auf dem Gebiet der Gemeinde Vaterstetten zu besprechen". Schließlich würden "auch von der Gemeinde Vaterstetten finanzierte und gebaute Infrastrukturen nachhaltig durch neu entstehenden Verkehr belastet."

Die Vaterstettener Gemeinderäte hätten eine Anfrage beim Nachbarn über eine mögliche Kostenbeteiligung bereits gebilligt, so Wagner. Konkreter Anlass dieser angekündigten Besprechung ist der in der vergangenen Woche bekannt gewordene Plan Poings, nahe Grub ein rund elf Hektar großes Gewerbegebiet auszuweisen. Im Übrigen sei der Gemeinderat über die Entwicklung "sehr überrascht" gewesen. Besonders verwundert sei man darüber gewesen, dass die Nachbargemeinde nur wenige Meter von dem geplanten interkommunalen Gewerbegebiet Poing-Vaterstetten nun selbst Unternehmen ansiedeln möchte. "Wir bedauern, dass auf diese Weise der Gedanke des interkommunalen Gewerbegebietes in den Hintergrund getreten ist", schreibt Wagner.

Auch die Art des Gewerbes, das Poing in Grub ermöglichen will, ein Logistikzentrum, habe die Gemeinderäte erstaunt. Denn, wie Wagner in seinem Brief weiter schreibt, die Umsetzung des interkommunalen Gewerbegebietes sei vor allem darum bisher nicht vorangekommen, weil sich die Poinger gegen bestimmte Nutzungen dort ausgesprochen hätten. Die Nachbargemeinde habe darauf bestanden, dass in dem gemeinsamen Gewerbegebiet weder Handel noch Logistik angesiedelt werden sollten. "Da sich auf Poinger Flur bereits viele Logistikunternehmen befanden", habe man dem Wunsch entsprochen. Um so größer sei nun aber die Überraschung, dass Poing selbst ein Gebiet für ein Logistikunternehmen ausweist.

Wagner führt auch an, dass Vaterstetten nur wegen der Weigerung Poings, bestimmte Unternehmen im gemeinsamen Gewerbegebiet zuzulassen, das Gewerbegebiet in Parsdorf ausbauen musste. Dies sei "zur Bewältigung der schwierigen Haushaltssituation" nötig geworden. Im Anschluss daran habe es von Poinger Seite sehr viele Argumente dagegen gegeben, die Wagner zwar "grundsätzlich für legitim und nachvollziehbar" hält. Jedoch seien er und die Gemeinderäte "von der Schärfe der Angriffe aus dem Poinger Gemeinderat sehr unangenehm überrascht" worden.

Trotzdem habe man besonders die Befürchtungen der Nachbarn vor einer Verkehrszunahme ernst genommen und ein Verkehrskonzept für Parsdorf und Umgebung beschlossen. So habe Vaterstetten auf eigene Kosten die Gruber Straße ausgebaut. Außerdem werde demnächst die Kreuzung an der Autobahnaus- und -einfahrt nördlich der A 94 ertüchtigt, auch hierbei wird sich Vaterstetten finanziell beteiligen müssen. Bestandteil des Ausbaus sei auch eine "freilaufende Rechtsabbiegerspur, die nur und ausschließlich dem fließenden Verkehr nach Grub und Poing dient", so Wagner. Auch habe "der Hauptteil des Verkehrs auf der Gruber Straße Ziel und Quelle in Poing", diese Tatsache sei bereits im Jahr 2010 durch eine Verkehrszählung nachgewiesen worden. Diese Entwicklung dürfte sich durch das neue Gewerbegebiet wohl noch verstärken, vermutet Wagner: "Unstrittig dürfte sein, dass die Erschließung nahezu ausschließlich über die Gruber Straße und damit über die A 94, Anschlussstelle Parsdorf erfolgen wird." Gerade "die Ansiedlung eines derart großen Logistikers" führe zu einer "massiven Erhöhung des Verkehrs".

Neben Wagner äußert auch der stellvertretende Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz, Rainer Förderreuther, massive Kritik an dem Gewerbegebiet. "Ich weiß nicht, wo das noch hinführen soll", so Förderreuther, der sich in der Vergangenheit auch sehr kritisch gegen die Erweiterung um weitere 30 Hektar in Parsdorf gewandt hat. "Wenn das ungebremst weitergeht", warnt Förderreuther, sei "unser Landkreis nicht in 20 Jahren kaputt, sondern schon in fünf".