bedeckt München 14°

Initiative im Landkreis:Zu schade zum Wegwerfen

Verfassungsbeschwerde 'Containern'

Viele Lebensmittel werden weggeworfen, obwohl sie eigentlich noch genießbar wären. Ein neuer Verein im Landkreis will nun gegen diese Verschwendung vorgehen.

(Foto: Christiane Raatz/dpa)

Ein neuer Ebersberger Verein will Lebensmittel vor der Tonne retten

Von Aurelia Hennes, Ebersberg

Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft werden in Deutschland jährlich rund zwölf Millionen Tonnen an eigentlich genießbaren Lebensmitteln weggeworfen - ein Problem, das auch im Landkreis Ebersberg existiert. An diesem Wochenende soll darum der Verein "Foodsharing Landkreis Ebersberg" gegründet werden, dessen großes Ziel es sein wird, gegen die Lebensmittelverschwendung vor Ort zu kämpfen.

Das Konzept dahinter erklärt eine der Initiatorinnen des Vereins, Anna Sachs. Die Idee zur Vereinsgründung kam ursprünglich von Lea Renders, die als Botschafterin das Foodsharing in Ebersberg begann und erste Kooperationen mit Betrieben einging. Foodsharing ist eine Initiative seit 2012, mit dem Hintergedanken noch genießbare Lebensmittel sowohl in Privathaushalten, aber auch in Betrieben vor den Weg in die Tonne zu retten und anschließend zu verteilen. Mit einem Verein soll nicht nur die Gemeinnützigkeit beantragt werden, sondern mit der dadurch entstehenden Reichweite will man auch für das Thema der Lebensmittelverschwendung sensibilisieren. Denn was vielen nicht klar ist: "Mindestens haltbar bis heißt nicht giftig ab", so Sachs.

Genießbare Lebensmittel zu entsorgen ist aus vielerlei Hinsicht problematisch, nicht nur aus einem moralischen Blickwinkel: Es wirkt sich unter anderem auf das Klima, aber auch soziale Faktoren aus und ist, wie Anna Sachs es nennt, "vor allem eine Ressourcenverschwendung sondergleichen". Eine Hoffnung sei aus diesem Grund auch, dass mehr Betriebe auf die Thematik aufmerksam werden und mit dem Verein kooperieren. Man wird dann zum Beispiel Lebensmittel vor der Tonne retten, wenn eine Kühlung ausfällt und das Essbare ansonsten verderben würden, oder auch wenn schlichtweg zu viel produziert wurde, erzählt Anna Sachs. Egal ob am Wochenende, Feiertagen, frühmorgens oder spätabends: Die sogenannten Foodsaver, also Lebensmittelretter, kommen vorbei und holen das ab, was normalerweise im Müll landen würde, obwohl es genießbar ist.

Die anstehende Vereinsgründung wurde aber zunächst mit allen Mitgliedern vom Foodsharing - im Landkreis Ebersberg sind das zurzeit circa 100 Menschen - abgesprochen: "Das war jetzt keine Entscheidung, die nur zwei, drei Leute über die Köpfe der anderen hinweg gemacht wurde", so Anna Sachs. Das gemeinsame Miteinander sei sehr wichtig für die Umsetzung der Sache. Auch aus diesem Grund wollten die Gründungsmitglieder sichergehen, dass das Interesse für einen Verein besteht. Erst dann haben sich Lea Renders, Lea Schürmann, Anna Sachs und später in der Planungsphase auch Steffen Zimmermann informiert, was es denn überhaupt benötigt, um einen Verein gründen zu können. Diesen Sonntag ist es schließlich soweit: Digital per Videokonferenz soll dann der Verein "Foodsharing Landkreis Ebersberg" ins Leben gerufen werden.

Derzeit werden die Lebensmittel weitestgehend kontaktlos beispielsweise in den Gärten von Privathäusern verteilt. Noch gibt es in Ebersberg keine öffentlich zugänglichen Kühlschränke, von denen die Nahrungsmittel abgeholt werden können. Eines der großen Ziele des Vereins soll es aber auch sein, unter Einhaltung der Hygienevorschriften solche öffentlichen Verteilstellen einzurichten. Das ist, laut Anna Sachs, der beste Weg, die Lebensmittel zu verteilen, vor allem weil die Hemmschwelle geringer sei als bei einer Privatperson zu klingeln. Grundsätzlich ist Foodsharing für alle da, wie Sachs betont.

Auch deswegen wird die Mitgliedschaft unentgeltlich sein: "Foodsharing ist und soll kostenfrei bleiben", führt Anna Sachs weiter aus. So gibt es beispielsweise keinen sozialen Verteilungsschlüssel, an wen die Lebensmittel verteilt werden, auch wenn man bislang viel mit Einrichtungen wie "Die Tafel" oder Flüchtlingsheimen zusammengearbeitet hat. Anna Sachs erklärt es so: Man muss nicht zwingend bedürftig sein, um übrig gebliebene Lebensmittel vor der Tonne retten zu wollen. Das Wichtigste sei es, die Lebensmittel und ihre Herstellung zu wertschätzen.

© SZ vom 23.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema