Infoabend in Ebersberg Kommunen kämpfen für ein Windrad

Seit Dezember 2016 dreht sich das Windrad bei Hamberg in Bruck, nun soll es zum Vorbild für ähnliche Projekte im Landkreis werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)
  • Seit 2016 gibt es das Windrad bei Bruck. Noch ist es das einzige im Landkreis.
  • Interesse, dies zu ändern bestünde, doch Widerstand kommt nicht nur von skeptischen Bürgern, sondern auch von der Politik.
Von Wieland Bögel, Ebersberg/Bruck

Hamberg ist nur der Anfang. Zumindest, wenn es nach den Teilhabern der Osterkling GmbH geht, die seit Ende 2016 das Windrad in dem Weiler bei Bruck betreibt. Dieses ist das einzige seiner Art im Landkreis - noch. Denn an diesem Mittwoch wollen die Eigentümer des Hamberger Windrades Interessierten zeigen, wie sich ähnliche Anlagen realisieren lassen können.

"Windkraft in Bürgerhand" lautet das Motto der Veranstaltung, die Hans Zäuner organisiert. Er ist Geschäftsführer der Osterkling GmbH, eine Gemeinschaft von 16 Bruckern, die sich Ende 2011 zusammenschlossen, um das erste Windrad im Landkreis zu bauen und zu betreiben.

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Dabei mussten sie vor allem Geduld beweisen, denn bis die Anlage in Betrieb genommen werden konnte, vergingen fünf Jahre. Zwar wurde die Genehmigung rasch erteilt - damals galten Windräder noch als privilegierte Vorhaben, vergleichbar mit landwirtschaftlichen Bauten -, danach jedoch formierte sich Widerstand.

Bewohner umliegender Ortschaften prozessierten wegen erwarteter Lärmbelastung, Umweltschützer sahen Vögel in Gefahr. "Es ist bewundernswert, mit welcher Energie die Hamberger das alles durchgestanden haben", sagt Hans Gröbmayr anerkennend. Der Klimaschutzmanager des Landkreises wird ebenfalls am Mittwoch auf der Veranstaltung sprechen.

Beiden, Zäuner wie Gröbmayr, geht es um zwei Aspekte: erstens aufzuzeigen, wie trotz politischer Widerstände - etwa die berüchtigte 10-H-Regel, wonach kein Windrad näher als das Zehnfache seiner Höhe an der nächsten Wohnbebauung stehen darf - der Bau von neuen Windkraftanlagen weiter möglich ist, und zweitens die verbreiteten Vorurteile dagegen zu entkräften.

Und von denen gibt es einige, weiß Zäuner; etwa dass Windräder viel Krach machten, aber wenig Strom lieferten. Das Beispiel Hamberg zeige genau das Gegenteil: "Der Lärm ist gar kein Problem", so Zäuner, entsprechende Befürchtungen von Anwohnern hätten sich nicht bewahrheitet. Was sicher auch am Einbau besonders geräuscharmer Rotorelemente liege, "das ist wie bei den Autos, die werden auch immer leiser". Und die Leistung immer höher: So produzierte das Hamberger Windrad im vergangenen Jahr rund 3,3 Millionen Kilowattstunden. Neuere Anlagen kämen sogar auf den doppelten Wert, sagt Gröbmayr.

Doch auch die Anlage in Hamberg lohne sich durchaus, heuer werde man wohl das erste Mal Gewerbesteuer zahlen müssen, schätzt Zäuner. Zwar "wird man nicht reich" mit dem Betrieb eines Windrades - schlecht investiert sei das Geld indes nicht: Etwa 14 bis 15 Jahre betrage die Amortisationszeit für eine solche Anlage, laufen wird sie dafür mindestens 20 Jahre; so lange gilt die Genehmigung, die allerdings danach in Fünf-Jahres-Schritten verlängert werden kann.

All das hat Zäuner in den vergangenen Monaten schon oft erzählt: "Wir haben fast 70 Führungen mit den verschiedensten Leuten gehabt." Allen gemeinsam: "Das Interesse ist wahnsinnig groß - und alles positiv." So positiv, dass die Osterklinger auch schon einige Anfragen von Leuten hatten, die selbst eine Windrad-Gesellschaft gründen wollten, und genau darin sieht Zäuner die Zukunft: "Die Anlagen sollen nicht den Konzernen gehören, sondern den Bürgern." Diese könnten gemeinsam und regional Energie gewinnen und so "die Heimat bewahren". Diesen Ansatz betont auch Gröbmayr. Wer selbst an einem Windrad beteiligt ist, "freut sich immer, wenn es sich dreht".

Damit es sich aber drehen kann, ist einiges an Vorbereitung nötig, auch politisch. Denn nach wie vor gilt die 10-H-Regel - es sei denn, die entsprechende Kommune genehmigt eine Ausnahme. Auch dafür sei das gemeinschaftliche Handeln wichtig, sagt Zäuner, "wenn sich die Leute ortschaftenweise zusammentun, können die Gemeinden 10-H kippen." Eine Perspektive, die auch Gröbmayr für nicht ganz unrealistisch hält. Er habe den Eindruck, die meisten Bürger seien für die Windkraft, "aber die Minderheit der Gegner ist lauter".

Dabei, das hatte Gröbmayr vergangenes Jahr in einer Studie im Kreistag vorgestellt, sei Windkraft für das Gelingen der Energiewende unverzichtbar, benötigt würden seiner Berechnung nach etwa 30 Rotoren. Vielleicht beginnt der Weg dahin ja bereits diese Woche. Zäuner hat ein gutes Argument dafür: "Wenn in jeder Gemeinde ein Windrad wie das in Hamberg steht, wäre ein Drittel des Strombedarfs im Landkreis gedeckt."

Am Mittwoch, 28. März, findet um 19.30 Uhr die Veranstaltung "Windkraft in Bürgerhand - so könnte die Energiewende im Landkreis gelingen" auf der Ebersberger Alm beim Aussichtsturm statt. Bereits von 14 Uhr an kann das Hamberger Windrad besichtigt werden.

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