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Infektionskrankheit:Beunruhigende Häufung

Innerhalb weniger Tage erkranken zwei junge Frauen an Meningokokken - in Grafing ist deshalb eine Kita geschlossen

Die Krankheit kommt schnell und heftig: In Folge einer Hirnhautentzündung wird bei einer Infektion mit Meningokokken häufig der Nacken steif, das Kinn kann nur noch schlecht bewegt werden, dazu kommen Kopfschmerzen, Fieber und Schüttelfrost. Auch Blutvergiftungen können die Bakterien auslösen. "Das Krankheitsgefühl ist sehr ausgeprägt", sagt Hermann Büchner, Chef des Ebersberger Gesundheitsamts. Nun sind gleich zwei Meningokokkenfälle innerhalb weniger Tage im Landkreis registriert worden - in einem Fall hatte dieser auch eine Kita-Schließung in Grafing zur Folge.

Denn eine der Betroffenen, die im nördlichen Landkreis lebt, arbeitet dort. Sie war laut Büchner am Donnerstag erkrankt und wird seit Freitag in der Kreisklinik behandelt. Die Klinik habe sehr gut und schnell reagiert, lobt Büchner, und noch am Freitag die Leitung der Grafinger Kindertagesstätte informiert. Diese habe noch am Freitag und am Wochenende die Information an die Eltern der betreuten Kinder weitergegeben. Alle, die mit der erkrankten Frau in Kontakt waren, hätten eine sogenannte Chemoprophylaxe erhalten, also ein Antibiotikum, das die Bakterien wirksam bekämpft. Für Kinder gibt es laut Büchner hier besondere Medikamente. Sollte dem Gesundheitsamt bis zu diesem Mittwochmittag keine Folgeerkrankungen gemeldet werden, spricht nach Einschätzung Büchners nichts dagegen, die Kita am Donnerstag wieder zu öffnen.

Unklar ist bislang, ob der zweite Fall mit dem ersten zu tun hat. Bisher habe man dafür keine Hinweise, so Büchner. Die zweite Erkrankte, die seit Montag in der Kreisklinik behandelt wird, lebt in Grafing und arbeitet an einer Münchner Klinik. Auch dort habe man sofort die Klinikleitung informiert, sodass entsprechende Prophylaxemaßnahmen unter den Kollegen und Patienten eingeleitet werden konnten, erläutert der Chef des Ebersberger Gesundheitsamts. Im familiären Umfeld der Frau habe man aber bislang noch niemanden erreicht.

Die Krankheitsverläufe bei den beiden Frauen - beide Jahrgang 2000 - sind laut Büchner sehr heftig, beide liegen auf der Intensivstation der Kreisklinik. "Jetzt hoffen wir, dass es zu keinen Sekundärfällen kommt", so der Fachmann vom Ebersberger Gesundheitsamt. Zwei Erkrankungsfälle innerhalb weniger Tage seien im Landkreis sehr ungewöhnlich. In der Regel gebe es höchstens eine oder zwei Erkrankungen im ganzen Jahr, erläutert Büchner.

Die Ansteckung mit Meningokokken erfolgt in der Regel von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion. Es gebe auch Fälle, in denen Menschen selbst nicht an Meningokokken erkranken, die Bakterien aber als Träger weitergeben. Gegen einige Meningokokken-Typen gibt es Impfungen. Die Ständige Impfkommission rät zur Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C für alle Kinder im zweiten Lebensjahr. Laut einer Statistik des Robert-Koch-Instituts gab es im Jahr 2016 in ganz Bayern 42 Meningokokken-Erkrankungen, im Jahr 2017 erkrankten 50 Menschen.

Insbesondere dann, wenn die Meningokokken eine Blutvergiftung auslösen, kann die Erkrankung sogar tödlich verlaufen. Laut Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stirbt in diesem Fall etwa jeder zehnte Betroffene an der Krankheit.

© SZ vom 27.03.2019

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