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In der Turmstube:Zauber mal drei

Bassist Christian Schantz beim Jazz im Turm, Grafing, mit seinem Trio

Meditative, virtuose Momente: der Ebersberger Bassist Christian Schantz beim Grafinger Jazzabend.

(Foto: Veranstalter)

Jazz in Grafing: Christian Schantz begeistert im Trio

Wer bei der jüngsten Ausgabe des "Jazz im Turm" nicht dabei war, hat wahrlich etwas Außergewöhnliches und Schönes verpasst: Das zahlreich erschienene Publikum in der Grafinger Turmstube erlebte wieder einmal, im elften Jahr des Bestehens der Musikerinitiative "Jazz Grafing", ein Highlight - und zwar dank eines einheimischen Künstlers: Zu Gast war der Bassist Christian Schantz aus Ebersberg mit seinem Trio aus Pianist Josef Reßle und Drummer Matthias Gmelin. Und dabei geschah sogar etwas bisher noch nie Dagewesenes: Die Gäste im wie immer voll besetzte Turm ließen sich nach dem Session-Opener von Schantz' Trio von diesem mit weiteren drei Zugaben verwöhnen.

Woran lag das? Sicher auch an dem sympathischen und bescheidenen Auftreten der drei Profimusiker und der fast schüchternen Moderation des Ebersberger Bassisten Christian Schantz. Aber - und vor allem - auch an der unglaublichen Virtuosität des Trios, mit der es höchst sensibel und subtil Unerwartetes jazzt. Das Liedgut nämlich bezieht sich auf Schatz' Lieblingssongs, die allesamt aus dem Rock- oder Filmmusikbereich stammen: man hört John Lennon, David Bowie, Sting, die Pixies - nur eben ganz anders. Sei es einleitend die Eigenkomposition "Antons Lied", ein Jazz-Standard oder ein Hit von Paul Simon - jedes Stück wird in reinen modernen Jazz verwandelt und eigenwillig interpretiert. Dabei fächert sich eine große Bandbreite von gefühlvollen Balladen über swingenden Rock - mitreißend bei Bowies "Heroes" - bis hin zu wilden Improvisationen auf. Besonders schön und bewegend interpretieren die drei Musiker den berühmten Song "Windmills of Your Mind" von Michel Legrand aus dem Film "The Thomas Crown Affair" mit Steve McQueen. Als ob sie mit diesem zarten Dialog den Zuhörern erklären wollten, weshalb dieser Song ein solcher Ohrwurm geworden ist.

Was dieses noch junge Trio ebenfalls auszeichnet: ein ungemein konzentriertes Zusammenspiel, ein Aufeinanderhören, ein ungemein hoher non-verbaler Kommunikationsgrad untereinander, der fast schon meditative, sphärenhafte Momente schafft. Bemerkenswert ist zudem die absolute Gleichberechtigung der Stimmen von Piano und Kontrabass. Man erlebt selten, dass der Bass stets eine Hauptrolle spielt, ohne dabei zu dominieren. Matthias Gmelin wiederum erweist sich als sehr einfühlsamer Begleiter, meist zurückhaltend, aber in manchen schnellen Partien auch ein echter Drummer.

Was das Trio weiterhin auszeichnet, ist sein zusammenhängendes Spiel: Zwischen den Stücken werden keine Pausen mit Ansage gemacht, vielmehr nutzt der Bassist lange Übergänge für intensive, äußerst variationsreiche Soli, in denen er auf feine, unspektakuläre Art die virtuose Beherrschung seines Instruments demonstriert.

Langjährige Besucher der Jazzreihe bestätigten, dass dieses junge Trio schon jetzt höchstes Niveau erreicht hat. Kein Wunder, dass es vom Publikum mit lang anhaltendem, stürmischen Beifall belohnt wurde. In der anschließenden Jamsession, zu der rund ein Dutzend sehr begabte Jazzer, wie immer mit großer Lust und Spielfreude, aus Rosenheim, München "and beyond" einstiegen, konnte der Zauber des Openers leider nicht wiederholt werden. Jedoch - wie ein neuer Zuhörer im Turm feststellte: "Schon unglaublich, auf welchem Niveau in einer Kleinstadt wie Grafing gejazzt wird!"

Da sich die Reihe großer Beliebtheit erfreut, gab es noch einen Hinweis: Stadthallenleiter Sebastian Schlagenhaufer erläuterte die Einführung von kostenlosen Einlasstickets. Sie ermöglichen eine genaue Zählung der Besucher und damit die Einhaltung der Obergrenze von 70 Zuhörern, die nicht überschritten werden dürfe. Es sei ratsam, eine solche Einlasskarte künftig bereits vor dem Konzert im Internet zu beantragen.

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