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In der Poinger Ortsmitte:Ade, grauer Beton

Poing - Bahnunterführung

Die neue Unterführung am Poinger S-Bahnhof sorgt nicht nur für die Verbindung von Alt-Poing mit dem Norden, sondern auch für Unmut in der Gemeinde: zu viel Grau und zu wenig Grün. Das soll sich aber bald ändern, wie Bürgermeister Thomas Stark (links) Landrat Robert Niedergesäß (Zweiter von rechts ) zeigt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Poinger Bau- und Umweltausschuss werden Varianten vorgestellt, wie die neue Gleisunterführung am S-Bahnhof grüner werden kann. Bis zur nächsten Gemeinderatssitzung werden noch weitere Wünsche in die Pläne eingearbeitet

Von Johanna Feckl, Poing

Wie kann die neue Bahnunterführung, die seit April den Poinger Süden mit dem Norden verbindet, schöner werden? Darüber diskutierten die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses in der jüngsten Sitzung am Dienstag ausgiebig. Keine der zwei vorgestellten Alternativen von Landschaftsarchitektin Annette Wrulich vom Büro Prof. Kagerer, die ihre Pläne während der Sitzung vorstellte, stellte die Ausschussmitglieder vollständig zufrieden. Einen Beschluss gab es deshalb nicht, dafür aber einige Wünsche und Anregungen, die Wrulich in die Pläne integrieren wird. Voraussichtlich in der Gemeinderatssitzung am 17. September soll dann endgültig über eine Variante abgestimmt werden.

Mit fast einem halben Jahr Verspätung und damit nach insgesamt zwei Jahren Bauzeit sowie einer noch viel längeren Planungszeit ist die Unterführung am S-Bahnhof Ende April vom damaligen Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) eröffnet worden. Das südliche Alt-Poing verbindet seitdem ein 140 Meter langer betonierter Weg mit dem neueren, nördlichen Ortsteil. Der zwölf Meter breite Tunnel mit breiten trapezförmigen Ausläufern auf beiden Seiten hat zu "sehr kontroversen Diskussionen in der Öffentlichkeit geführt", wie es Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) formulierte: Die einen lobten die gut einsehbare und behindertengerechte Unterführung. Die anderen störten sich an dem vielen Grau und dem wenigen Grün, "Beton-Monstrum" nannte es ein Mann.

Schon damals verwies Neu-Bürgermeister Thomas Stark darauf, dass die Unterführung im aktuellen Zustand noch nicht fertig sei - baulich ja, aber gestalterisch eben nicht. Schon damals arbeitete das Landschaftsarchitektenbüro an einem Gestaltungsvorschlag und Stark versicherte, dass das Thema in den entsprechenden Gremien behandelt wird, sobald er etwas auf seinem Tisch dazu liegen hat. Am Dienstagabend war es nun so weit.

Die Pläne von Landschaftsarchitektin Wrulich sehen südlich der Bahngleise eine Begrünung der äußeren Fläche an der Rampe für Menschen mit einer Gehbehinderung oder einem Kinderwagen im Osten vor. Außerdem sollen dort sechs Bäume gepflanzt werden, um die Rampe zu beschatten. Weitere sechs Bäume sollen in Blockform auf einer dreieckigen Fläche mittig am äußersten Rand des nach Süden verlaufenden Ausläufers etwas Grün ins viele Grau bringen. Damit würde aus einem großen zwei kleinere, jeweils acht Meter breite Fahrbereiche. Um den Baumblock herum sollen Bänke Sitzgelegenheiten schaffen. Bei der Mauer im westlichen Bereich schlug Wrulich ebenfalls eine Begrünung vor, um so zu verhindern, dass die Mauer betreten wird - eine potenzielle Gefahrenstelle, denn im Zweifel erwartet die Betreter ein Sturz in fünf Meter Tiefe.

Bei der nördlichen Rampe stellt sich die Landschaftsarchitektin Kletterpflanzen an der Ostseite der Bauwerksmauer vor, möglicherweise auch auf der gegenüberliegenden Westseite. Zusätzlich wäre eine dazu passende künstlerische Gestaltung denkbar, etwa in Form von Graffiti oder Farblasuren. Auf der momentanen Kiesfläche im Osten schlägt Wrulich vor, eine Wiese anzulegen - entweder in Form von Variante eins mit befestigen Bereichen für 28 Fahrradanlehnbügel, oder in Form von Variante zwei mit Bereichen für bodendeckendes Gehölze und Kleinsträucher. Preislich liegen beide Möglichkeiten nah beieinander; mit Fahrradabstellflächen sind es 145 000 Euro, ohne 143 000 Euro.

Eine Trockenmauer in die Planung mit aufzunehmen, wie es unter anderem Grünen-Gemeinderätin Yvonne Großmann im Vorfeld der Sitzung vorgeschlagen hatte, ist laut Wrulich nicht möglich - zumindest riet sie vehement davon ab. Für eine solche Mauer, die aus Bruch- oder Natursteinen besteht und in den Fugen Platz für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten bietet, sieht die Expertin die notwendigen Bedingungen nicht erfüllt. Außerdem sei die Pflege und damit der Erhalt mit einem großen und vor allem teuren Aufwand verbunden, "das ist nicht so einfach, wie man denkt".

Die Fraktionen waren sich einig darüber, dass die vorgestellten Pläne in die richtige Richtung zeigen. Franz Langlechner (CSU) plädierte dafür, sich vor allem bei der Entscheidung für die künstlerische Gestaltung der Mauern Zeit zu lassen. Dem stimmte Günter Scherzl (FWG) zu. Peter Maier (SPD) sprach seine Enttäuschung darüber aus, dass die Planer der Unterführung die versprochene Absturzsicherung bei der Mauer auf der Südseite nicht realisiert haben. Dritter Bürgermeister Werner Dankesreiter (Grüne) äußerte Zweifel darüber, ob eine Begrünung der Mauer das Betreten verhindern wird. Marc Salih (FDP) schlug vor, entsprechend größere Pflanzen auf diesem Bereich anzulegen.

Lange diskutierten die Ausschussmitglieder darüber, ob auf der momentanen Kiesfläche im Norden Abstellflächen für Räder geschaffen werden sollen. Letztlich sprach sich das Gros dafür aus, und zwar ohne Überdachung. Außerdem wünschen sich die Fraktionen eine herabwachsende Begrünung auch an der Süd-West-Mauer sowie drei zusätzliche Bäume am Rand des nördlichen Ausläufers der Unterführung.

© SZ vom 30.07.2020

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