Erste Bilanz:"Das Impfzentrum hat unzählige Menschen sehr, sehr glücklich gemacht"

Lesezeit: 4 min

Erste Bilanz: Im Mai 2021 stattet sogar Gesundheitsminister Klaus Holetschek dem Impfzentrum einen Besuch ab. Liam Klages zeigt ihm unter anderem den früheren Tresorraum der Sparkasse, in dem die Kühlschränke mit den Impfstoffen stehen.

Im Mai 2021 stattet sogar Gesundheitsminister Klaus Holetschek dem Impfzentrum einen Besuch ab. Liam Klages zeigt ihm unter anderem den früheren Tresorraum der Sparkasse, in dem die Kühlschränke mit den Impfstoffen stehen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Als erst 20-Jähriger hat Liam Klages vor einem Jahr die Leitung der Einrichtung in Ebersberg übernommen. Seither hat sich viel getan. Über schöne und nicht so schöne Momente - und einen Begriff, den Klages inzwischen fast verlernt hat.

Interview: Barbara Mooser, Ebersberg

Den Anfang machten vier handverlesene Landkreisbürger, von denen aus unterschiedlichen Gründen letztlich doch nur zwei die ersten Impfstoffdosen gegen das Coronavirus erhielten: Ein Hauch von Pioniergeist wehte an jenem zweiten Weihnachtsfeiertag 2020 durch das gerade neu eingerichtete Impfzentrum im früheren Sparkassengebäude. Chef war und ist Liam Klages von der Firma Tresec; der damals erst 20-Jährige wurde als jüngster Leiter eines Impfzentrums auch bundesweit bekannt. Am Jahrestag des Ebersberger Impfzentrums durfte Klages das genießen, wovon es im vergangenen Jahr für ihn nur sehr wenig gab: Urlaub. Nun ist er wieder im Einsatz - und zieht im Gespräch mit der SZ Ebersberg eine erste Bilanz.

Wenn Sie an das vergangene Jahr denken - was ist Ihnen am eindringlichsten in Erinnerung geblieben?

Die vielen dankbaren Menschen, als wir anfingen zu impfen.

Sie haben in einem sehr jungen Alter sehr große Verantwortung übernommen - haben Sie je gezweifelt, dass das funktioniert?

Jung ja - Zweifel nein. Ich hatte ja schon vorher verantwortungsvolle Aufgaben und Positionen. Bei der Organisation von großen Katastrophenschutzübungen - im Einsatz bei Feuerwehr und Rettungsdienst. Und - auch das muss man sagen - ich halte zwar die Fäden zusammen, trage als Leiter die Verantwortung, bin aber nicht allein, habe Partner und Mitstreiter. Gemeinsam bilden wir ein hoch-qualifiziertes Team, mit ganz unterschiedlichen Stärken. Und, auch das sei hier erwähnt, wir haben ausgesprochenes Glück mit unserem Auftraggeber, dem Team im Landratsamt, dem Landrat selbst, mit dem wir verantwortungsvoll, harmonisch, effizient zusammen arbeiten, als hätten wir nie etwas anderes gemacht.

Wie hat sich die Arbeit im Impfzentrum im Laufe der Monate verändert?

Die Unterschiede von "kein Impfstoff - großer Andrang" hin zu "genug Impfstoff - aber keine Impfwilligen mehr" und wieder zurück zu "großer Andrang" hätten kaum gewaltiger ausfallen können. Wie bei jeder Aufgabe: mit zunehmender Routine, spielen sich Abläufe besser ein. Damit bekommt man Zeit, sich um Details und kleinere Probleme, um die sogenannten Einzelschicksale besser zu kümmern, um Prozesse zu optimieren. Und um auch mal zu verschnaufen ...

Wie Sie schon angemerkt haben: Am Anfang war der Impfstoff knapp, dann gab es genügend Nachschub, aber keine Impfwilligen mehr, innerhalb weniger Wochen. Haben Sie mit einer solchen Entwicklung gerechnet?

Nein, nicht wirklich. Und die Entwicklung kam auch ziemlich schnell - nicht schleichend.

Wie ist es Ihnen gelungen, das Impfzentrum innerhalb kürzester Zeit im Herbst wieder hochzufahren?

Hier gebührt dem Landrat und dem Landratsamt der Dank, die in weiser Voraussicht entschieden hatten, das Impfzentrum zu verkleinern, aber nicht zu schließen. Zum Hochfahren war alles noch da, insbesondere die Orga, die Prozesse, die Technik - wir brauchten "nur noch" Personal. Das war zwar tatsächlich eine große, aber auch die einzige nennenswerte Herausforderung. Auch aus vielen technischen Gründen.

Erste Bilanz: Die nächsten großen Projekte hat Liam Klages bereits in Planung.

Die nächsten großen Projekte hat Liam Klages bereits in Planung.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Was war die angenehmste menschliche Begegnung im Impfzentrum?

Die angenehmste - das ist schwierig. Aber ich erinnere mich, wie schon gesagt, gerne an die an unzähligen dankbaren Menschen, die uns feierten, weil sie endlich zum Impfen konnten, die den Impfteams Schokolade mitbrachten, sich später mit Briefen und Karten bedankt haben. Das Impfzentrum hat unzählige Menschen sehr, sehr glücklich gemacht - und das konnte man jeden Tag sehen.

Und was die unangenehmste?

Es gab schon ein paar wenige Querulanten, auch den ein oder anderen Besserwisser, der sich im Zuge der Pandemie zum Retter aufspielen wollte. Und natürlich die Dauernörgler, denen man eh nix Recht machen kann. Wenige. Aber auch hier: den größten Druck haben Landrat und Landratsamt abbekommen und uns da sehr gut abgeschirmt.

Gab es auch in Ebersberg Störaktionen von Impfgegnern?

Nichts Schlimmes. Ich denke, wir haben großen Rückhalt in der Bevölkerung. Außerdem arbeiten wir ja Tür an Tür, mit den netten Kollegen der Polizei Ebersberg, die immer für uns da waren, da sind - Gruß und Dankeschön dafür.

Das vergangene Jahr dürfte Ihnen wenig Gelegenheit zur Erholung gelassen haben - rechnen Sie damit, dass Sie dieses Jahr mehr Freizeit haben?

Definiere Freizeit? Spaß beiseite - bei uns stehen schon die nächsten großen Projekte an. Eine schöne Nebenerscheinung der erfolgreichen Arbeit hier im Impfzentrum.

Was ist Ihre Prognose: Braucht es auch über 2022 hinaus noch das Impfzentrum?

Ein Blick in die Glaskugel ... Ich denke, die Kommunen, auch unser Landkreis, werden die grundsätzlichen Strukturen des Impfzentrums irgendwie erhalten wollen, um für den kommenden Fall der Fälle ein schnelles Hochfahren zu ermöglichen. Das Impfzentrum - wie wir es heute sehen - brauchen wir dann und dafür hoffentlich nicht mehr. Wenn doch - wir sind ja da!

Was haben Sie aus Ihren Erfahrungen im Impfzentrum gelernt und welche neuen Herausforderungen reizen Sie jetzt?

Mit Menschen zu arbeiten - das sogenannte "Teambuilding" - auch unter Druck Ideen und Aufgaben fertig zu denken, Entscheidungen erst dann und doch schnell und konsequent zu treffen. Es ist tatsächlich sehr viel, was wir alle hier gelernt haben und das Lernen hört nicht auf. Im Gesundheitswesen - für uns jenseits der Pflege und ärztlichen Betreuung - steckt meines Erachtens nach unglaubliches Entwicklungs- und Verbesserungspotenzial. Hier gibt es die ein oder andere auch überregionale Aufgabe, die mich reizt - wir werden sehen. In jedem Fall nehme ich großartige Bekanntschaften, neue Freundschaften und viele tolle Erinnerungen mit.

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