Hype um Sonnenfinsternis:"Wir hätten tausend Brillen verkaufen können"

Diesen Ansturm hatte Optiker Jean Colin nicht erwartet: Seit Tagen sind seine Schutzbrillen ausverkauft. Für diejenigen, die leer ausgehen, hat er allerdings eine Alternative.

Von Carolin Fries, Vaterstetten

Fast im Minutentakt klingelt bei Optikermeister Jean Colin das Telefon. Der 64-Jährige, der seit 30 Jahren ein Geschäft in der Schwalbenstraße am Bahnhof Vaterstetten hat, ist in den Tagen vor der Sonnenfinsternis am Freitag schwer gefragt. Was die Leute wollen? Brillen natürlich.

SZ: Haben Sie noch Schutzbrillen?

Jean Colin: Nein, nicht mehr. Die letzten sind weg, wir hatten gerade einmal hundert. Mit einer so großen Nachfrage hatten wir nicht gerechnet. Seit Dienstag rufen die Leute nonstop an. Wir hätten tausend Brillen verkaufen können.

Verstehen Sie die Aufregung denn nicht?

Ich bin schon überrascht, weil bei der letzten partiellen Sonnenfinsternis 2006 fast gar nichts los war. 1999, als der Kernschatten in der Mittagszeit über München zog, war die Aufregung vergleichbar groß wie dieses Mal. Aber da wurde es ja auch richtig dunkel.

Sie hatten damals vor Ihrem Geschäft ein Teleskop aufgebaut und die Bilder an eine Hauswand projiziert.

Das machen wir auch am Freitag wieder. Peter Herz, ein Physiker und Hobby-Astronom, bringt seine Teleskope mit. Er kann das dann auch alles erklären. Wir werden auch ein paar Brillen vorhalten für interessierte Passanten.

Was geschieht, wenn man die Sonnenfinsternis ohne Brille anschaut?

Ganz einfach: Man erblindet.

Werden sich die Augen nicht selbstschützend abwenden?

Das ist die natürliche Schutzreaktion. Doch wer sich mit Gewalt der Blendung aussetzt, begeht das Risiko, sein Augenlicht zu verlieren. Es hilft auch keine normale Sonnenbrille, es müssen Brillen mit Schutzfolie sein.

Nun gibt es aber kaum mehr welche in den Geschäften. Was tun?

Hype um Sonnenfinsternis: Optiker Jean Colin wird die Bilder der Sonnenfinsternis auf seine Hauswand projizieren.

Optiker Jean Colin wird die Bilder der Sonnenfinsternis auf seine Hauswand projizieren.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Man kann problemlos die Brillen tauschen. Es schaut doch kein Mensch zwei Stunden lang in den Himmel. Eine Brille reicht leicht für zehn Leute oder mehr. Um 9.30 Uhr geht es los, der Schatten schiebt sich über die Sonne, die gegen 10.45 Uhr nur noch als Sichel zu sehen sein wird. Etwa 68 Prozent der Sonne sollen dann bedeckt sein, es wird also nicht dunkel, viele werden die Sonnenfinsternis gar nicht bemerken. Kurz vor 12 Uhr ist dann alles wieder vorbei.

Woran liegt es, dass sich - obwohl 2006 fast das Gleiche geschah - diesmal so eine Aufregung herrscht?

Da wird viel über die Medien transportiert. Und natürlich ist das auch ein Thema in den Schulen. Dort haben sie natürlich Angst, dass die Kinder ohne Schutzbrillen in die Sonne schauen.

Wie kommen Sie dazu, sämtliche Finsternisse quasi live zu übertragen?

Ich schaue gerne in die Sterne, bin aber kein Astronom. Durch den Kontakt mit Peter Herz hat sich das so entwickelt. Er hat die Technik und das Wissen, wir die Brillen. Es ist immer ganz spontan; auch als die Venus 2012 vor der Sonne vorbeizog, haben wir das gezeigt: Ein kleiner schwarzer Punkt auf der Sonnenscheibe, das ist schon faszinierend! Es macht einfach Freude, das zu zeigen.

Jean Colin und Peter Herz zeigen die Sonnenfinsternis am Freitag, 20. März, von 9.30 Uhr bis 12 Uhr vor dem Optikgeschäft in der Schwalbenstraße 4 in Vaterstetten.

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