Wahl:Grafinger Landtagsabgeordneter wird zum Symbolbild für den CSU-Absturz

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Landtagswahl Bayern - CSU

"CSU-Anhänger reagieren bei der Wahlparty der CSU im Landtag auf die Bekanntgabe der Prognosen", hat dpa-Fotograf Michael Kappeler zu seinem Foto geschrieben.

(Foto: dpa)

In zahlreichen Zeitungen, auf diversen Online-Portalen und sogar auf der Titelseite der Financial Times fand sich Thomas Huber nach der Landtagswahl wieder.

Interview von Barbara Mooser, Ebersberg

Es war das Motiv des dramatischen Wahlabends, in Zeitungen in ganz Deutschland und darüber hinaus wurde es abgedruckt und auf Onlineauftritten abgebildet, sogar auf der Titelseite der Financial Times war es zu sehen: eine schmucke Familie in Tracht im Maximilianeum, die fassungslosen Blicke auf den Bildschirm gerichtet, wo gerade das Wahlergebnis der CSU zu sehen ist. "CSU-Anhänger reagieren bei der Wahlparty der CSU im Landtag auf die Bekanntgabe der Prognosen", hat dpa-Fotograf Michael Kappeler dazu geschrieben. Die CSU-Anhänger auf dem Bild sind freilich im Landkreis Ebersberg bestens bekannt: Es handelt sich um den CSU-Landtagsabgeordneten Thomas Huber, seine Frau Elli und ihren gemeinsamen Sohn Thomas. Die SZ sprach mit Huber über seine neue Prominenz.

SZ: Herr Huber, das Foto ist zum Symbolbild für den Absturz der CSU am Sonntag geworden - ist das schlimm für Sie?

Thomas Huber: Ich kann's nicht ändern. Natürlich hätte ich mir eher gewünscht, dass ein Bild, auf dem ich etwas glücklicher schaue, so weit verbreitet wird. Aber es war ein wahrlich hitziger Abend, an dem auch mir der Schweiß auf der Stirn stand. Der Fotograf hat genau diesen Moment eingefangen.

Wie kam es denn dazu, dass Sie ein so begehrtes Motiv geworden sind?

Als ich mit meiner Familie im Landtag ankam, wurden wir vereinzelt fotografiert. Als wir dann im großen Konferenzraum standen, versammelten sich auf einmal unglaublich viele Fotografen und Fernsehteams und richteten ihre Kameras auf uns. Ich habe zwar darauf hingewiesen, dass ich nicht beabsichtige, eine Rede zu halten, und dass der Ministerpräsident erst noch kommt, aber das hat sie nicht davon abgehalten. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass wir für viele der dort versammelten, zum größten Teil nationale Pressevertreter, der Inbegriff eines "typischen Bayern" waren. Darüber muss ich heute schon ein wenig schmunzeln.

Einer der Gründe dafür war sicher die Tatsache, dass Sie alle drei so schöne Tracht tragen. Haben Sie die extra für diesen Anlass angezogen?

Wir sind überzeugte Bayern und tragen nicht nur am Wahltag Tracht, sondern auch zu anderen Anlässen. Ich habe mehr Trachtenanzüge als normale Anzüge, meine Frau hat mehr Dirndl als andere Kleider. Wir tragen das einfach total gern. Meine Frau und ich sind beide seit unserer Kindheit aktiv im Trachtenverein engagiert und auch unser Sohn ist aktiver Trachtler. Tracht kann man immer und zu jedem Anlass anziehen: ob zu Trauerfeiern, auf Geburtstagen, Hochzeiten, aber auch im Alltag, zur Arbeit und eben auch am Wahltag.

Wie kommt es eigentlich, dass Sie am Wahlabend im Landtag waren? Eigentlich hatten Sie angekündigt, im Landratsamt auf die ersten Ergebnisse zu warten.

Das hat sich zufällig ergeben. Ich hatte eine kurzfristige Anfrage von einem Team von "Kontrovers" vom BR, das mich am Wahlabend begleiten und auch die Stimmung im Landtag einfangen wollte. Deshalb bin ich dann, wie andere Kollegen auch, vorher ins Maximilianeum gefahren. Meine Frau und mein Sohn haben mich begleitet und so ist es eine Art Familienausflug geworden. Es war auch spannend, den Wahlabend dort kurz zu erleben. Der Landtag glich mehr einem Fernsehstudio als einem Parlament. Hunderte Journalisten waren akkreditiert, überall waren Kabel verlegt, überall waren Presseräume eingerichtet; das war eine komplett andere Stimmung als sonst.

Sie sagen, Sie haben vor der Aufnahme gemerkt, dass alle Kameras auf Sie gerichtet waren. Dennoch wirkt die Reaktion spontan.

In diesem einen Moment ist alles aus meinem Blickfeld verschwunden, ich habe alles um mich herum total ausgeblendet und nur noch auf die Säulen auf dem Bildschirm geschaut. Mein Gesichtsausdruck spiegelt diesen einen Moment und die Enttäuschung wider. Ehrlich gesagt, waren mir die Ergebnisse auf dem Bildschirm wichtiger als die auf mich gerichteten Kameras.

Denken Sie denn, dass bald andere Bilder von Ihnen verbreitet werden - beispielsweise, weil Sie Staatssekretär im Sozialministerium werden? Das Gerücht hört man jedenfalls bisweilen.

Ach, geredet wird viel! Ich kann mir das in der jetzigen Situation nicht vorstellen. Die CSU wird leider aufgrund des Wahlergebnisses einige Kabinettsposten an den Koalitionspartner abgeben müssen, wer auch immer das sein wird. Da werden sich für einen "Neuen" eher keine Aufgaben in der Staatsregierung auftun.

Wo Sie schon vom Koalitionspartner sprechen - wie sehen denn Ihre Präferenzen aus?

Meine bevorzugte Konstellation wäre auf jeden Fall eine bürgerliche Mehrheit.

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