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Hotline täglich erreichbar:Rotes Kreuz koordiniert landkreisweiten Einkaufsservice

In der Zentrale des Bayerischen Kreuzes in Ebersberg werden Hilfebedürftige und Freiwillige koordiniert.

(Foto: Christian Endt)

Das Bayerische Rote Kreuz in Ebersberg bietet einen Service für Menschen, die sich in Corona-Quarantäne befinden oder zu einer Risikogruppe gehören.

Der Ebersberger Kreisverband des Bayrischen Roten Kreuzes (BRK) hat die landkreisweite Koordination einer ehrenamtlichen Helfermannschaft gestartet. Zunächst geht es darum, Quarantäne-Patienten und Risikogruppen mit dem täglichen Bedarf zu versorgen. Doch allein bei der Lieferung von Lebens- oder Hygienemitteln wird es womöglich nicht blieben, schätzt Kreisbereitschaftsleiter Bernhard Nowotny.

Eingebettet ist die Aktion ins "Team Bayern", einen schon länger bestehenden Zusammenschluss des Radiosenders Bayern 3 und des BRK. Er aktiviert sich, wenn es irgendwo brenzlig wird - und setzt auf die Gemeinschaft derer, die helfen wollen und können. "Einer allein kann eine Flut nicht stoppen - aber viele zusammen können einen Deich bauen", lautet einer der "Team Bayern"-Schlagsätze.

Etwas abgewandelt auf die aktuelle Coronakrise formuliert es BRK-Kreisgeschäftsführerin Elisabeth Seibl-Kinzlmaier so: "Wenn viele nicht mehr aus dem Haus können, müssen eben viele helfen." An Freiwilligen fehlt es offenbar nicht. In zahlreichen Nachbarschaften hatten sich in den vergangenen Tagen bereits kleine Helferkreise gebildet. "Und auch wir bekommen hier eine spontane Hilfsbereitschaft mit, die sehr beeindruckend ist", berichtet die Kreisgeschäftsführerin. Allein: Es braucht irgendwen, der das irgendwo koordiniert - von weiter oben, für möglichst viele.

Dieser "Irgendwer" sind seit Mitte der Woche ein Teil der knapp 1000 im Landkreis ehrenamtlich tätigen Rotkreuzler, Wasserwachtler, Ersthelfer oder Leute aus den Schnelleinsatzgruppen. Das "Irgendwo" liegt naheliegenderweise in der Ebersberger BRK-Zentrale, erster Stock, Lehrsaal. Dort landet, wer täglich zwischen 10 und 17 Uhr die Ebersberger "Team Bayern"-Hotline unter der (08092) 209 51 20 wählt. Sie ist die Schnittstelle zwischen denen, die etwas brauchen - und denen, die etwas besorgen können.

Dass das organisatorisch-logistische Rückgrat vom Ebersberger "Team Bayern" beim Roten Kreuz liegt, ist natürlich kein Zufall. Die Organisation ist nach dem Bayrischen Katastrophenschutzgesetzt explizit für Unterstützungsleistungen vorgesehen. Auch das Ebersberger Corona-Diagnostikzentrum wird vom BRK betrieben. "Es gibt praktisch keine Szenarien, für die wir keine Pläne hätten - oder nicht sehr schnell wüssten, wie man sie aufstellt und worauf es ankommt", erläutert Seibl-Kinzlmaier.

"Aktuell haben sich im Ebersberger Team-Bayern-Verteiler mehr als hundert Helfer registriert", sagt Kreisbereitschaftsleiter Bernhard Nowotny. Die Anmeldung läuft über die Internetseite www.teambayern.info. "Die Klarnamen sind aber fürs BRK erst einmal noch nicht sichtbar." Schickt die BRK-Zentrale einen SMS-Alarm an den Verteiler, können sich die registrierten Helfer zurückmelden und ihre Verfügbarkeit und Fähigkeiten melden. Zum Beispiel, dass sie am Montagvormittag Zeit hätten, sowie ein Auto und den Führerschein besitzen. "Erst ab diesem Zeitpunkt wissen wir, mit wem wir es zu tun haben - und nehmen dann zum Beispiel übers Telefon Kontakt auf." Auf den ersten SMS-Alarm Mitte der Woche hätten sich sofort 40 Helfer rückgemeldet. "Das ist eine sehr hohe Rückmeldungsquote", ordnet Nowotny ein.

Bei der Abwicklung der Besorgungen wird penibel darauf geachtet, dass mögliche Infektionsketten gar nicht erst zustande kommen. "Wir rufen bei den Supermärkten an, die Mitarbeiter dort kommissionieren den Einkauf. Einer der Helfer holt ihn in einem separaten Raum ab und stellt es bei demjenigen, der nicht aus dem Haus kann, vor die Tür", beschreibt der Bereitschaftsleiter den Ablauf.

Den Überblick behalten die Ehrenämtler über ein auf den BRK-Computern laufendes Warenwirtschaftssystem. Das Tool wickelt auch die Bezahlung des Einkaufs ab. Dem Paket vor der Türe liegt eine Rechnung bei. Wer Ware bestellt, überweist das Geld ans BRK. Der Kreisverband verrechnet es mit dem jeweiligen Supermarkt. "Wir sind so eine Art Zwischending aus Pay-Pal, Tele-Shop und Warenlieferung", sagt Nowotny. Für die Zeit, in der die Helfer im Dienst sind, laufen sie rechtlich als BRK-Mitglieder. "Für diese Zeit besteht also Versicherungsschutz."

Ob sich die Aktion mittelfristig auf die Lieferung von Lebens- und Hygienemitteln beschränkt, wagt Nowotny nicht abzuschätzen. "Die Situation ändert sich täglich, manchmal sogar stündlich." Wer könne da schon heute seriös sagen, welche Bedarfe vielleicht in einer Woche nötig sein könnten. Wie auch immer sie aussehen - "es ist gut und beruhigend zu wissen, dass wir dieses Netz haben".

© SZ vom 21.03.2020/aju
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