Eröffnung Hospizinsel:"Bei uns leben Gäste"

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Eröffnung Hospizinsel: Leiter der Abteilung Sozialplanung und Demografie im Landratsamt, Jochen Specht, Marienheim-Leiter Hubert Radan und Hospizinsel-Leiter Alexander Daxenberger (von links).

Leiter der Abteilung Sozialplanung und Demografie im Landratsamt, Jochen Specht, Marienheim-Leiter Hubert Radan und Hospizinsel-Leiter Alexander Daxenberger (von links).

(Foto: Christian Endt)

Die Hospizinsel für den Landkreis Ebersberg im Glonner Marienheim ist eröffnet. Von Ende Mai an können dort bis zu sechs schwer kranke und sterbende Menschen palliativ versorgt werden.

Von Johanna Feckl, Glonn

Wenige Tage vor der Eröffnungsfeier der Hospizinsel im Glonner Marienheim führt der Weg dorthin vorbei an einem Mann, der eine Wand weiß streicht. Neben dem Maler tritt Hubert Radan, Leiter des Caritas-Pflegeheims, durch eine Glastür ins Treppenhaus. Von dort geht es hinauf in den ersten Stock, wenige Meter einen Flur entlang. Dann bleibt er stehen und deutet mit einer Handbewegung auf den Türbogen über ihm. In schwarzen Buchstaben steht dort: Hospizinsel Glonn. Radan lächelt. "Wahrscheinlich kommt hier auch noch eine Tür hinein, da müssen wir mal schauen."

Seit Dienstagabend ist die Hospizinsel für den Landkreis Ebersberg offiziell eröffnet. Das Angebot richtet sich an sterbende Menschen, die palliativ behandelt werden müssen. Wie in einem stationären Hospiz sind auch in der Hospizinsel rund um die Uhr Pflegekräfte für die Schwerkranken da, der Betreuungsschlüssel fällt aber geringer aus. Für diejenigen, die eine umfassende 24-Stunden-Versorgung benötigen, ist eine Hospizinsel keine Option. Dennoch liegt der Betreuungsschlüssel höher als in einem Pflegeheim. Die Hospizinsel schließt also eine Lücke zwischen der intensiven Betreuung und den raren Plätzen in einem Hospiz auf der einen Seite und der oft zu zeitintensiven Versorgung in einem Pflegeheim oder zu Hause durch Angehörige und Pflegedienste auf der anderen. Voraussichtlich von 25. Mai an können erste Gäste einziehen, für bis zu sechs bietet die Einrichtung Platz.

"Mir war sofort klar, dass ich hier mitarbeiten möchte."

Vier Tage vor Eröffnung herrscht Trubel auf der Hospizinsel: Pflegekräfte in weißen Stoffhosen und T-Shirts laufen den langen Flur entlang, verschwinden nach links und rechts hinter Türen um kurze Zeit später wieder zurück in den Flur zu treten. Immer wieder sind Handwerker zu sehen. Und Alexander Daxenberger. Er wird die Hospizinsel leiten. Gut acht Jahre arbeitete der Gesundheits- und Krankenpfleger mit einer Weiterbildung zur Fachpflegekraft Palliativcare im ambulanten Palliativteam der Caritas. Er ist auch Trauerbegleiter und veranstaltete in dieser Funktion regelmäßig Gruppenveranstaltungen für Trauernde. "Als ich von dem Projekt gehört habe, war für mich sofort klar, dass ich hier mitarbeiten möchte."

Eröffnung Hospizinsel: Das Gemeinschaftszimmer hat eine Innenarchitektin gestaltet.

Das Gemeinschaftszimmer hat eine Innenarchitektin gestaltet.

(Foto: Christian Endt)

Neben Daxenberger werden sechs weitere Pflegekräfte auf der Hospizinsel arbeiten. Eine davon in Teilzeit, die übrigen Vollzeit. Alle haben ihre Grundausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege oder in der Altenpflege durch eine palliative Weiterbildung vertieft. "Das ist Voraussetzung, um hier zu arbeiten", sagt Hubert Radan. Klar gebe es auch im eigentlichen Marienheim, der Pflegeeinrichtung, immer wieder palliative Situationen. Viele aus dem Personal dort verfügen über eine solche Fachweiterbildung. "Aber auf der Hospizinsel werden wir geballter mit solchen Umständen und auch Problemen konfrontiert werden, als das in einem herkömmlichen Pflegeheim der Fall ist."

Eigentlich hätte die Hospizinsel bereits im vergangenen Sommer eröffnen sollen. Doch die Pandemie hat die Pläne durchkreuzt. Mehrere Male ist es zu Corona-Ausbrüchen im Marienheim gekommen, vermehrte Personalausfälle mussten und müssen kompensiert werden, das regelmäßige Testen und die Dokumentation all derjenigen, die die Einrichtung betreten - das hat Kapazitäten verbraucht.

Kurz vor Eröffnung wirkt die Einrichtung noch etwas kühl. Das soll sich bald ändern

Einer, der immer wieder für Schichten am Marienheimer Testzentrum eingeteilt war, war Jochen Specht. Der Leiter des Bereichs Sozialplanung und Demografie betreut für das Landratsamt die Hospizinsel. In seinen Einsätzen habe er regelmäßig mit Hubert Radan geplaudert und sich die unrenovierten Räume angesehen "Da habe ich gemerkt: Die wollen das hier. Ich freue mich sehr, dass alles nun geklappt hat."

Jetzt, kurz vor Eröffnung, ist noch nicht alles perfekt. Der Gemeinschaftsraum - Küchenzeile, Esstische, Fernseher, Couchtisch und Sessel - wirke noch etwas kühl, sagt Hubert Radan. Er hat recht. Aber Details, die das Zimmer noch heimeliger machen, werden sich wohl mit dem Einzug der ersten Gäste ergeben. So ist es schließlich auch, wenn eine neue Wohnung bezogen wird: Das Große muss passen, das Kleine wird sich schrittweise zeigen. "Bei uns gilt eine radikale Orientierung am Willen unserer Gäste", sagt Alexander Daxenberger.

Einige herzliche Details gibt es bereits: So ist ein Blickfang im Gästezimmer das warme Licht einer Salzlampe. Auch in jedem der übrigen Zimmer findet sich eine solche Lampe. "Mir geht es so, dass ich mich bei einem solchen Licht immer gleich wohlfühle", sagt Alexander Daxenberger. Die Salzlampen waren seine Idee.

Eröffnung Hospizinsel: An jedem der Einzelzimmer hängt ein solches Herz, sofern nicht anders gewünscht, soll dort der Name des Gastes stehen.

An jedem der Einzelzimmer hängt ein solches Herz, sofern nicht anders gewünscht, soll dort der Name des Gastes stehen.

(Foto: Christian Endt)

Die sechs Einzelzimmer sind neben einer Salzlampe ausgestattet mit Schrank, Fernseher, Wandregalen, Bett und Nachtkästchen, Tisch und Stuhl. Neben den Zimmertüren befindet sich nicht wie in einem Pflegeheim oder Krankenhaus üblich ein Schild mit dem Namen des Patienten oder Bewohners darauf. Stattdessen hängt an jeder der Türen ein Schiefertafel-Herz mit Verzierungen wie bei einem Türkranz. "Wir haben keine Bewohner oder Patienten, bei uns leben Gäste", sagt Daxenberger.

Die namentliche Differenzierung ist ihm und Hubert Radan wichtig. Dadurch soll zum einen betont werden, dass es sich bei der Hospizinsel rechtlich gesehen um keine stationäre Einrichtung handelt, sondern um ein ambulantes Projekt. Zum anderen, dass die Hospizinsel kein Ort ist, zu dem Menschen zum Sterben kommen nach dem Prinzip "und jetzt ist der Kas gess'n", wie es Daxenberger formuliert. So sollen Atem-, Kunst- und Physiotherapieangebote den Alltag der Gäste unterstützen. Außerdem ist eine Kooperation mit dem Ebersberger Hospizverein geplant. Jeden Tag soll mindestens ein ehrenamtlicher Hospizbegleiter als Ansprechpartner für die Gäste da sein.

Eröffnung Hospizinsel: In die Zimmer können die Gäste auch mit persönlichen Gegenständen und Sachen einziehen.

In die Zimmer können die Gäste auch mit persönlichen Gegenständen und Sachen einziehen.

(Foto: Christian Endt)

Jeweils zwei der Einzelzimmer führen in dasselbe Bad mit zwei separaten Waschbecken. Eine Wanne mit entsprechenden Hilfen für diejenigen, die beim Baden Hilfe benötigen, befindet sich in einem eigenen Pflegebaderaum. Auch gibt es ein Zimmer, das als Rückzugsort und Übernachtungsmöglichkeit für Angehörige dient. "Da könnten wir je nach Bedarf auch noch ein Gästezimmer daraus machen", sagt Hubert Radan. Darüber hinaus gibt es zwei weitere Räume, die langfristig in Gästezimmer umgebaut werden könnten. Dann wäre Platz für neun schwer kranke Menschen.

Aber noch ist das Zukunftsmusik. An Klientel wird es zwar vermutlich nicht mangeln - schon Wochen vor Eröffnung haben sich Hausärzte bei Hubert Radan über die Hospizinsel erkundigt, wie er erzählt. Die Frage der Finanzierung ist damit aber nicht endgültig gesichert. Der Landkreis steuert 65 000 Euro pro Jahr hinzu, die Gäste müssen einen Eigenanteil von um die 70 Euro bezahlen. Bei einer Auslastung von 80 Prozent müssen immer noch etwas mehr als 45 000 Euro an Spenden eingehen, damit die Kosten gerade so gedeckt sind. Für das erste Jahr sind die Finanzen bereits gesichert.

Weitere Infos wird es demnächst online unter caritas-hospizinsel-glonn.de geben. Anfragen sind telefonisch unter (08093) 909067 oder per E-Mail an caritas-hospizinsel-glonn@caritasmuenchen.de möglich.

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