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Gastronomie:Hohenlindener Sauschütt: Wirt ärgere dich nicht

Es ist etwas anderes, in Coronazeiten ein Lokal wie die Sauschütt neu zu eröffnen, als einen laufenden Betrieb nach dem Lockdown weiterzuführen.

(Foto: Christian Endt)

Sebastian Brater wollte den Biergarten im Ebersberger Forst längst öffnen. Dass noch immer geschlossen ist, liegt nicht an ihm.

Von Korbinian Eisenberger, Hohenlinden

Dem Wirt wird nichts geschenkt, und wer dem Sprichwort glaubt, hat sich auf diese Weise bisweilen seinen Magen verrenkt. Beim neuen Wirt der Waldgaststätte Hohenlindener Sauschütt besteht die Gefahr einer Magenverstimmung zumindest nicht. Er wartet nämlich seit Wochen vergeblich darauf, sein Lokal samt Biergarten eröffnen zu dürfen. Und so ist nicht nur Sebastian Braters Magengegend verstimmt, sondern der ganze Sebastian Brater. Denn obwohl der 46-Jährige weder Speis' noch Trank serviert, kann man über diesen Mann mit Fug und Recht sagen: Geschenkt wird ihm gerade überhaupt nichts. Im Gegenteil.

Er würde ja gerne ausschenken, erklärt Brater. "Wenn ich heute die Nummer vom Amt bekomme, kann ich übermorgen anfangen", sagt er. Zuletzt hat man ihm vor allem eingeschenkt. Ein Rückschlag folgte dem nächsten, wie er bei einem Telefonat am Montag erzählt. Sein ursprünglicher Plan, am 27. Juni zu öffnen, zerschellte an Hindernissen, die sich zunehmend zu einer regelrechten Wand aufbauten. Die Eröffnung des Geschäftskontos, die Stromversorgung, die Betriebserlaubnis vom Finanzamt: Alles Formalien, die der Gastronom Brater in seiner Laufbahn schon öfters souverän gelöst bekommen hat. Doch in diesen Zeiten ist alles anders.

Geneigte Gäste der Hohenlindener Sauschütt dürfte die Nachricht Anfang Juni freudig gestimmt haben. Das Gasthaus habe wieder einen Wirt, hieß es. Der Forstbetrieb als Eigentümer, die neue Brauerei Ayinger und Wirt Brater hatten sich zu einer Zusammenarbeit geeinigt, um nach sechs Monaten Stillstand noch diesen Sommer wiederzueröffnen. Allerdings hatten sie sich das Projekt wohl einfacher vorgestellt.

Brater erzählt, dass er allein dreieinhalb Wochen warten musste, ehe ihn die Bank sein neues Geschäftskonto eröffnen ließ. "Das brauche ich für die Bareinzahlungen und um Lieferanten zu bezahlen." Vor nicht allzu langer Zeit war so etwas unkompliziert. Nun musste Brater der Bank Notarverträge von der Firmengründung vorlegen. Das tat er und erfuhr, dass diese direkt vom Notar an die Bank gesendet werden müssen. So verging fast ein Monat. Brater will niemanden, auch nicht seiner Bank einen Vorwurf deswegen machen. Ohne die Viruskrise, so auch seine Vermutung, hätte die Sauschütt wahrscheinlich schon geöffnet, zumindest der Biergarten. "Ich bin ein geduldiger Mensch", sagt er. Die Pandemie aber stelle sein Nervenkostüm vor eine besondere Prüfung. Denn es ist - besonders jetzt - etwas anderes, ein Lokal weiterzuführen statt komplett neu zu eröffnen. Die nächste Verzögerung. Auch die Einrichtung der Stromversorgung dauert deutlich länger als geplant. "Es hat sich ewig hingezogen", so Brater, wohl auch hier wegen der Umstände. Seit zehn Tagen ist nun der Strom da.

Dafür fehlt ein anderes Puzzleteil. Bevor man eine Gastronomie in Betrieb nimmt, braucht es die Nummer vom Finanzamt - und da Hohenlinden im Kreis Ebersberg liegt, reichte Brater seine Unterlagen beim dortigen Finanzamt ein. Er wartete - geduldig - ehe er nach zehn Tagen ohne Antwort per Telefon nachfragte: Ergebnis seines Anrufs. Weil es sich bei seinem Betrieb um eine GmbH handelt, ist das Finanzamt Erding zuständig. Und so nahm Brater seine Unterlagen und reichte sie im Nachbarlandkreis ein. Der Buchbinder Wanninger hätte nur so in den Telefonhörer geflucht, doch Brater erzählt es, ohne in Wallung zu geraten.

Draußen im Ebersberger Forst liegt sie, die Hohenlindener Sauschütt, deren Hauptgebäude komplett saniert werden soll. Draußen wurde der Biergarten mit neuem Kies bedeckt, das angrenzende Gras ist gemäht, die Büsche und Bäume geschnitten. Die Biertische stehen bereits. "Damit die Leute sich zumindest schonmal hinsetzen können", sagt Brater. Bisweilen bleibt dann Müll liegen, auch deswegen fahre er regelmäßig raus und sammle ihn wieder ein. Zwecks der Ordentlichkeit. Finanziell, sagt er, sei die Verzögerung durchaus ärgerlich, aber verkraftbar. "Am meisten tut's mir für die Gäste leid." Einen neuen Eröffnungstermin könne er angesichts der Umstände erst mal nicht mehr nennen. Brater wartet nun auf Post aus einer Behörde in Erding.

© SZ vom 14.07.2020/koei
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Von Korbinian Eisenberger

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