Hohenlinden Bankräuber aus Verzweiflung

Ein 44-jähriger Gitarrenbauer aus Niederbayern hat vor dem Münchner Landgericht gestanden, zwei Mal hintereinander ein Geldinstitut in Hohenlinden überfallen zu haben, weil er hoch verschuldet gewesen sei.

Von Andreas Salch, Hohenlinden

Ein Gitarrenbauer aus Niederbayern hat vor dem Landgericht München II zwei Überfälle auf die Filiale der Raiffeisenbank in Hohenlindengestanden. Der 44-jährige Alexander W. hatte das Geldinstitut am 31. Oktober 2013 und erneut sieben Monate später, am 21. Mai 2014, ausgeraubt. Dabei erbeutete er insgesamt über 45 000 Euro. Außerdem gestand W. zwei weitere Banküberfälle im Jahr 2012, ebenfalls auf eine Filiale der Raiffeisenbank, diesmal in Rotthalmünster (Landkreis Passau). Die Beute aus diesen beiden Taten beläuft sich alles in allem 90 000 Euro.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Johannes Feneberg, wie es dazu gekommen sei, dass er die Banken überfallen habe, antwortete der Angeklagte: "Das war die pure Verzweiflung." Er habe sein Leben als selbständiger Gitarrenbauer irgendwie weiterführen wollen. Doch er sei bis über beide Ohren verschuldet gewesen. Ende Mai vergangenen Jahres konnte die Polizei Alexander W. festnehmen. Zu seiner Überführung trugen laut Angaben seines Verteidigers, Rechtsanwalt Michael Adams, auch Hinweise von Zuschauern der Sendung "Aktenzeichen XY...ungelöst" bei.

Nach seiner Verhaftung hätten seine Eltern ihn gefragt, warum er wegen seiner Schulden nicht zu ihnen gekommen sei, berichtete der Angeklagte und sagte mehr zu sich selbst: "Ich verstehe es nicht. Ich verstehe mich selber nicht, warum ich es nicht gemacht habe." Als er den Plan fasste, Banken ausrauben, stand der 44-Jährige bereits mit rund 15 000 Euro bei seinen Eltern in der Kreide. Darüber hinaus, so W., habe er dem Finanzamt knapp 30 000 Euro zahlen müssen und weitere 10 000 Euro seiner Krankenkasse. Hinzu seien noch einmal 10 000 Euro Schulden aus seiner Tätigkeit als Gitarrenbauer gekommen. Außerdem sollte sein Haus zwangsversteigert werden.

Ein Großaufgebot von Polizei und Rettungskräften rückte an, nachdem der Angeklagte im Mai 2013 erneut ein Bank in Hohenlinden überfallen hat.

(Foto: Thomas Gaulke)

Vor jedem Überfall, so W., hätten ihn Gewissensbisse geplagt. Bis zu zwanzig Mal sei er zu jeder Bank gelaufen. Dann habe ihn der Mut verlassen und er habe kehrt gemacht. Der erste Coup des Gitarrenbauers war am 18. April 2012. Kurz vor 12 Uhr überfiel er an jenem Tag die Raiffeisenbank in Rotthalmünster. Unmittelbar danach fuhr er zur Polizei nach Eggenfelden. Dort beglich er mit Geld aus dem Überfall, den er kurz zuvor begangen hatte, einen Strafbefehl des Amtsgerichts Erding über 8400 Euro. Den Strafbefehl hatte W. bekommen, weil er fünfmal an Tankstellen getankt und sich ohne zu bezahlen auf und davon gemacht hatte.

Bei dieser und den anderen drei Taten wurde niemand verletzt. Alexander W. hatte sich mit einem Gasrevolver bewaffnet und maskiert. Die Waffe sei stets ungeladen gewesen, behauptet er. "Ich wollte nur Geld haben. Ich kann betonten, ich wollte niemanden verletzen." Wenn es zu einer Auseinandersetzung mit Bankangestellten gekommen wäre, wäre er davongelaufen, versicherte der fast zwei Meter große breitschultrige Gitarrenbauer. Auf die Frage einer Richterin, ob er jemanden seinen Gasrevolver an den Kopf gehalten habe, antwortete Alexander W.: "Ich hoffe nicht."

Bei seinem ersten Überfall auf die Raiffeisenbank in Hohenlinden am 31. Oktober 2013 nahm der Gitarrenbauer jedoch eine Frau, die weglaufen wollte, in den Schwitzkasten. Sie erlitt einen Kreuzbandriss. Dass sich zum Zeitpunkt der Tat eine Reihe von Kunden in dem Geldinstitut befanden, habe er von außen nicht sehen können, sagte der 44-Jährige. Erst später habe er erfahren, dass an jenem Tag der "Weltspartag" war. Der Prozess dauert an.