Süddeutsche Zeitung

Hoch die Tassen:Rocker, Blueser, Lehrer

Beim 30. Grafinger Kneipenfest präsentieren sich 18 ganz unterschiedliche Bands. Das Publikum darf sich auf Altbewährtes und Neues, auf Romantisches und Tanzbares freuen

Von Anja Blum, Grafing

Stubenhocker zu sein - dieser Ruf eilt den Grafingern wahrlich nicht voraus. Gerade ist das Volksfest zu Ende gegangen, da steht schon das nächste Highlight vor der Tür: Am Samstag, 29. Juni, ist Kneipenfest, da wird die Stadt wieder vibrieren vor lauter Musik, Begegnung und guter Laune. Zum sage und schreibe 30. Mal geht die Veranstaltung nun über die Bühne, wie Peter Rothmoser vom veranstaltenden Werbering herausgefunden hat. Er habe alte Aufzeichnungen vom Gründer des Festes, des Brauerei-Chefs Max Josef Schlederer gefunden, erzählt er, "aus denen geht das hervor".

Was Besonderes einfallen lassen haben sich die Veranstalter zum Jubiläum aber nicht - müssen sie auch nicht, denn das Konzept des Grafinger Kneipenfestes funktioniert, so, wie es ist, wunderbar. Obendrein ist es schnell erklärt: Überall in der Stadt verteilt finden Livekonzerte statt, bei schönem Wetter hauptsächlich unter freiem Himmel, bei Regen in den Lokalen. Zu hören gibt es ein breites Spektrum aus Musik der vergangenen 60, 70 Jahre - von Rockabilly über Funk und Jazz bis hin zu Partyhits. Wer dabei sein will, kauft sich einfach ein Einlassbändchen. Mit diesem am Handgelenk kann man von Kneipe zu Kneipe ziehen, der Musik lauschen, Freunde treffen, ratschen, trinken, essen und einen Abend voller Freiheiten genießen. "Das Flanieren ist, was es ausmacht", sagt der Grafinger Gitarrist und Sänger Rudi Baumann, der die regionale Musikszene kennt wie kaum ein anderer und daher traditionell für die Auswahl der Bands zuständig ist. "Gerade letztes Jahr war es so schön wie nie: Alle waren total beseelt, es entstand ein richtiges Gemeinschaftsgefühl", schwärmt er.

Los geht das Spektakel um 19 Uhr am Marktplatz samt "Bierinsel", wo die Drum Line des Grafinger Jugendorchesters die Gäste mit mitreißenden Rhythmen schon mal in Stimmung bringt. Von 20.30 Uhr an legen dann die Bands vor und in den Kneipen los, 15 Locations sind es heuer. Gute alte Bekannte, die Swinging G's nämlich, bringen den Wildbräu Hof mit ihrem fetten Big-Band-Sound zum Beben. Ebenfalls aus Grafing kommt Sigi Grasser, der mit der Jakarta Blues Band aus München im Heckerbräu klangvoll aufspielen wird. Jazz, Funk und Bossa Nova stehen im Genussreich auf dem Programm, hier hat sich die Emile Jazz Band angekündigt. Ein Publikumsmagnet werden vermutlich wieder die Roxx Doxx sein: Die Münchener Band bringt das Publikum im Biergarten des Heckerkellers mit ihrem legendären Cover-Rock zum Schwitzen.

Rock und Oldies gibt es auch im beziehungsweise vor dem Il Ristorante von Flo's Overdrive zu hören. Außerdem wird sich auf dieser Bühne Free Hill mit einem Set präsentieren: Das Country-Rock-Trio aus dem Ebersberger Raum war die einzige Nachwuchsband, die sich bei Baumann um einen Gig beim Kneipenfest beworben hat. "Wenn man wirklich junge Musiker will, gibt es da leider nicht viel", sagt er und schüttelt den Kopf. Dabei kann so ein Auftritt eine echte Chance sein: Das Liedermacher-Duo Feluma bekam vergangenes Jahr als Newcomer die Gelegenheit, ein paar Stücke zu spielen, heuer ist es Teil des offiziellen Programms in der Mocca Bar. "Da die beiden aber noch nicht so viel Repertoire haben, teilen sie sich den Abend mit ELB", erklärt Baumann. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die Ebersberger Lehrerband, lauter Pädagogen und "Alt-Rocker", wie Baumann sagt, die sich so seltenem wie kompliziertem Songmaterial widmeten. Reinhören lohne sich hier also sicher.

Wer auf "Elvis und Petticoat" steht, sollte sich Priscillas Rache mit dem Grafinger Manni Glissmann im Hotel Hasi nicht entgehen lassen, Tanzwütige sind in der Turmstube nicht verkehrt, den dort gastiert die Rosenheimer Partyband Down Town, und wer es gerne bairisch mag, dem sei das Glashaus empfohlen: Hier spielen Himmel, Arsch und Zwirn aus Olching eigenen Bluesrock. Ebenfalls neu im Programm ist Sugar Daddy, eine achtköpfige Rock-, Funk- und Soulmaschine aus Rosenheim, die den Kastenwirt für sich reserviert hat. Im Star Grill gibt es Blues von den Ramblers, im Sirtl bieten die Roxaiten krachenden Kammerrock, Rock und Funk lautet die Mischung von Fun can do in der Kostbar, weitere Spielarten des Rock präsentieren Dettifoss und Velvet Smoke im JIG. Einfach nur Rock schreibt sich die Band Huntcase, die im Bianco e Nero auftritt, auf die Fahne. Das heißt: Bis auf Volksmusik ist eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei.

Kneipenfest Grafing, am Samstag, 29. Juni, von 19 Uhr bis 00.30 Uhr, Einlassbänder für zehn Euro im Vorverkauf gibt es bei vielen Geschäften. An der Abendkasse kostet der Eintritt zwölf Euro.

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Quelle:
SZ vom 07.06.2019
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