Das Zauberwörtchen „Hitzefrei“ kennt man ja eigentlich nur aus der Schule. Doch nun hat offenbar auch das Rathaus der Stadt Grafing im Kampf gegen die steigenden Temperaturen zu diesem letzten Mittel gegriffen. Der Bürgermeister habe aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen beschlossen, die Verwaltung bis Ende dieser Woche täglich um 12 Uhr zu schließen, so eine aktuelle Mitteilung der Stadt. Parteiverkehr sei daher nur vormittags möglich, es werde eine zentrale Mailboxansprache eingerichtet.
Kann man die Mitarbeitenden von Bauamt und Co. jetzt also nachmittags gesammelt im Grafinger Freibad antreffen? Nein, so sei das nicht gemeint, erklärt Bürgermeister Christian Bauer (CSU) auf Nachfrage, die Stadtverwaltung habe die Arbeit mitnichten eingestellt. Doch angesichts der enormen Hitze und einem Mangel an kühlen Büros habe er sich zum Handeln gezwungen gesehen. „Laut Arbeitsschutz sind Räume ab 35 Grad nicht mehr geeignet, solche Temperaturen sind bei uns aber keine Seltenheit.“
Deswegen hätten die rund 50 Angestellten der Stadtverwaltung nun diverse Möglichkeiten. „Sie können auf Überstunden heimgehen“, erklärt Bauer, „oder ins Homeoffice umziehen.“ Bei wem aber weder das eine noch das andere möglich ist: Pech gehabt.

Das Rathaus in Grafing, einer Stadt im Landkreis Ebersberg, wurde – nachdem der Vorgängerbau einem Brand zum Opfer gefallen war – im Jahr 1768 errichtet. Der Amtssitz direkt am Marktplatz ist hübsch und steht unter Denkmalschutz, bietet aber freilich nicht den Komfort eines modernen Baus. „Es gab deswegen immer wieder Überlegungen, dort auszuziehen“, sagt der Bürgermeister, doch weil das Gebäude so prägend sei für die Stadt, habe man diesen Gedanken stets wieder verworfen.
Hinzu kommen zwei weitere Nebengebäude in der Nachbarschaft, die laut Bauer in den Neunzigerjahren saniert wurden – „allerdings mit einer sehr schlechten Dämmung“. Deswegen seien die Büros im historischen Rathaus mit seinen dicken Mauern noch am ehesten erträglich, sagt der Bürgermeister.
Ein Umbau würde viel Geld kosten – und ist daher politisch nicht leicht durchzusetzen
Doch offenbar ist es dort nun ebenfalls zu heiß zum Arbeiten. Von einem Versäumnis im Management der Stadt allerdings will Bauer nicht sprechen. „Natürlich hätten wir rechtzeitig modernere Räume gebraucht, aber dieses Problem haben viele Kommunen.“ Und damit eben gerade solche Arbeitgeber, die sich, im Gegensatz zu privaten Unternehmen, vor gesetzlichen Verpflichtungen nur schlecht drücken könnten.
Die Gebäude der Grafinger Verwaltung an das sich verändernde Klima anzupassen, wäre jedenfalls, gerade wegen des Denkmalschutzes, mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden, sagt der Bürgermeister. Und daher politisch nicht leicht durchzusetzen. „An den Mitarbeitern wird immer als erstes gespart“, klagt Bauer. Doch nun hofft er, dass Bewegung in die Sache kommt: Erst gestern habe der Stadtrat über das Thema diskutiert. „Und da wurde klar: Wir werden sicher umbauen müssen.“

Noch seien dafür allerdings keine finanziellen Mittel vorgesehen. Ob es möglich ist, für Investitionen zur Klimaanpassung von Verwaltungsgebäuden bei Bund oder Freistaat Zuschüsse zu beantragen, weiß Bauer nicht. „Aber das wäre toll, da sollten wir uns mal schlaumachen.“ So oder so könnte das Geld für einen solchen Umbau laut dem Bürgermeister aber erst im Haushalt 2026 eingeplant werden. Mit einem Beginn der Baumaßnahmen wäre also frühestens 2027 zu rechnen.
Und bis dahin? „Wir gehen wieder in den Normalbetrieb, wenn es kühler wird“, sagt Bauer. Alles Weitere werde man sehen. Er selbst jedenfalls arbeite trotz der Temperaturen ganz normal, auch wenn sein Büro an der Südseite des Rathauses liege. „Ich gehe nie ins Homeoffice – schon aus Prinzip“, sagt Bauer. Immerhin führe er eine Verwaltung und trage damit viel Verantwortung. Hitze hin oder her.

