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Historischer Bau in Zorneding:Ein Gebäude mit Charakter

Haus der Vereine Zorneding

Noch sieht die Gegend rund um das Haus der Vereine (Mitte) in Zorneding etwas trostlos aus. Das soll sich nach Meinung der Gemeinderäte aber künftig ändern. Sie wollen, dass sich Studierende im Rahmen eines Projekts mit dem Areal befassen und kreative Ideen dafür entwickeln.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Seit 160 Jahren prägt das Haus der Vereine das Ortsbild von Zorneding. Nun muss es saniert oder gar komplett abgerissen werden. Wie es mit dem Areal weitergeht, könnte Teil eines Studenten-Projekts werden

Von Andreas Junkmann, Zorneding

Es klang ein bisschen so, als würde Bürgermeister Piet Mayr (CSU) über einen alten Freund sprechen - und vielleicht ist dieser Vergleich auch gar nicht so weit hergeholt: Seit immerhin 160 Jahren prägt das Haus der Vereine das Ortsbild im Zornedinger Zentrum. Dem, um im Bild zu bleiben, alten Freund geht es aber gesundheitlich nicht mehr allzu gut. Der Zahn der Zeit nagt an der Bausubstanz, im Keller hat sich Feuchtigkeit breit gemacht. Deshalb stellte sich nun im Bauausschuss die Frage, wie es mit dem Haus weitergehen soll. Zwei Optionen standen zur Auswahl: abreißen oder sanieren. Die Zornedinger Gemeinderäte haben sich kurzerhand für eine dritte Variante entschieden: Das gesamte Areal soll nun zu einem Projekt für Architekturstudenten werden.

"Das Haus hat eine Seele, einen Charakter. Es atmet." Mit diesen fast schon schwärmerischen Worten sprach sich Bürgermeister Mayr klar gegen einen kompletten Abriss des Gebäudes neben der katholischen Kirche aus. Ein solcher wäre eines der denkbaren Szenarien gewesen, wie es mit dem Bauwerk künftig weitergehen soll. Dass etwas getan werden muss, steht schon seit längerem fest. Unmittelbar vor der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend konnten sich die Gemeinderäte bei einem Ortstermin selbst ein Bild vom baulichen Zustand des Hauses machen. Mayrs Fazit nach der Besichtigung: "Der Sanierungsbedarf ist erkannt worden."

Bereits im Vorfeld hatte die Rathausverwaltung die nötigen Maßnahmen geprüft und auch die entsprechenden Kosten dafür ermittelt. Demnach fallen vor allem die Trockenlegung des Kellers sowie die Installation eines neuen Heizsystems ins Gewicht. Zudem müsste die Grundinstallation komplett erneuert werden, mit einem besonderen Augenmerk auf die energetische Sanierung des Gebäudes. All das wird nicht ganz billig. Für eine Komplettsanierung veranschlagt die Gemeinde Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Ein Abriss und Neubau werde mindestens bei 2,5 Millionen Euro liegen. Jedoch seien die Kosten "nach oben hin offen", wie die Verwaltung schreibt.

Für letztere Variante sprach sich Helmut Obermaier (Grüne) aus. Das Haus in seinem jetzigen Zustand verfüge schlicht nicht über die nötige Variabilität. "Es ist keine Mehrfachnutzung möglich." Zudem hatte Obermaier das komplette, etwa 2000 Quadratmeter große Areal rund um das Haus der Vereine im Blick, das man seiner Ansicht nach sinnvoll als Ganzes entwickeln könne. Mit der Entscheidung für eine Sanierung würde man hingegen voreilig Fakten schaffen. Nichts zu überstürzen, dafür plädierte auch Bianka Poschenrieder (SPD): "Wir vertun die Chance, da wirklich was draus zu machen."

Auch Bürgermeister Mayr bezog sich in seiner Argumentation auf das gesamte Gelände. Er plädierte allerdings dafür, das Haus in seiner jetzigen Kubatur zu erhalten und eventuell durch einen Neubau zu ergänzen. Auf diese Weise könne man "ein Zentrum für den Ort schaffen". Peter Pernsteiner (FDP), Martin Lenz (Freie Wähler) und Ferdinand Glasl (CSU) drückten wie ihrer Vorredner angesichts einiger teurer Investitionen in den kommenden Jahren ein bisschen auf die Bremse. Wenn alle anderen Aufgaben erledigt seien, könne man aus dem Haus ein "echtes Schmuckkasterl" machen, sagte etwa Glasl.

Wie die Planung dafür mit wenig Geld umzusetzen sei, dafür hatte schließlich Bürgermeister Mayr die zündende Idee: Man könne doch vielleicht an eine Universität herantreten und die Entwicklung des Areals als Studenten-Projekt anbieten. "Das wäre doch sicher interessant, weil es real ist", sagte Mayr. Bianka Poschenrieder gefiel der Vorschlag, "weil junge Leute da mit einem ganz anderen Blick rangehen". Zusätzlich dazu soll die Verwaltung nach Fachleuten suchen, die sich mit der Entwicklung von historischen Gebäuden auskennen und die konkrete Vorschläge zum Haus der Vereine machen sollen. Bis spätestens Dezember nächsten Jahres sollen dann erste Ergebnisse vorliegen, wie es mit dem Areal weitergeht.

© SZ vom 17.12.2020
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