"Himmelfahrtsstreifen" am Straßenrand:Maria hilf!

Feldrandbepflanzungen

Blühende Feldränder sind nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein Rückzugsgebiet und eine Nahrungsquelle für Tiere.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Eine alte bayerische Tradition könnte zur Bewahrung der Artenvielfalt auf Wiesen und Feldern beitragen

Von Wieland Bögel, Ebersberg

Zumindest für den Tourismusverband ist die Sache klar, dort bekam der Landkreis vor einigen Jahren den Beinamen "Grünes Land" verpasst. Und tatsächlich grünt hier ja trotz Bauboom noch so einiges - allerdings ist grün nicht gleich grün. Zumindest, wenn es nach Umweltschützern wie dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) geht. Dieser hat nun kritisiert, dass es an Bayerns Feldern zu wenig Rückzugsflächen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten gibt. Zumindest im "Ebersberger Grünen Land" will man es heuer besser machen, dabei helfen soll eine alte Tradition.

Eigentlich klingt es vielversprechend: Landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerland sollen fünf Prozent ihrer Flächen zu "Ökologischen Vorrangflächen" machen. Doch der LBV hat nun scharfe Kritik am sogenannten Greening geäußert. Die Maßnahme, die dem Artenschutz dienen soll, sei laut LBV meist völlig nutzlos. Die Umweltschützer bemängeln, dass die meisten Greening-Maßnahmen, wie etwa Anbau von Zwischenfrüchten, der Artenvielfalt wenig nützten. Nötig seien dagegen mehr Brachen und Blühstreifen, die allerdings bayernweit nur auf gut 14 Prozent der Vorrangflächen angelegt würden.

Im Landkreis Ebersberg machen diese Flächen nach den Zahlen des Landwirtschaftsamts 1915 Hektar oder gut sieben Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche aus. Wie die Bereichsleiterin für Landwirtschaft Katharina Binsteiner erklärt, stellten so gut wie alle Landwirte im Landkreis Greening-Flächen bereit, denn nur dann werden die vollen Betriebs-Prämien ausbezahlt. Diese Direktzahlungen der EU betragen jährlich 180 Euro pro Hektar; wer Greening-Flächen bereitstellt, bekommt zusätzlich 88 Euro pro Jahr und Hektar - wobei hier die gesamte Betriebsgröße und nicht nur Vorrang- oder Greening-Flächen zugrunde gelegt werden.

Auch im Landkreis ist der Anbau von Zwischenfrüchten mit 1443 Hektar am größten, als Brachen sind 107 Hektar und als Feldrandstreifen 16 Hektar registriert. Dass der Anteil von Blumenwiesen größer werden könnte - und sollte -, findet man auch im Landwirtschaftsamt, "wir wollen die Landwirte animieren, heuer mehr Blühstreifen zu machen", sagt Binsteiner. Was allerdings einfacher klingt, als es ist, denn damit diese Streifen auch einen ökologischen Nutzen haben, könne man nicht einfach irgendwelche Blumen aussähen, so Binsteiner. Nicht alle Pflanzen sind für alle Lagen und Böden geeignet. Auch die Kombination der Arten gelte es zu beachten, damit nicht schnell wachsende, aber kaum blühende Pflanzen alles andere überwuchern. Möglicherweise liegt die Lösung dieser Probleme aber in einer alten bayerischen Tradition, dem Kräuterbuschenbinden zu Mariä Himmelfahrt.

Die Idee dazu hatte Franz Lenz, Biobauer aus Zorneding und Kreisvorsitzender des Bauernverbandes, "weil die Kräuter ja immer weniger werden". Damit auch in Zukunft am 15. August die traditionellen Buschen geweiht und zu Hause aufgehängt werden können, die dann ein Jahr lang die Bewohner vor Unglück und Krankheiten bewahren sollen, wäre es schön, so Lenz, "wenn es in jeder Gemeinde einen Streifen mit diesen Kräutern gibt".

Auch ökologisch wäre dies sinnvoll, denn die für die Buschen gesammelten Pflanzen, "waren schon immer da, seit es hier Landwirtschaft gibt", sagt Lenz. Pflanzen also, die mit den hiesigen Bedingungen gut zurechtkommen, an die die heimischen Insekten angepasst sind und die diesen, wenn sie bis in den Spätsommer blühen, auch lange Nahrung bieten. Dadurch, dass möglichst im ganzen Landkreis diese "Himmelfahrtsstreifen" angelegt werden sollen, könne ein ganzes Netz solcher ökologisch wertvoller Flächen entstehen.

Beim Anlegen derselben wollten Bauernverband und Maschinenring die Landwirte unterstützen, sagt Lenz, "wir wollen es attraktiv gestalten, sodass es kein großer Aufwand ist". Wer ein entsprechendes Stück Land besitzt, laut Lenz kommen dafür auch Waldränder, steile Hänge oder andere schwierig zu bearbeitende Flächen infrage, brauche sich bloß bei ihm oder beim Maschinenring zu melden, "wir säen das dann aus". Gewissermaßen "die Königsdisziplin" wäre es für Lenz, wenn auch einige Flächen mehrere Jahre Himmelfahrtsstreifen bleiben könnten - damit im Grünen Land auch in Zukunft die Kräuterbuschen nicht ausgehen.

Um das Thema Blühstreifen geht es auch an diesem Mittwoch, 31. Januar, in der Ebersberger Alm auf der Ludwigshöhe. Dort wird von 19.30 Uhr an Imker Sepp Hermann über "Landwirtschaft und Bienen" sprechen.

© SZ vom 31.01.2018
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