Hilfsprojekt Von Kirchseeon nach Sadad

Gleich drei Geistliche erteilen dem Wagen den kirchlichen Segen: der evangelische Pfarrer Gottfried von Segnitz, Zaytoun Saome von der syrisch-orthodoxen Kirche München und Diakon Michael Wagner (von links).

(Foto: Christian Endt)

Ehrenamtliche haben einen Krankenwagen repariert, der jetzt in Syrien eingesetzt werden soll.

Von Mohamad Alkhalaf, Kirchseeon

Er hat schon etliche Einsätze hinter sich und mehr als 260 000 Kilometer auf dem Tacho. Doch das sieht man dem Krankenwagen inzwischen nicht mehr an: Rundum repariert und frisch lackiert hat er nun die Fahrt in sein zweites Leben angetreten - in Syrien, in der Stadt Sadad nahe Homs soll er dazu beitragen, die medizinische Notfallversorgung der Menschen dort zu verbessern.

Möglich gemacht hat das ein Zusammenspiel mehrerer Akteure: Die Gruppe "Männer Aktiv", die den Krankenwagen für Syrien repariert und ausstattet, besteht aus freiwilligen Helfern. Sie wurde vom KAB-Diözesanverband München und Freising sowie der Katholischen Männerseelsorge der Diözese München und Freising ins Leben gerufen. Gruppe und Projekt werden von KAB-Diözesansekretär Heinz Neff geleitet, die Männerseelsorge leistet die pädagogische und seelsorgerische Begleitung. Den ausgemusterten Rettungswagen sowie Teile der medizinischen Ausstattung stiftete der Münchner Regionalverband der Johanniter Unfallhilfe. Räumlichkeiten und fachliche Unterstützung für die Reparatur stellte das Berufsbildungswerk St. Zeno in Kirchseeon. Die syrisch-orthodoxe Gemeinde Münchens und die Internationale Gesellschaft Orientalischer Christen (IGOC) vermittelte Kontakte und hilft bei der Überführung ins Empfängerland.

Auch junge Leute, die in Kirchseeon gerade eine Ausbildung machen, haben mitgeholfen, den Wagen zu reparieren und umzubauen. So mussten die Türschwellen ausgebessert und die Laderampe verstärkt werden. Auch Bremsen, Luft und Öl wurden von den Helfern kontrolliert. Am Ende standen schließlich noch einige Schönheitsreparaturen. Für das Personal, das künftig den Wagen nutzen wird, wurde außerdem von den Johannitern ein Tutorial-Video angefertigt, in dem die Funktionen erklärt werden - mit arabischer Simultanübersetzung, um Missverständnissen vorzubeugen. "Wir hoffen, mit dem Fahrzeug in der Region einen kleinen Beitrag zum Wiederaufbau leisten zu können. Es soll Menschen jeder Religion und jeder Volksgruppe in und um Sadad eine verbesserte Notfallversorgung bringen und somit auch einen kleinen Beitrag zum Frieden in der Region leisten", sagte Heinz Neff bei der offiziellen Übergabe des Fahrzeugs an Vertreter der syrisch-orthodoxen Gemeinde Münchens, die sich um den Weitertransport nach Syrien kümmern wird. Priester Zaytoun Saome bedankte sich bei dem Termin in Kirchseeon für die Initiative und den Einsatz der Ehrenamtlichen: "Sie sind ein wahres Beispiel für Menschlichkeit und Christentum", sagte er.

Funktioniert alles wie geplant, soll der Krankenwagen bereits zum orthodoxen Weihnachtsfest am 6. Januar in Syrien ankommen. Benötigt wird das Fahrzeug in Sadad dringend, wie bei der Übergabe deutlich wurde. Der bisherige Krankenwagen des dortigen Krankenhauses wurde bei Kampfhandlungen zerstört, die medizinische Versorgung in der vor allem von Christen bewohnten Stadt ist schlecht. Der Islamische Staat hat aus der einst blühenden Stadt mit einem reichen kulturellen Erbe ein Krisengebiet gemacht.

"Wir wünschen von ganzem Herzen, dass das Leid und der Krieg so schnell wie möglich ein Ende finden", sagte Ralf Fischer, Meister der Werkstätte im Berufsbildungswerk. Ihn und seine Auszubildenden erfülle es mit Stolz, "für eine gute und sehr wichtige Sache einen Beitrag geleistet zu haben".