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Heiligabend in Ebersberg:Ebersberger Kirchen wollen den Weihnachtsabend zusammen gestalten

Einen Freiluftgottesdienst auf dem Ebersberger Marienplatz, das wünschen sich die beiden Ebersberger Pfarrer an Heiligabend. Ob das klappt, wird sich aber noch zeigen.

(Foto: Christian Endt)

In der Kreisstadt wird Weihnachten erstmals unter freiem Himmel und darüber hinaus ökumenisch gefeiert. Hier erklären die beiden Pfarrer, Josef Riedl und Edzard Everts, wie das gehen soll

Von Anja Blum, Ebersberg

In der Kreisstadt wird am 24. Dezember 2020 Geschichte geschrieben. Denn Ebersberg feiert Weihnachten heuer: erstens unter freiem Himmel und zweitens ökumenisch. Eine gleich doppelte Premiere also. Grund dafür ist, man kann es sich wohl denken, die Pandemie, die überall kreative Lösungen fordert, auch von den Kirchen. Zur Christmette in Sankt Sebastian kommen gerne mal 800 Menschen - momentan zugelassen sind aber nur etwa hundert. Das heißt, der Festgottesdienst müsste acht Mal gefeiert werden, um alle Besucher zu bedienen. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Supergau für die beiden Ebersberger Pfarrer indes wäre, wenn zur Geburt Jesu' gar nichts stattfinden würde, so wie an Ostern 2020 geschehen. Aber auch Gottesdienste mit Anmeldung und beschränkter Besucherzahl kommen für die beiden Geistlichen nicht infrage. "Stellen Sie sich vor: Da will jemand ein Mal im Jahr in die Kirche gehen - und dann kommt er nicht rein?", sagt Josef Riedl, katholischer Priester und Dekan. "Das darf nicht sein!" Ebenso wenig abgewinnen könne man Livestream-Lösungen: "Ein Gottesdienst bedeutet immer, dass die Gemeinde zusammenkommt", erklärt der evangelische Pfarrer Edzard Everts. "Außerdem ist die Kirche für viele Menschen auch soziales Zuhause." Gemeinsam oder gar nicht - da sei man sich in Ebersberg einig.

Die Ökumene funktioniert in Ebersberg

Überhaupt sei das Verhältnis zwischen den beiden Kirchengemeinden, die Ökumene, in der Kreisstadt sehr gut und tief. Also setzten sich Riedl und Everts bereits im Sommer zusammen und überlegten, wie Weihnachten in diesem Corona-Jahr gestaltet werden könnte. Schnell war klar, dass die Feierlichkeiten ins Freie verlegt werden sollten. "Diese Idee hat der Bischof also aus Ebersberg abgekupfert", sagt Riedl und lacht.

Für den Nachmittag dachten die beiden Gemeindeoberhäupter zunächst an eine Art Parcours, an mehrere Stationen, an denen die Menschen unterschiedliche Angebote - etwa zu Schöpfung, Verheißung und Evangelium - wahrnehmen könnten. "Aber das haben wir dann wieder verworfen, das wäre viel zu kompliziert geworden", so Everts. Geblieben aber ist das Modell der vielen Standorte, an denen nun aber jeweils ein ähnliches Programm stattfindet: Ein kleines Team erarbeitet eine ökumenische Andacht - samt Weihnachtsgeschichte und "Stille Nacht" - die dann von verschiedenen Akteuren umgesetzt werden soll. "So bekommt dann doch jede Einheit ihre etwas eigene Prägung", erklärt Riedl.

Gutes und tiefes Verhältnis: Josef Riedl und Edzard Everts wollen gemeinsam die Herausforderungen der Pandemie bewältigen.

(Foto: Christian Endt)

Um 22 Uhr könnte ein großer Gottesdienst auf dem Marienplatz stattfinden - wenn es erlaubt wird

Vom Pfarrgemeinderat bis zum Kindergarten, vom Kirchenchor über die Halleluja-Band bis zur Stadtkapelle: Alle möglichen Gruppen sollen sich beteiligen, so die Einschränkungen der Pandemie das Proben möglich machen. Besonders hebt Everts hier die Verdienste des Posaunenchors hervor, der die Botschaft der Hoffnung während der ganzen Zeit der Kontaktverbote zu den Menschen gebracht habe. "Das hat hundert Pfarrer ersetzt", sagt er, spürbar bewegt.

Um 16 und um 17 Uhr am Nachmittag des 24. Dezember soll es die Andachten geben, jede etwa 30 Minuten lang. Momentan stehen elf Standorte auf dem Zettel der beiden Pfarrer, etwa der Schlossplatz, im Klosterbauhof, vor der Mittelschule, beim Reischlhof, auf dem Erich-Zmarsly-Platz oder am Haus Salve. In der Senioren-WG sei die Stimmung Pandemie-bedingt ziemlich depressiv gewesen, sagt Everts, doch als er von dem Weihnachtsprojekt erzählt habe, sei ein richtiger "Ruck der Lebendigkeit" durch die Hausgemeinschaft gegangen. "Die haben sich total gefreut, dass sie da mitwirken dürfen." Insofern passe das neue Format auch theologisch ganz wunderbar zu Weihnachten mit Herbergssuche und Co.: "An diesem Tag kommt Gott zu den Menschen, ins Unbehauste - nicht umgekehrt." Das evangelische Herz lache darüberhinaus beim Gedanken an das "Priestertum aller Gläubigen": Die liturgischen Aufgaben an den Stationen werden von diversen Helferinnen und Helfern aus den beiden Gemeinden übernommen.

Fest steht aber, dass man den Schritt der Ökumene an diesem Hochfest ohne Corona nie vollzogen hätte: "Jeder liebt schließlich sein eigenes Wohnzimmer", sagt Riedl. Nun aber habe man dasselbe Problem - und das schweiße eben zusammen. Am Abend, zum Weihnachtsgottesdienst um 22 Uhr, wollen die beiden Pfarrer übrigens gemeinsam den Marienplatz kapern. Mit Bühne, Posaunenchor und vielen Lichtern. Ob das klappt, ist allerdings bislang ungewiss, das Rathaus muss noch zustimmen. Die beiden Kirchen selbst werden als weihnachtlich geschmückte Orte der Stille durchgehend geöffnet sein.

Auf ungewöhnliche Lösungen setzen indes nicht nur die Ebersberger, die Gemeinden im Landkreis wollen an allen möglichen Orten Weihnachten feiern. In Kirchseeon auf dem Kirchplatz, in Oberndorf steht die Halle des Bestatters parat, in Steinhöring lockt der Pfarrgarten und die Vaterstettener laden ins Sportstadion.

Zum konkreten Programm in Ebersberg wird es beizeiten einen Flyer geben.

© SZ vom 20.11.2020

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