Glonn In der Hasenfabrik beginnt jetzt schon das Weihnachtsgeschäft

Die Hans Brunner GmbH gehört zu den Weltmarktführern im Bereich Schokoladenformen.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Die Hans Brunner GmbH gehört zu den Weltmarktführern im Bereich Schokoladenformen. Bei einem Firmenbesuch in Glonn wird schnell klar: Den einen Osterhasen gibt es gar nicht.

Von Andreas Junkmann, Glonn

Er ist zu einer Ikone der modernen Popkultur geworden und wird kommerziell ausgeschlachtet wie kaum eine zweite Fantasiefigur: der Osterhase, das Fabelwesen, das einen Korb voller bunter Eier mit sich herumträgt, die es alljährlich am Ostersonntag in den Gärten versteckt. Woher dieser Brauch kommt, ist bis heute nicht abschließend geklärt - was dem Geschäft mit den umtriebigen Langohren keinen Abbruch tut. Das freut die Mitarbeiter einer Glonner Firma ganz besonders. Die Hans Brunner GmbH gehört zu den Weltmarktführern im Bereich Schokoladenformen. Und bei einem Firmenbesuch wird schnell klar: Den einen Osterhasen gibt es gar nicht.

Christoph Schwaiger sitzt an dem riesigen Holzschreibtisch im Konferenzraum der Firmenzentrale in Glonn. Der 30-Jährige gehört seit kurzem als Prokurist der Geschäftsführung des Unternehmens an. Wenn er über Schokoformen spricht, dann wirkt er aber schon wie ein alter Hase. "Ostern und Weihnachten ist natürlich unser Hauptgeschäft", sagt Schwaiger, der mit seiner Firma zuletzt erneut ein Rekordjahr verbuchen konnte. Seit 80 Jahren gibt es das Unternehmen, seit rund 50 Jahren ist es mit etwa 150 Mitarbeitern im beschaulichen Glonn beheimatet. Von dort aus exportiert die Firma ihre Kunststoffprodukte in die Welt - von Nordamerika über Indien bis nach Saudi Arabien. Produziert wird alles in Glonn. "Von der ersten Zeichnung bis zum fertigen Produkt passiert alles hier im Haus", sagt Schwaiger sichtlich stolz. Damit der Osterhase nicht in jedem Jahr gleich aussieht, braucht es kreative Köpfe.

Die Firma Brunner bringt Osterhasen in Form und das ist ganz wörtlich zu verstehen. Prokurist Christioph Schwaiger zeigt eine kleine Auswahl von Schokofiguren, die ihr Aussehen der Kreativität der Mitarbeiter in Glonn verdanken.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Einer von ihnen ist Anton Asanger. Über seinen Schreibtisch in der Designabteilung des Unternehmens wandern jährlich etwa 800 Entwürfe für neue Schokoladenformen - die meisten von ihnen werden am Ende auch tatsächlich produziert. Mal wieder einen neuen Osterhasen zu entwickeln, das sei manchmal schon schwierig, sagt Asanger. "Da kommt oft nur eine Vorgabe wie: 'Osterhase, 60 Gramm'. Und dann muss man eben schauen, was man macht." Den ersten Entwurf zeichnet der Designchef ganz klassisch mit Bleistift auf Papier. Daraufhin wird die Figur mit Hilfe von Clay - einer Art Knetmasse, die auch in der Autobranche zum Einsatz kommt - geformt. Diese dient als Basis für die Rohformen, aus denen später die echten Schokoformen entstehen.

Der ganze Prozess findet in engem Austausch mit den Kunden statt - von denen es bei der Brunner GmbH drei verschiedene Arten gibt, wie Prokurist Schwaiger erklärt. Der kleine Konditor suche sich meistens Standardmodelle aus dem Katalog aus, während mittelgroße Unternehmen vor allem individuelle Designs bestellen würden. Große Firmen hätten dagegen ihre eigene Entwicklungsabteilung. "Wir gehen dann noch einmal drüber und schauen, ob die Entwürfe auch tatsächlich umsetzbar sind", so Schwaiger.

Dafür braucht es nicht nur eine ruhige Hand, sondern auch den richtigen Blick. Beides hat Thomas Lebetz. Er steht vor seinem hochfahrbaren Schreibtisch in den Büroräumen der Produktentwicklung und zieht den Hasen im wahrsten Sinne des Wortes die Ohren lang. Auf dem Bildschirm seines Computers ist das goldfarbene Modell eines Osterhasen zu sehen. Mit einem digitalen Stift kann der Produktentwickler die Figur nun beliebig verändern. "Ein bisschen Gefühl muss man schon haben", sagt Lebetz während er vorsichtig an dem Hasen herumschnippelt.

Mit der Software, die unter anderem auch von Zahntechnikern verwendet wird, können Lebetz und seine Kollegen präzise auf Kundenwünsche reagieren. "Einmal wollte einer seinen Hasen mit größeren Augen haben, damit er sie richtig anmalen kann. Dann haben wir ihn eben so modelliert." Den Rohentwurf mit Clay ersetzt aber auch das PC-Programm nicht. Damit könne man zwar präziser arbeiten, mit der Knetmasse gehe es aber deutlich schneller.

Wie ein Ei dem anderen? Von wegen, auch hier gibt es Unterschiede.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Schnelligkeit ist im Schokoladengeschäft zum Teil ein wesentlicher Faktor. Während einige Kunden schon ein Jahr im Voraus bestellen würden, seien andere oft recht spät dran. "Da versuchen wir dann natürlich auch noch in letzter Sekunde zu helfen", sagt Christoph Schwaiger. Grundsätzlich ist dem 30-Jährigen eine längerfristige Planung aber lieber. "Bei uns fängt an Ostern eigentlich schon das Weihnachtsgeschäft an", sagt er und schmunzelt.

Aber zurück zu den Osterhasen: Während diese in den oberen Stockwerken der Firma als Knetmasse oder virtuelles Modell ein noch recht abstraktes Dasein fristen, wird es in der Produktionshalle im Erdgeschoss ernst. Dort liegt der Geruch von gefrästem Metall in der Luft. Im Inneren der großen Maschinen werden die Druckplatten herausgeschnitten, mit denen im nächsten Schritt die Kunststoffformen gepresst werden. Christoph Schwaiger bleibt vor einem der insgesamt sechs Fräszentren stehen und blickt durch eine der Glasscheiben. Dahinter ist eine Platte mit silber-glänzenden Osterhasen zu sehen, die von einem Frässtift vollautomatisch bearbeitet wird. "Das ist schon eine Bestellung für nächstes Jahr."

Christoph Schwaiger ist mit seinen 30 Jahren zwar noch recht jung, im Geschäft mit den Schoko-Formen kennt er sich aber bestens aus. Sein Vater Rudolf Schwaiger ist langjähriger Geschäftsführer der Hans Brunner GmbH, der Junior selbst hat bereits während seines Studiums der Wirtschaftsinformatik in der Firma mitgearbeitet. "Der Trend geht dahin, dass die Produkte immer kleiner werden und sich Hersteller immer mehr voneinander abheben wollen", erklärt Schwaiger. Gerade im Ostergeschäft gebe es aber auch klare geografische Unterschiede. Der Hase etwa sei ein typisch mitteleuropäisches Phänomen. "International hat aber das Ei die größte Bedeutung."

Genau wie bei den Hasen, denen Produktentwickler Thomas Lebetz am 3-D-Modell die Ohren langzieht.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Aber egal ob Hase oder Ei, beide erhalten sie ihr Aussehen in Glonn. Doch bevor die Kunststoffformen in die Welt hinausgeschickt werden können, müssen sie erst einmal produziert werden. Und das geschieht entweder an einer der sieben Spritzgussanlagen oder in der Thermopresse. Weitestgehend automatisch rattern die Formen aus den riesigen Maschinen heraus, ein Roboter überprüft sie auf Fehler. Menschen müssen hier kaum noch eingreifen. Dennoch betont Schwaiger, man habe keine Arbeitsplätze gestrichen. "Wir haben nicht den Mensch durch die Technisierung ersetzt, sondern den Ausstoß erhöht."

Und dass selbst hochmoderne Geräte nicht ganz ohne menschliche Unterstützung auskommen, beweist Verfahrensmechaniker Maik Thieroff. Der steht neben einer Art Ofen, in dem er die Kunststoffplatten bei etwa 250 Grad vorheizt. Anschließend legt er sie in die sogenannte Thermopresse, in der von oben ein schweres Gewicht herunter fährt und die Formen in das weiche Plastik drückt. Nach etwa 80 Sekunden nimmt Thieroff die inzwischen abgekühlte Platte aus der Presse - und hält eine fertige Osterhasenform in der Hand.

Bis es von der ersten Bleistiftzeichnung an soweit ist, sind viel Zeit und noch mehr Arbeitsschritte notwendig. Wenn Christoph Schwaiger darüber nachdenkt, muss er lachen. Ja da stecke schon eine Menge dahinter, was der Endverbraucher gar nicht sehe. "Der nimmt die Schokolade und beißt einfach rein."

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