Harter Winter Kraftfutter für Waldbewohner

Eigentlich ist der Winter für das Wild eine Ruhezeit, "Remmidemmi" im Wald könne es gar nicht vertragen, sagt der Chef des Kreisjagdverbands.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Auch im Landkreis Ebersberg findet das Wild bei Schnee und Kälte nur noch wenig Nahrung. Doch die Jäger kümmern sich um die Tiere

Von Stella Vogl, Ebersberg

Erst kamen gewaltige Schneemassen, jetzt haben Meteorologen lang andauernde klirrende Kälte angekündigt. Das macht auch den Wildtieren zu schaffen - wenn auch die Situation im Landkreis Ebersberg lange nicht so angespannt ist wie in den Bergen, wo die Tiere nicht einmal mehr zu den Futterstellen kommen. Wie Konrad Metzger, der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, erläutert, sorge der hohe Schnee zwar dafür, dass die Nahrung auf dem Boden, die sogenannte "Grünäsung", kaum noch zu erreichen sei, aber darauf hätten sich die Wildtiere eingestellt. Um den Winter zu überstehen, fressen sie sich schon im Herbst Reserven an.

Das heißt auch, dass das Rehwild aktuell "verhältnismäßig wenig Futter benötigt", so Konrad Metzger. "Die Tiere fahren ihren Bedarf entsprechend zurück und bewegen sich nicht viel, brauchen also auch nicht viel Energie." Bei der ganzen, von der Natur eingerichteten Faulheit suchen sich die Wildtiere natürlich auch ruhige Plätzchen, die im Fachjargon als "Einstände" bezeichnet werden. "Remmidemmi" sei an diesen Stellen natürlich nicht vorteilhaft, unterstreicht Metzger. Er appelliert daher an die Spaziergänger, die winterliche Waldlandschaft von den Hauptwegen aus zu genießen und nicht querfeldein durch die Landschaft zu wandern, "dann ist schon ein großes Plus erreicht".

Ein weiteres Problem sieht der Jäger vor allem dann gegeben, wenn unangeleinte Hunde das Leben auf Wald und Wiese durcheinander bringen. So sei es erst kürzlich zu einem Vorfall gekommen: In der Nähe von Sankt Christoph habe ein Hund ein Reh über die Feldflur gehetzt und letztendlich auch zu Fall gebracht. Dabei "sind die Schneemassen sehr problematisch". Bei einem freien Boden sei es für Rehe nicht allzu schwer, sich vor ihrem Verfolger zu retten. Der Tiefschnee hingegen werde schnell zur Hürde. Die Leinenpflicht ist deshalb ein Punkt, der Metzger am Herzen liegt, gerade durch frei laufende Hunde "wird viel Unruhe in den Wald gebracht".

Um die Fütterung der Wildtiere kümmern sich im Winter die Jäger. So wird das Rehwild sowohl mit Kraft- als auch mit Saftfutter versorgt. Das Trockenfutter besteht meist aus Gerste und Hafer, "am besten gequetscht". Das Saftfutter setzt sich bei Konrad Metzger aus Grassilage und Apfeltrester zusammen und soll den Feuchtigkeitshaushalt der Rehe sicherstellen. Bei dem Apfeltrester handelt es sich um die Reste, die beim Pressen von Apfelsaft entstehen. Denn auch wenn es gut gemeint sei: "Brot oder Kastanien sind in Fütterungen unsinnig." Genau deshalb fällt die Versorgung der Waldbewohner in den Aufgabenbereich der Privatjäger. Konrad Metzger berichtet: "Wir füttern laufend."

Wie ein Großteil der Jäger ist er der Meinung, dass es "sicherlich notwendig ist, ein bissl zuzufüttern". Er verrät aber auch: "Manche haben eine andere Theorie." Und diese Theorie vertritt einen deutlich pragmatischeren Ansatz, nämlich: "Braucht's nicht, lieber erschießen. Erschossene Tiere brauchen kein Futter." Und auch wenn "ein jeder frei in seinem Ding" sei, ist Konrad Metzger überzeugt: "Zumindest der Großteil bemüht sich."

Festgelegt ist es sogar im Bayerischen Jagdgesetz, dass der Revierinhaber "in der Notzeit für angemessene Wildfütterung zu sorgen" hat. Was aber eine "Notzeit" sei, ist nach Ansicht Metzgers eher schwammig definiert. Man müsse dabei auch berücksichtigen, wie Wald und Flur gestaltet seien. Auch die Schneehöhe spiele eine Rolle, sagt er.