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Ebersberger Kabarettist:Hans Klaffl wirbt für Geflüchtetenprojekt

Hans Klaffl in seinem Büro in Ebersberg
Weihnachts- und Neujahrsaktion Schätzen & Spenden

Hat Hans Klaffl tatsächlich ein Vogelhäuschen gebastelt? Der Kabarettist und ehemalige Lehrer aus Ebersberg beteiligt sich mit einem Online-Auftritt im heimischen Büro an dem karitativen Weihnachts-Ratespiel "Schätzen und spenden", das einer seiner früheren Schüler nun initiiert hat.

(Foto: Veranstalter)

Der Ebersberger Kabarettist ist einer von sieben Prominenten, die bei einem neuen karitativen Online-Ratespiel mitmachen.

Von Anja Blum

Er macht es spannend, wie immer. Hans Klaffl sitzt in seinem Büro, vor ihm auf dem Tisch steht ein gülden verpacktes Geschenk. Unten quadratisch, oben spitz zulaufend. "Zu hundert Prozent selbst gemacht", sagt der Ebersberger Kabarettist, grinst schelmisch und gibt noch einen kryptischen Hinweis: Inhalt und Verpackung seien womöglich identisch. Aha. Wer errät, was sich in dem Päckchen verbirgt, und obendrein eine gemeinnützige Organisation finanziell unterstützt, bekommt das Geschenk.

So funktioniert "Schätzen und spenden", ein neues virtuelles, wohltätiges Ratespiel mit Promi-Faktor, das sich Andreas Uhlig, Filmemacher aus Putzbrunn, ausgedacht hat. Mitte Dezember hatte der gelernte Betriebswirt mit Schwerpunkt Kommunikation die Idee - und stellte das Projekt dann in weniger als zwei Wochen auf die Beine. Seine Frau verschickte Pressemeldungen, sein Bruder zeichnete die Ankündigungen auf, eine Webdesignerin erstellte kostenlos eine Internetseite. Einen Tag vor Heiligabend ging das Ratespiel-Video schließlich online. Andreas Uhlig beschreibt die Aktion als "Brückenbauen zwischen Organisationen und spendenbereiten Menschen".

Obwohl also die erste Ausgabe ziemlich spontan ins Leben gerufen wurde, konnte Uhlig dafür sieben Künstler und andere Prominente aus München samt Umland gewinnen. Bei Hans Klaffl hatte der Initiator als erstes angeklopft - der Ebersberger war vor 20 Jahren Uhligs Lehrer. "Wir haben immer Kontakt gehalten, wie mit vielen anderen Schülern auch", sagt der Ebersberger Kabarettist. Außerdem mit dabei: der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler, Kabarettist Willy Astor, Fernsehkoch Hans Jörg Bachmeier sowie die Moderatorinnen Jasmin Leuxner, Uschi Dämmrich von Luttitz und Anja Marks-Schilffarth. Sie alle bitten im Ratespiel jeweils für eine karitative Initiative ihrer Wahl um Spenden. Vom Verein Zeltschule, der Kinder in Flüchtlingslagern unterrichtet, über Missio München bis hin zu Artists for Kids oder Ärzte ohne Grenzen.

Bei jeder dieser Organisation seien bereits einige Spenden eingegangen, erklärt Uhlig. "Natürlich darf und soll das alles noch wachsen, aber für eine Premiere bin ich bislang wirklich zufrieden." Und um die Resonanz aber doch noch ein bisschen zu vergrößern, wurde der Aktionszeitraum nun bis 31. Januar verlängert. Die Geschenke sind zwar bereits vergeben - an jene Zuschauer, die besonders schnell waren und richtig schätzten, welche Geschenke die Künstler und Prominenten vorbereitet hatten. Geraten und gespendet werden darf aber weiterhin. Die Aktion ist als 25-minütige Show online auf einer eigenen Homepage verfügbar, die Lösungen sind in Form kurzer Fortsetzungsvideos verlinkt.

In dem kurzen Film werden die sieben Projekt-Werber durch die Animation eines gemeinsamen "Weihnachtshauses" vereint. Die meisten Clips wurden jedoch bei den Prominenten zuhause aufgenommen - "ganz primitiv mit dem Handy", erzählt Klaffl. Nur die Abschiedsszene mit dem Aus-dem-Fenster-Winken sei zunächst etwas schwierig gewesen: "Ich dachte, da müsse mein eigenes Fenster drauf, also ist meine Frau rausgegangen und hat rangezoomt. Das Ergebnis war völlig unbrauchbar", sagt er und lacht. Letztendlich aber winke er im Video gar nicht aus einem echten, sondern eben aus einem animierten Haus heraus.

Das Arbeitszimmer, in dem der Ebersberger Kabarettist sitzt allerdings, ist ganz und gar real. Man erhascht hier also einen Blick ins Klaffls höchst private Denkstube. Und wie sich das für einen Künstler gehört, herrscht hier kreatives Chaos: Der Schreibtisch quillt über, an der Wand ist kein Plätzchen mehr frei, so viele Fotos und Postkarten sind daran befestigt. Mittendrin Klaffl, der - typisch Lehrer - genüsslich sein Geschenkrätsel stellt. Nur so viel sei verraten: Auf die richtige Lösung kam bei dem Ebersberger niemand, denn die Verpackung in Form eines Vogelhäuschen führt auf eine völlig falsche Fährte. Doch nicht nur um die Gaudi geht es hier, sondern vor allem um ein ganz ernst gemeintes Anliegen: Klaffl setzt sich mit diesem Online-Auftritt ein für "Bellevue di Monaco", ein Wohn- und Begegnungszentrum für Geflüchtete.

"Das ist ein Projekt, das mir sehr imponiert", sagt er, "denn da hat man nicht irgendwo abseits Container aufgestellt, sondern sich wirklich Gedanken gemacht." Deswegen habe er auch für das Bellevue schon Benefizvorstellungen gegeben. "So etwas funktioniert eigentlich immer ganz wunderbar, die Vorstellung war trotz eines deutlich höheren Eintrittspreises sofort ausverkauft", erzählt er. Gespielt hatte der Ebersberger da wie so oft im Münchner Lustspielhaus, denn dessen Hausherr Till Hofmann, auch bekannt für das Eulenspiegel-Festival in Passau, ist der Initiator des Bellevue di Monaco.

"Er hat ein solches Haus in Wien gesehen und die Idee dann in München als Genossenschaft verwirklicht", sagt Klaffl. Das Besondere sei, dass hier junge Geflüchtete mitten in der Stadt lebten und vor allem viel in Kontakt kämen mit Einheimischen. "Es gibt ein Café, eine Radlwerkstatt zum Selber-Reparieren, einen Bolzplatz auf dem Dach und regelmäßig ganz tolle Veranstaltungen", berichtet Klaffl. Vorträge und Konzerte wie von der Unterbiberger Hofmusik könne man dort zum Beispiel erleben. "Dadurch mischt es sich, und das ist großartig. Es lohnt sich wirklich, sich das mal anzusehen!" Nach Corona, versteht sich.

"Allen beteiligten Künstlern und Prominenten merkt man sofort an, dass sie mit vollem Herzen hinter den Projekten stehen, für die sie um Spenden bitten", sagt Andreas Uhlig, Initiator der Aktion "Schätzen und Spenden". Jeder Einzelne habe auf Anhieb zugesagt. "Aber was mich vor allem angespornt hat, war zu sehen, mit welchem Ehrgeiz die Künstler die Videos selbst aufgenommen und geteilt haben." Insofern geht Uhlig davon aus, dass es im nächsten Winter eine Wiederholung geben wird. "Dann aber mit etwas mehr Vorlauf."

Zuschauen und spenden auf www.schaetzen-spenden.de oder im Videoportal YouTube / Schätzen & Spenden.

© SZ vom 13.01.2021/koei
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