Hallenbad EbersbergDas nasse Vergnügen

Lesezeit: 4 Min.

Claudiu Stanciu, Meister für Bäderbetriebe, teilt Tauchringe an zwei Kinder aus.
Claudiu Stanciu, Meister für Bäderbetriebe, teilt Tauchringe an zwei Kinder aus. Peter Hinz-Rosin

Das runderneuerte Hallenbad in Ebersberg gefällt Jung und Alt – als Sportstätte, Spiel-, Spaß- und Begegnungsort. Sogar ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Wohnorts kann die Schwimmhalle sein.

Von Michaela Pelz, Ebersberg

Die Sonne lacht, doch die Temperaturen draußen sind immer noch winterlich frisch. Überaus angenehm ist daher die Umgebungstemperatur im Ebersberger Hallenbad, in dessen großem Becken sich an diesem Sonntagmorgen etwa zehn Personen tummeln, darunter erstaunlich viele Männer.

Kurz zuvor hat Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) im Bademeisterbüro die Ergebnisse der Besucherzählung der frisch sanierten Schwimmhalle präsentiert. „Rund 2400 Personen waren es zwischen Oktober und Dezember. Ohne Vereine“, verkündet er stolz. Weitere 1600 Badegäste habe man seit der Wiedereröffnung im Januar gezählt.

Schwieriges Schwimmen
:Nachbesserung beim neuen Bad

Nach der Wiedereröffnung des Ebersberger Hallenbades im Oktober schließt es im neuen Jahr gleich wieder für drei Wochen – ein Leck muss repariert werden. Was ist da los?

Von Michaela Pelz

Stimmt, da war doch was … Sollte das Bad aufgrund eines Lecks nicht mehrere Wochen geschlossen bleiben? Am Ende war es aber doch nur eine – wie kam das? Proske lacht. „Ganz verrückte Sache! Kaum hatten wir alle informiert, stellte sich raus: Es tropft nicht mehr.“

Da sich nun aber Vereine und Öffentlichkeit bereits auf eine Schließung eingestellt hatten, wollte man die Gelegenheit nutzen, kleinere Arbeiten durchzuführen. „Wir haben den Behindertenkran optimiert und dafür gesorgt, dass wir nun beim Schulschwimmen mit einer Leine quer durchs Becken den Nichtschwimmerbereich abtrennen können. Sicherheit ist uns ganz wichtig“, erklärt Betriebsleiterin Sandra Friesinger, die mit ihrem Team für den „bisher zum Glück völlig reibungslosen“ Ablauf des Badebetriebs sorgt.

Betriebsleiterin Sandra Friesinger ist nicht nur Meisterin für Bäderbetriebe, sondern auch Dozentin an der Bayerischen Verwaltungsschule Lauingen und Mitglied im Meister-Prüfungsausschuss.
Betriebsleiterin Sandra Friesinger ist nicht nur Meisterin für Bäderbetriebe, sondern auch Dozentin an der Bayerischen Verwaltungsschule Lauingen und Mitglied im Meister-Prüfungsausschuss. Peter Hinz-Rosin

Im Wasser wird derweil fleißig geschwommen, doch es gibt auch Menschen, die im flachen Bereich des Beckens stehen und sich unterhalten. „Mei“, grinst Armin Dachgruber, „so ein Ratsch zwischendurch muss schon auch sein.“ Seit Jahren gehen er und seine Freunde jeden Sonntagmorgen zwischen halb zehn und halb elf zum Schwimmen. „Darum waren wir so froh, als das Bad endlich wieder aufgemacht hat“, ergänzt Kumpel Franz Daser. Solche begeisterten Kommentare höre man ganz oft, bestätigt Friesinger.

Seit Jahren ist den Freunden Armin Dachgruber (li.) und  Franz Daser der gemeinsame Schwimmausflug am Sonntagvormittag heilig.
Seit Jahren ist den Freunden Armin Dachgruber (li.) und  Franz Daser der gemeinsame Schwimmausflug am Sonntagvormittag heilig. Peter Hinz-Rosin

Zur Fan-Fraktion wird künftig wohl auch Tomislav Pintuvic gehören, der an diesem Tag zum ersten, aber garantiert nicht zum letzten Mal da ist. Der durchtrainierte 47-Jährige war früher Triathlet. Aktuell geht es dem Fliesenleger aber nicht um eine Wiederaufnahme seiner sportlichen Aktivitäten, vielmehr sieht er die Bewegung im Wasser vor allem als wertvollen Ausgleich zu seinem anstrengenden Job. „Gerade bei den Kraulbewegungen werden alle Sehnen trainiert“, erläutert er, bevor er auch schon wieder pfeilschnell davonschießt.

Die einen plaudern oder schwimmen gemächlich, die anderen durchpflügen die Bahnen, dass das Wasser nur so spritzt.
Die einen plaudern oder schwimmen gemächlich, die anderen durchpflügen die Bahnen, dass das Wasser nur so spritzt. Peter Hinz-Rosin

Mehr Zeit lässt sich die Aßlingerin, die mit ihrem Ehemann regelmäßig das Ebersberger Bad besucht. Das Schwimmen tue ihrem Rücken so gut und auch bei Fußproblemen kenne sie nichts Besseres, schwärmt sie. Einziges Manko: „Für mich ist die Wassertemperatur zwar völlig okay, aber meine Enkel würden lieber mitkommen, wenn es wärmer wäre.“

Silja Nähring hat ein ähnliches Problem: „Zu kalt!“ Deswegen trägt ihre Fünfjährige einen Neoprenanzug. Die beiden genießen Mutter-Tochter-Zeit im kleineren Raum, wo das 80-Kubikmeter-Lehrschwimmbecken nur eine Tiefe von 135 Zentimetern hat. Sie sind dort nicht die Einzigen. Ein Geschwisterpaar spielt Ball, andere Eltern und Kinder vergnügen sich mit Schwimmhilfen.

Dieses kleine Mädchen liebt das Schwimmen über alles. Wasser im Gesicht? Kein Problem! „Die hat keine Angst vor gar nichts“, sagt der Vater.
Dieses kleine Mädchen liebt das Schwimmen über alles. Wasser im Gesicht? Kein Problem! „Die hat keine Angst vor gar nichts“, sagt der Vater. Peter Hinz-Rosin

Filip Bartula freut sich, wie viel Spaß seine Vivian hat. Die Dreijährige solle auf jeden Fall so bald wie möglich einen Schwimmkurs machen. „Ich bin in Kroatien aufgewachsen, zwei Stunden vom Meer entfernt. Dort waren wir am Wochenende ganz oft. Es ist so wichtig, dass die Kinder schwimmen lernen.“

Auch wenn dieser Vater sich nicht beschwert, hört der Bürgermeister den Temperatur-Einwand doch immer wieder. „Wir haben fast 28 Grad, das ist nicht kalt. Manche würden sich durchgehend 32 Grad wünschen, aber das wäre ein energetischer Wahnsinn“, sagt Proske. Deswegen gebe es wärmeres Wasser nur einmal die Woche für die Rheuma-Liga.

Familie Klein im großen Becken lässt sich gerade vom Bademeister Ringe geben.  Vater Till kommt regelmäßig, und erst letzte Woche haben der siebenjährige Ben und sein Bruder ihr Schwimmabzeichen gemacht. Die Kleins lebten längere Zeit in Australien, „da ist das Schwimmen ein Riesenthema.“ Darum habe das Ebersberger Hallenbad bei der Wahl eines neuen Domizils vor vier Jahren eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. „Natürlich schaut man sich als Familie die Infrastruktur eines möglichen Wohnortes genauer an.“

Uli Proske zieht tapfer eine Bahn nach der anderen – findet aber zwischendrin immer wieder Zeit für einen kleinen Plausch mit Bürgerinnen und Bürgern.
Uli Proske zieht tapfer eine Bahn nach der anderen – findet aber zwischendrin immer wieder Zeit für einen kleinen Plausch mit Bürgerinnen und Bürgern. Peter Hinz-Rosin

So etwas freut den Bürgermeister, der selbst bisher noch nicht so oft zum Schwimmen gekommen ist, wie er es sich wünschen würde. Das Standort-Argument wird er vielleicht auch dann gut brauchen können, wenn wieder einmal die Finanzen im Vordergrund stehen. „Sowohl Vaterstetten als auch Markt Schwaben haben bei ihren Schwimmbädern ein Defizit von irgendwas zwischen 400 000 und 500 000 Euro – mal sehen, wo wir landen.“

Dass es sich dabei aber um gut angelegtes Geld handelt, zeigen ihm die vielen positiven Rückmeldungen. Einzig die Kartenzahlung, respektive deren derzeitige Unmöglichkeit, sei ein Quell des Unmuts, berichtet Proske. Dabei könnten weder die Stadt noch das Team etwas dafür. „Es hapert an der Kommunikation zwischen den Herstellern des Kassenautomats und den Kreditkartenbetrieben.“ Und der Kontakt mit beiden gestalte sich leider schwierig.

Für das Team in Ebersberg ist das doppelt ärgerlich, denn das Bezahlproblem hält manchmal den kompletten Betrieb auf. Vor allem dann, wenn die Leute trotz mehrerer Warnhinweise ihre Karte in den Automaten schieben. „Lesen würde da manches Mal helfen“, seufzt Claudio Stanciu, Friesingers Stellvertreter.

Wer hier keinen Spaß hat, dem ist nicht mehr zu helfen.
Wer hier keinen Spaß hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Peter Hinz-Rosin

Selbiges gelte auch für den Freitag, an dem ein Kinder-Nachmittag stattfindet, was als Information gut sichtbar aushängt. „Es ist die einzige Gelegenheit, wo sie spritzen, toben, reinspringen, tauchen und all das tun dürfen, was sonst nicht erlaubt ist.“ Trotzdem gebe es immer wieder Leute, die monierten, in dieser Zeit nicht ruhig ihre Bahnen ziehen zu können, erzählt Stanciu. „Dabei gibt es doch genügend andere Tage, an denen das möglich ist.“

Ebenfalls noch nicht optimal ist das Zahlungssystem für Frühschwimmer. Der Eintritt wird nämlich auch für Besitzer einer Saison- oder Monatskarte fällig. „Da wird man noch nachjustieren müssen“, sagt Friesinger. Aber so etwas gehöre halt zu den Kinderkrankheiten, die sich erst im laufenden Betrieb herausstellten.

Jonas Wiefel springt zwar lieber als dass er schwimmt. Aber seine abwechslungsreiche Arbeit geht dem 20-Jährigen über alles. Hier holt der Fachangestellte für Bäderbetriebe die Bahnabsperrung für die morgendlichen Sportschwimmer ein.
Jonas Wiefel springt zwar lieber als dass er schwimmt. Aber seine abwechslungsreiche Arbeit geht dem 20-Jährigen über alles. Hier holt der Fachangestellte für Bäderbetriebe die Bahnabsperrung für die morgendlichen Sportschwimmer ein. Peter Hinz-Rosin

Jonas Wiefel wiederum sieht absolut keinen Grund zur Klage. Der 20-jährige Fachangestellte für Bäderbetriebe liebt seinen Job. „Ich habe mit Menschen und Technik zu tun, meine Arbeit ist vielfältig und spannend, außerdem kann ich mir vieles selbst einteilen.“ Besonders gut gefalle ihm der Wechsel zwischen Hallenbad und Grafinger Freibad, wo das achtköpfige Team ebenfalls im Einsatz ist.

Aus den anfänglich zehn Personen in den beiden Becken sind nach einer guten Stunde um die 35 geworden. Am Ende dieser Badezeit werde man wohl auf eine Summe von 80 bis 90 Gäste kommen, schätzt Friesinger.

Wie sehr Familien, Freundesgruppen und Sportinteressierte neben Grund- und Mittelschule, TSV, Wasserwacht, VHS, Schwimmschulen oder Tauchclub das Ebersberger Bad schätzen, wird an diesem Vormittag jedenfalls mehr als deutlich. Wie gut und schön, wenn sich eine Kommune eine solche Einrichtung leistet.

Wenn zu viel Sonne die Badenden blendet, können die Fenster abgeschattet werden.
Wenn zu viel Sonne die Badenden blendet, können die Fenster abgeschattet werden. Peter Hinz-Rosin

Hallenbad Ebersberg, Abt-Williram-Straße 19. Allgemeine Badezeiten: dienstags 16 bis 20 Uhr (ab 18 Uhr Bahnenschwimmen), mittwochs 15 bis 21 Uhr (13.30 bis 15 Uhr Seniorenschwimmen), freitags 14.30 bis 21 Uhr (14.30 bis 17 Uhr Kinderspielnachmittag mit Schwimm- und Spielgeräten, ab 19 Uhr Bahnenschwimmen), sonntags 8.30 bis 13 Uhr. Am Montag, Donnerstag und Samstag ist aufgrund der Nutzung durch Schule und Vereine kein öffentlicher Badebetrieb.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: