Gymnasium Kirchseeon:Geige mit Wiedererkennungswert

P-Seminar trotz Corona-Beschränkungen erfolgreich: Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Kirchseeon entwerfen und bauen eine elektrische Violine in Schlangenform

Von Serafina Rumm

Wie plant man in Zeiten von Homeschooling und Lockdown Gruppenprojekte? Zwölf Schüler des diesjährigen Abiturjahrgangs am Gymnasium Kirchseeon haben trotz Einschränkungen und zahlreichen Ungewissheiten innerhalb weniger Monate ihr Vorhaben in die Tat umgesetzt - und eine E-Geige gebaut. Die Idee, eine elektrische Violine zu entwickeln, entstand innerhalb eines Projekt-Seminars "Musikinstrumente-Bau" unter der Leitung von Silvia Domke, die Physiklehrerin und Unterstufenbetreuerin an der Schule ist. P-Seminare sollen der Studien- und Berufsorientierung dienen und sind Teil der Oberstufe am Gymnasium.

Die meisten der zwölf Schülerinnen und Schüler spielen selbst ein Instrument und waren deswegen an dem Thema interessiert. Bei einem Besuch im Stadtmuseum München hatte sich die Seminargruppe schon während des vergangenen Schuljahres, also in der Jahrgangsstufe elf, Inspiration geholt und Ideen gesammelt. Die Schüler hätten auch eine Trommel oder eine Flöte bauen können, aber letztlich habe das Streichinstrument das Rennen gemacht, erzählt Wiktoria Sroczynska über die Anfänge des Projekts: "Eine E-Geige war da schon cooler", sagt die Schülerin - jetzt in der zwölften Klasse.

Als das Bauobjekt dann feststand, habe die konkrete Planung begonnen, erzählt sie weiter. Die Schüler entwarfen Skizzen von eigenen Designideen und einigten sich schließlich auf eine Geige in S-Form: Der Korpus weicht von der typischen Violine ab und soll einer Schlange ähneln. Aber das ist noch nicht alles: Passend zum Schlangenkörper besitzt die Geige anstelle einer Schnecke einen Schlangenkopf, in den der Wirbelkasten mit den Saiten endet. Auf diese Weise haben die Schüler ein Instrument mit einem "persönlichen Wiedererkennungswert" konzipiert: eine E-Geige, die es so kein zweites Mal gibt.

Für die Umsetzung ihres Projekts bekam die Gruppe Unterstützung von zwei Fachleuten: von einem Holzexperten, Schreiner Bernhard Bredenhöller aus Glonn, der den Rohschnitt der Geige lieferte - aus massivem Ahornholz fertigte er die Teile der Geige in Quadern vor - und von dem Klangexperten Geigenbauer Wolfgang Löffler aus München, der die Technik der Geige installierte und die Projektgruppe mit praktischen Tipps unterstütze: Wo man zum Beispiel den besten Tonverstärker im Internet kauft, oder wie man die Saiten einer Geige spannt.

Rund schleifen, leimen und lackieren durften die Schüler die Holzquader anschließend selbst. Im Werkraum des Kirchseeoner Gymnasiums entstanden so in Handarbeit die Abrundungen der Schlangenform des Geigenkorpus und am Ende das fertige Instrument: "Als wir das erste Mal das Holz in den Händen hatten und endlich wussten, was wir konkret zu tun haben, das war ein tolles Gefühl", erinnert sich Wiktoria Sroczynska. Die praktische Arbeit habe sehr viel Spaß gemacht. Nicht immer sei es jedoch leicht gewesen, alle Meinungen unter einen Hut zu bringen: Zum Beispiel als Uneinigkeit über die Farbe des Lacks herrschte - bis abgestimmt wurde und die Mehrheit entschied.

Ob aus der Geige mehr werden würde als ein theoretischer Plan, war jedoch lange Zeit unklar: Zwischen März und Mai, in der Zeit des ersten Lockdowns, lag das Seminar komplett auf Eis. Doch ein Projekt, das in die Abiturnote einfließen soll, kann man nicht einfach so ausfallen lassen. Also setzten die Schüler ihre Arbeit im Juni fort und brachten ihre Entwürfe noch vor den Sommerferien zum Schreiner. In Kleingruppen durften sie mit Bredenhöller und Löffler arbeiten. Nur im Werkraum der Schule konnte sich die gesamte Gruppe, unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen treffen. Und als im Winter die E-Violine nach einem halben Jahr Bauzeit schließlich fertig war, entfiel das alljährliche Weihnachtskonzert des Gymnasiums, wo das Instrument eigentlich bei einer Präsentation samt Vorspiel der Öffentlichkeit hätte vorgestellt werden sollen.

Nun ist die selbstgebaute E-Geige des P-Seminars in einem Schaukasten des Kirchseeoner Gymnasiums ausgestellt. Die Schüler wünschen sich aber sehr, sie beim nächsten Weihnachtskonzert präsentieren zu können. Finanziell unterstützt wurde das Projekt übrigens durch die Raiffeisenbank Zorneding, denn die Akquise von Sponsoren ist stets Teil der Projekt-Seminare. Und so zieht Wiktoria Sroczynska trotz aller Corona-Schwierigkeiten ein positives Fazit: "Wir haben vor allem gelernt, wie man besser zusammenarbeitet, und dass man auch ab und zu Kompromisse eingehen muss. Außerdem haben wir ganz allgemein gelernt, wie man Aufgaben und Dinge koordiniert und plant. Das kann man natürlich alles später in Studium oder Ausbildung und im Job gebrauchen."

© SZ vom 14.01.2021
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