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Nach Chat-Skandal:Gymnasium Grafing feiert Benennung nach Max Mannheimer

Grafing Gym Mannheimer Schriftzug

Gleichzeitig mit der Namensänderung feiert die Grafinger Schulfamilie auch den Abschluss der Generalsanierung des Gebäudes.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Zum Festakt diese Woche sind Charlotte Knobloch und Kultusminister Michael Piazolo angekündigt. Zwei Schüler äußern sich zu ihren antisemitischen Chat-Äußerungen.

Für die Schüler des Gymnasiums Grafing ist die unangenehme Zeit des Umbaus bereits im November zu Ende gegangen. Nach 15 Monaten Generalsanierung durfte der Altbau endlich wieder betreten und genutzt werden. Seither erstrahlen die Fachräume für Chemie, Physik und Musik in frischem Glanz, die Pausenhalle ist neu gestaltet. Am kommenden Freitag wird der sanierte Teil des Gebäudes offiziell eröffnet, zugleich aber auch die Umbenennung der Schule in Max-Mannheimer-Gymnasium gefeiert - und über diesen Aspekt dürften Schulleiter Paul Schötz und alle Verantwortlichen sich besonders freuen.

Just ein paar Tage, nachdem die Entscheidung für den neuen Namen öffentlich geworden war, hätten antisemitische Inhalte eines Klassenchats den guten Ruf des Gymnasiums als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" durchaus beschädigen können. Ernst Mannheimer, Sohn des Holocaustüberlebenden Max Mannheimer, der bis zu seinem Tod 2016 als regelmäßiger Mahner für den Frieden und gegen nationalsozialistisches Gedankengut überall in der Republik aufgetreten war, hatte in einer ersten Reaktion gar erwogen, die Genehmigung seiner Familie für die Benennung der Schule nach seinem Vater zurückzuziehen.

Er entschloss sich aber schließlich dagegen. "Das wäre nicht im Sinn meines Vaters gewesen", hatte er kurz nach dem Vorfall der SZ gesagt. Dass in ihrem Klassenchat unter anderem der Text eines rechtsextremen Lieds und Hakenkreuze herumgeschickt wurden, hatten Schüler der neunten Klasse selbst aufgebracht. Sie waren damit zu ihren Eltern gegangen, der Vorfall führte zu staatsanwaltlichen Ermittlungen, die nach Auskunft der Staatsanwaltschaft München II immer noch andauern. Die Schule hatte prompt und energisch reagiert, in einem Elternbrief hatte Direktor Schötz zu dem Vorfall Stellung genommen, sich von den Inhalten und deren Verbreitung distanziert und für den gemeinsamen Erziehungsauftrag von Elternhaus und Schule für eine entschiedene Haltung gegen Diskriminierung und Rassismus geworben.

Nun wird am kommenden Freitag auch die Enkelin Max Mannheimers, Judith Faessler, nach Grafing kommen und eine Rede halten, wenn der Bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus, Michael Piazolo, im Beisein des Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch, und des Ebersberger Landrats Robert Niedergesäß die Urkunde mit dem neuen Namen überreichen wird. Um 10.30 Uhr beginnt die Feier mit einer Darbietung der Big Band des Gymnasiums, dann werden, nach Begrüßungsworten von Schulleiter und Landrat, eingerahmt in musikalische Solo-Einlagen von Schülern des Gymnasiums die Ehrengäste zu Wort kommen.

Die beiden Schüler bedauern ihre antisemitischen Äußerungen im Chat

Für die Schülerschaft des Gymnasiums, die von ihren Klassen- und Jahrgangssprechern sowie einigen für das Gedenken an Max Mannheimer besonders engagierten Schülern bei der Feier vertreten wird, sprechen Stefanie Turnhuber, Abiturientin von 2019, sowie die Schülersprecher Antonia Thewalt, Valentin Wach und Justus Pehle. Der Rest der Gymnasiasten hat an diesem Tag früher schulfrei. Die gesamte Schülerschaft bei der Feier dabei zu haben, wäre zwar wünschenswert, aber logistisch nicht machbar gewesen, erklärte Direktor Schötz. Die Feier, deren Abschluss die Enthüllung einer Stele zum Gedenken an Mannheimer markiert, solle ja in der neu sanierten Aula stattfinden, "da ist für 1400 oder 1500 Menschen schlicht kein Platz".

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Die beiden Schüler, die wegen ihrer antisemitischen Äußerungen im Chat vor den Disziplinarausschuss der Schule zitiert worden waren, hätten das Geschehene inzwischen bedauert und festgestellt, dass es "eine große Dummheit" war, berichtete Schötz. Einer der Schüler habe erklärt, dass er den Text, den er weitergeleitet habe, "absurd krass" gefunden aber nur bis zur Hälfte gelesen und erst auf die Reaktionen von Klassenkameraden hin wahrgenommen habe, was da eigentlich drin stehe.

Es sei schon bedauerlich, sagte Schötz, dass Jugendliche auf der Suche nach Provokation in der Pubertät solche Dinge verbreiteten. Dabei kämen die betroffenen Schüler aus "hervorragenden Häusern", die Eltern seien teils selbst in der Flüchtlingshilfe engagiert. Man sollte meinen, erklärte er, dass ein Schüler in der neunten Klasse, so etwas rechtzeitig erkennen könne. "Aber da schalten doch manchmal irgendwelche Synapsen nicht richtig. Vor so etwas sind auch wir, als Schule gegen Rassismus, nicht gefeit."

Schulverweise seien vom Disziplinarausschuss keine ausgesprochen worden, die betroffenen Schüler hätten aber zur Auflage bekommen, im Rahmen einer Antirassismusaktion des Kreisjugendrings für mehrere Stunden mitzuarbeiten. Darüber hinaus wolle die Schule aber noch mehr gegen verfassungsfeindliches Gedankengut tun: So werde es einen Thementag für die zehnten, im Januar bereits ein spezielles Projekt für die achten Klassen geben, beides gemeinsam mit der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) organisiert. Im Sommer besuchen die Schüler der zehnten Jahrgangsstufe im Rahmen des Unterrichts regelmäßig das Max-Mannheimer-Studienzentrum in Dachau.

Mannheimer, der im Holocaust fast seine ganze Familie verloren, Deutschland aber nie verlassen und es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, für Frieden, Toleranz und Demokratie zu werben, war ein häufiger Gast in Grafing gewesen. Seit 1987 hatte er die Stadt und das Gymnasium mehr als 30 Mal besucht. Arbeitskreise und P-Seminare der Schule hatten noch zu Mannheimers Lebzeiten, aber auch posthum sein Wirken dokumentiert und begleitet. Versuche, die Schule nach ihm zu benennen, hatte es in der Vergangenheit mehrere gegeben. Aber erst Ende vergangenen Jahres fiel die einstimmige Entscheidung sämtlicher Schulgremien, der das Kultusministerium zustimmte.

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