Zu den Veranstaltungen der Gruppe Kunststoff gehört neben der Betrachtung von Kunst auch immer das Diskutieren über ihre Konzepte. Kein Wunder also, dass sich die Mitglieder nun Gedanken machen über Tradition und Innovation, über die Herausforderung „Künstliche Intelligenz und/oder künstlerische Intelligenz“. Digitale Tools versus Pinsel, Meißel und Co., menschliche Vorstellungskraft versus algorithmische Wahrscheinlichkeiten: Wie beeinflusst das alles die zeitgenössische kreative Praxis? „Da gilt es, Chancen und Risiken abzuwägen“, schreiben die Kunststoffler.
Mit seinem Projekt „Offene Ateliers“ im nördlichen Landkreis Ebersberg will das Kollektiv wieder Einblick geben in verschiedene Werkprozesse und Gelegenheit zum Austausch bieten. Auf einer inspirierenden Tour durch eine abwechslungsreiche Kunstlandschaft gibt es Malerei, Grafik, Fotografie, Bildhauerei und Multimedia-Werke zu sehen. An sechs Standorten in vier Orten – Poing, Markt Schwaben, Parsdorf und Anzing – laden am Samstag, 16. Mai, und Sonntag, 17. Mai, jeweils von 14 bis 19 Uhr insgesamt elf Künstlerinnen und Künstler zu Begegnungen ein. Alle Infos und einen Lageplan gibt es in einer Broschüre, online zu finden unter https://kunststoff-art.de/aktuell/.

Gleich drei Ateliers gibt es in Markt Schwaben: Maria Heller zeigt in ihrer Werkstatt vor allem Kopfskulpturen, denn sie fragt sich: „Kann man von außen sehen, was innen vorgeht?“ Als Gastausstellerin hat sie Antonia Bauer eingeladen, die sich freut, erstmals einige ihrer farbenfrohen, abstrakten Gemälde zeigen zu dürfen. Ottilie Gaigl wiederum versucht, einen „Fundus an interessant befundenen Dingen in künstlerische Arbeiten umzuwandeln“ und hat dafür den Überbegriff „Sortierung und Enthortung“ gewählt. Ebenfalls in Gaigls Atelier anzutreffen sind Günter Zozmann und seine „Faceprints“ sowie die Goldschmiedin Frances D’Aintre mit ihren Schmuckstücken. Natalja Herdt öffnet erstmals ihr Atelier, sie stellt unter anderem ihre neue Serie „Kokons“ vor. Ebenfalls eine Premiere ist die Teilnahme von Natalie Cusimano, deren Bilder von Schrift und Natur inspiriert sind.

In Parsdorf lädt das Atelier von Ulrike Pfeiffer zu einem Besuch ein. Ihre Bilder speisen sich aus Erinnerungen, aus Geschichten über Vorfahren, und sollen sich an diesem Wochenende mit Holzskulpturen von Bernd Sedlmeier und expressiven Landschaften von Frauke Schreiner „zu einem Kraftfeld der Mythen“ ergänzen.
Gewissermaßen das Zentrum der Gruppe ist das „Atelier Osterfeld“ in Poing. Hier sind wieder Rosemarie Hingerl, Cornelia Propstmeier, Kornelia Boy und Inge Schmidt vertreten mit großformatiger Malerei und Skulpturen. Erstmals haben sich die vier Künstlerinnen außerdem einer Gemeinschaftsarbeit gewidmet, einer Collage zum Thema „Mode“. Als Gast kommt diesmal Bernhard Slawik hinzu. Er zeigt schlichte Objekte, die mit Erwartungen brechen, darunter ein schamloser Kühlschrank und ein Werk, das zurückschaut.
Kein Atelier, sondern das Rathaus dient in Anzing als Ausstellungsraum. Dort kann man die Werke von vier Künstlern bestaunen. Norbert Haberkorn präsentiert „Doc-Shot's“, also Zufallsaufnahmen, aus seinem langjährigen fotosoziologischen Projekt „S2_Life in Transit“. Peter Böhm setzt alltägliche Begriffe und Sinnsprüche in konkrete Formen um – und will so zeigen, „dass Denken süchtig machen kann“. Den Maler Georg Stahl faszinieren Wassermotive mit ihren Reflexionen sowie urbane Szenen in magischem Licht.
Last, but not least: Geplant war, dass Siegfried Horst aus Anlass seines 85. Geburtstags in sein Haus einlädt und dort eine große Auswahl seiner Arbeiten zeigt. Dies war ihm nicht vergönnt. Er starb Anfang April. Deswegen wird nun im Anzinger Rathaus eine kleine Retrospektive zu sehen sein.


