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Grundstück gefunden:Vaterstetten nimmt Flüchtlinge auf

Neben dem Wertstoffhof am Föhrenweg soll für bis zu 50 Asylbewerber eine neue Unterkunft entstehen. Bauen und betreiben wird sie der Landkreis

Die Vaterstettener Obdachlosenunterkunft am Föhrenweg. Ein Teil des schon ziemlich baufälligen Gebäudes wurde 2007 abgerissen. Als Ersatz soll am Föhrenweg nun eine neue Unterkunft entstehen.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Die Großgemeinde wird demnächst 40 bis 50 Asylbewerber aufnehmen. Am Donnerstag fasste der Gemeinderat dazu den entsprechenden Beschluss. Geplant ist, ein Grundstück beim Wertstoffhof im Föhrenweg an den Landkreis zu verpachten, dieser soll dort dann eine Unterkunft errichten und betreiben. Auch "für eine ausreichende soziale Betreuung dieser Einrichtung" soll der Pächter, also der Landkreis Sorge tragen.

Grund für die Verpachtung des Areals ist der Appell des Landratsamtes an die Gemeinden, Unterkünfte für Flüchtlinge bereitzustellen. Dies sei laut einer Stellungnahme der Verwaltung in Vaterstetten aber nur bedingt möglich. Denn man habe "derzeit keine Möglichkeit durch eigene Räumlichkeiten den Wünschen des Landratsamtes nachzukommen", so Verwaltungsleiterin Doris Laban. Alle gemeindeeigenen Wohnungen seien besetzt. Als Alternative bliebe nur, dem Landkreis Grundstücke zur Verfügung zu stellen, doch auch hier gelte es einige Voraussetzungen zu erfüllen. So müsse Baurecht bestehen, es soll erschlossen sein und, um eine Integration der künftigen Bewohner in das Gemeindeleben zu ermöglichen, sollte das Areal auch nicht zu weit außerhalb liegen. Alle diese Bedingungen seien nur beim Grundstück am Föhrenweg erfüllt.

Dort wurde bereits Anfang der 1990er Jahre eine Unterkunft für Asylbewerber gebaut. Die Gemeinde übernahm diese im Jahr 2000 von der Regierung von Oberbayern und nutzte das Gebäude seither als Obdachlosenunterkunft und als Lager für den Wertstoffhof. Ein Teil des schon ziemlich baufälligen Gebäudes wurde 2007 abgerissen, um Platz für den neuen Wertstoffhof zu schaffen, der Rest soll wenn möglich bald folgen. Denn in dem Gebäude sei "der Verfall schon so fortgeschritten" dass die weitere Nutzung als Unterkunft "nur noch bedingt zumutbar" ist. Als Ersatz soll am Föhrenweg nun eine ein- oder zweistöckige neue Unterkunft entstehen.

Der Gemeinderat stimmte der Verpachtung ohne Gegenstimmen und fast ohne Redebeiträge zu. Lediglich Manfred Schmidt (FBU) meldete sich zu Wort. Er werde zustimmen, weil er immer für eine Kooperation zwischen Landkreis und Gemeinden sei. Der Aufnahme von Flüchtlingen stehe er aber kritisch gegenüber, diese bedeute seiner Meinung nach "Zuwanderung in die Sozialsysteme." Schmidt forderte Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) auf, darauf zu drängen, dass "durch zügige Abschiebung Unberechtigter" das Platzangebot in den bestehenden Unterkünften wieder steige. "Da haben wir wenig Einfluss", entgegnete Reitsberger und verwies darauf, dass es in den 23 Jahren seit Bestehen der Unterkunft nie Probleme mit deren Bewohnern gegeben hätte.

Über den Pachtvertrag wird in einer der kommenden Sitzungen des Gemeinderates abgestimmt. Erste Details sind aber schon bekannt. So wünscht sich die Gemeinde, dass sie einen Teil der neuen Unterkunft weiterhin für die Beherbergung von Obdachlosen nutzen kann. Die Pachtdauer soll zehn Jahre betragen, danach würde das Gebäude an die Gemeinde übergehen. Statt der Zahlung eines Pachtzinses soll sich der Landkreis verpflichten, die Abriss- und Entsorgungskosten der bestehenden Unterkunft zu übernehmen.