Grundschule Poing:"Es gab sehr viele Tränen"

Grundschule Poing: Mit viel Hingabe haben die Kinder der Poinger Karl-Sittler-Grundschule ihre Pflanzbeete gepflegt. Unbekannte haben den Schulgarten nun völlig zerstört.

Mit viel Hingabe haben die Kinder der Poinger Karl-Sittler-Grundschule ihre Pflanzbeete gepflegt. Unbekannte haben den Schulgarten nun völlig zerstört.

(Foto: Christian Endt)

Der Schulgarten der Poinger Karl-Sittler-Schule wurde von Unbekannten völlig zerstört. Rektorin Verena Heigl zieht trotz allem ein positives Fazit

Interview von Johanna Feckl, Poing

Alles ist kaputt: Jedes einzelne Pflänzchen, das die Kinder der Poinger Karl-Sittler-Grundschule großgezogen haben, wurde von Unbekannten zerstört. Schulleiterin Verena Heigl erzählt im Gespräch mit der SZ von Fragen, die die Kinder seitdem nicht loslassen und warum sie trotz der Zerstörung ihres Herzensprojekt doch auch etwas Gutes erkennen können.

SZ: Frau Heigl, hat es denn viele Tränen bei den Kleinen gegeben, als sie ihr zerstörtes Werk gesehen haben?

Verena Heigl: Ja, es gab sehr große und sehr viele Tränen. Es war ein richtiger Schreckensmoment und die Bestürzung war groß - nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei uns Lehrkräften und den Eltern. Unser Schulgarten war und ist vor allem unser Projekt in Corona-Zeiten, das hält uns alle zusammen - es ist eine Herzenssache für die Kleinen. Sie haben überhaupt nicht verstanden, warum alles einfach nur zerstört wurde, denn die herausgerissenen Pflanzen und die Ernte wurde gar nicht mitgenommen. Warum muss man das dann kaputt machen? Diese Frage beschäftigt die Kinder immer noch sehr.

Was ist alles zerstört worden?

Wir hatten Karotten in den Beeten, die wurden allesamt herausgerissen, ebenso wie alle Erdbeersträucher. Die Tomatensträucher waren umgeknickt und kaputt, das Gewächshaus zerstört. Einige Beete waren schon vorbereitet, um das Wintergemüse einzupflanzen, dort war die Erde völlig zerwühlt und auf dem Boden verteilt. Von den Gießkannen waren auch einige kaputt.

Wer hat denn den Vandalismus entdeckt?

Eine Kollegin. Wir können sogar die Zeit, in der die Tat geschehen sein muss, gut eingrenzen: Ich habe an diesem Tag gegen halb sechs Uhr abends die Schule verlassen und meinen üblichen Rundgang gemacht, da war noch alles in Ordnung. Wenig später fand im Schulhaus ein Elterninformationsabend statt, die erste Kollegin war um viertel nach sechs da und hat auf der Abfahrt zur Tiefgarage hinunter die Gießkannen der Kinder gesehen. Eigentlich hängen sie dort an der Wand sauber nebeneinander, jetzt hatte sie jemand heruntergerissen und über die Abfahrt geschleudert.

Haben Sie das Chaos sofort beseitigt?

Nein, wir haben zunächst alles so liegen lassen, damit die Kinder das Ausmaß der Verwüstung auch sehen und verstehen können, was überhaupt passiert ist. Am nächsten Morgen hat sich auch das Kollegium getroffen und über den Vorfall gesprochen.

Gibt es Hinweise, wer das veranstaltet haben könnte?

Nein. Selbst vom Rathaus, das ja direkt gegenüber ist, hat niemand etwas mitbekommen. Aber ich habe gleich am nächsten Tag von einigen dort Bescheid bekommen, dass sie vermehrt ein Auge darauf haben werden. Und ich weiß, dass der Vorfall in vielen Familien Gesprächsthema war - alle sind nun sensibilisiert. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass vielleicht doch noch jemand kommt und etwas sagen kann, um die Geschichte aufzuklären - die Kinder fragen regelmäßig bei uns Lehrkräften nach, das lässt sie so schnell nicht los.

Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, was Sie tun würden, sollte sich der oder die Schuldige bei Ihnen melden?

Ich werde da niemanden an den Pranger stellen, das ist klar. Wir würden das in jedem Fall intern und vertrauensvoll klären.

Wie geht es nun weiter? Die zerstörten Pflanzen und Erde waren ja eine Spende von der Gärtnerei Böck aus Neufarn, Arbeitsmaterialien wie die Gießkannen gab es vom Förderverein der Schule ...

Ich habe am nächsten Tag die Gärtnerei Böck angerufen und erzählt, was passiert ist. Einen Tag später haben sie uns die Pflänzchen für unser Wintergemüse gebracht und wir konnten mit dem Wiederaufbau beginnen - dafür sind wir der Gärtnerei unglaublich dankbar. Das war auch das Schöne bei all dem Negativen: Nachdem der Vorfall bekannt wurde, stand mein Telefon nicht mehr still und ganz viele Menschen und Stiftungen haben uns ihre finanzielle Unterstützung angeboten, auch unser Bürgermeister Thomas Stark.

Das sind ja tolle Neuigkeiten für Ihre fleißigen kleinen Gärtnerinnen und Gärtner!

Auf jeden Fall. Wir alle sind glücklich damit, dass wir die Beete so schnell wieder herrichten konnten - wir brauchen das Gemüse schließlich für unsere Schulküche, wir kochen aus unserer Ernte immer gemeinsam etwas. Jetzt schauen wir erst einmal in Ruhe, was wir für das kommende Frühjahr noch bräuchten und werden dann auf diejenigen, die uns ihre Hilfe angeboten haben, zukommen. Für die Kleinen ist es jedenfalls schön zu sehen, dass unser Schulmotto tatsächlich funktioniert: Miteinander - Füreinander.

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