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Grüne in Pliening:Von Null auf Vier an einem Abend

Grünen-Gemeinderätin Gabriele Heigl hofft auf gute Zusammenarbeit über Fraktionsgrenzen hinweg.

(Foto: Christian Endt)

Der neu gegründete Ortsverband stellt auf Anhieb die zweitstärkste Fraktion mit vier Gemeinderätinnen

Gabriele Heigl, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit bei den Plieninger Grünen, kann es kaum erwarten, endlich loszulegen. Den Eindruck muss man gewinnen, wenn man in diesen Tagen mit ihr telefoniert. Im Corona-bedingten Home-Office allein zu Hause zu sitzen, findet die Diplom-Journalistin an sich schon wenig erbaulich, wie sich heraushören lässt. Aber nach dem großen Erfolg, den der Ortsverband bei den Kommunalwahlen verbuchen konnte, kann sie es erst recht kaum erwarten, mit der politischen Arbeit in der Gemeinde zu beginnen. "Wir hatten eigentlich vor, uns mit den anderen Fraktionen zusammen zu setzen, aber das muss ja jetzt erst mal warten."

Keiner, der in Pliening mit dem politischen Geschehen befasst ist, hatte ja bezweifelt, dass die Grünen den Sprung in den Gemeinderat schaffen würden. Dass der vor einem Jahr gegründete Ortsverband aber nun gleich vier Vertreter ins Gremium entsenden kann, war vielleicht doch eine kleine Überraschung. Am Abend der Wahl habe es nach Auszählung von drei Bezirken sogar kurz so ausgesehen, als würden es fünf Gemeinderäte werden, berichtet Heigl. Doch auch so sei die Begeisterung groß gewesen.

Als zweitstärkste Fraktion hinter der CSU (acht Sitze plus Bürgermeister) werden die Grünen vom 1. Mai an die Geschicke der Gemeinde mitbestimmen - und auch einen der stellvertretenden Bürgermeisterposten beanspruchen. "Wenn wir keinen bekämen, würden das die Plieningerinnen und Plieninger sicher nicht nachvollziehen können." Mit ihrem Ergebnis haben die Grünen nicht nur altbekannte lokale Gruppierungen wie die Initiative für Pliening (drei Sitze), das Neue Forum (zwei Sitze) und die Wählergruppe Gelting (ein Sitz) hinter sich gelassen, sondern auch die SPD/Parteifreien mit nur noch zwei von bisher fünf Sitzen. Und in einem weiteren Punkt haben die Grünen jetzt schon dazu beigetragen, den Gemeinderat quasi zu revolutionieren: In Person von Margrit Pricha, Brigitte Freund, Tina Lucka und Gabriele Heigl entsendet der Ortsverband gleich vier Frauen in das Gremium. Zusammen mit den beiden Vertreterinnen von der Initiative für Pliening, Doris Löffler und Beatrice Merk, Eva Strauss von SPD/Parteifreien sowie den drei CSU-Gemeinderätinnen Angelika Diefenthaler, Anni Wachinger und Verena Heigl sind somit zehn Frauen im Gemeinderat und zehn Männer. Dazu kommt Bürgermeister Roland Frick (CSU) als 21. Stimme.

"Das hat uns wahnsinnig gefreut", sagt Gabriele Heigl - die mit der CSU-Gemeinderätin gleichen Nachnamens nicht verwandt ist -, "dass durch unsere vier gewählten Frauen die Parität erreicht wurde, das ist einzigartig im Kreis, glaube ich." Sie wünsche sich sehr, dass es zu einer guten interfraktionellen Zusammenarbeit der Gemeinderätinnen kommt, "wir sind sehr offen dafür und würden uns freuen."

Der große Zuspruch, den sie und ihre Mitstreiter beim Wahlgang erfahren haben, habe sich schon im Wahlkampf - der an Infoständen, an den Haustüren und auch in den sozialen Medien geführt wurde - abgezeichnet. Eine größere Bevölkerungsgruppe habe sich offensichtlich bisher in der politischen Landschaft der Gemeinde nicht vertreten gefühlt. Grünenmitglieder und - Wähler wie sie selbst - "ich wähle grün seit es grün gibt" - hätten sich denn auch bei der Gründung des Ortsverbands relativ leicht zusammengefunden, erzählt sie, darunter langjährige Parteimitglieder wie Margrit Pricha, die auch Grünen-Kreissprecherin ist, und Konrad Weinstock-Adorno, der sich als Sprecher der Flüchtlingshelfer in Pliening einen Namen gemacht hat. "Und dann hat sich eine Eigendynamik entwickelt."

Was die künftige Arbeit im Gemeinderat angehe, vertraue sie darauf, dass es "ja allen um dieselbe Sache, also um ein lebenswertes Pliening" gehe. Natürlich sage es etwas aus, wenn man bei den Grünen sei, aber sie sei, wie viele in der Kommunalpolitik Engagierte der Meinung, dass hier die Parteizugehörigkeit keine zu große Rolle spiele. Was nicht heiße, dass die neue Fraktion nach einer nicht allzu langen Anlaufzeit, in der man die Abläufe und Prozesse kennen lernen müsse, nicht ihre eigenen Themen wie etwa Mobilität, Klimaschutz, den Ausbau des ÖPNV und sicherer Radwege, Nachhaltigkeit oder Alternative Energien angehen wolle. "Was mir Hoffnung macht, ist, dass sich alle Fraktionen im Wahlkampf das Thema Umwelt auf die Fahnen geschrieben haben." Die Gemeinde habe ja "erste Schritte getan", aber wir wollen noch mehr Gewicht auf das Thema legen."

© SZ vom 14.04.2020

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