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Großevent in München:Menschen zusammenbringen

Mehr als 450 Referentinnen und Referenten werden am 10. und 11. Oktober nach München kommen, wo Natascha Hoffner eine Karrieremesse für Frauen organisiert.

(Foto: Claus Schunk)

Natascha Hoffner organisiert jährlich eine Karrieremesse für Frauen - mit großem Erfolg

Ihre Augen leuchten. Der Enthusiasmus ist greifbar. Wenn Natascha Hoffner über ihre Messe "her-career" spricht, könnte man den Eindruck gewinnen, sie wolle einen von der Idee überzeugen: Eine Karrieremesse für Frauen. Ein Ort, an dem sie Tausende Menschen zusammenbringt. Man greift sich gegenseitig unter die Arme und hilft sich. "Ich will Frauen ermutigen. Sie sollen sich in Bezug auf ihre Karriere etwas trauen", schwärmt die 39-Jährige. Sie strahlt diese Energie aus, von Menschen, die von etwas überzeugt sind und andere damit anstecken wollen. Dabei muss sie niemanden mehr von der Messe überzeugen. Der Erfolg gibt ihr recht.

Im Jahr 2015 wurde die Messe das erste Mal veranstaltet. In dieser Zeit hat sich die Zahl der Besucherinnen und Besucher mehr als verdreifacht. "Im ersten Jahr nahmen 1900 Leute an unserer Messe teil. Dieses Jahr erwarten wir 6000 Besucherinnen", erzählt die Parsdorferin stolz. Hoffner war 35 Jahre alt, als sie das Unternehmen "messe.rocks" gründete. Noch im selben Jahr realisierte sie die Karrieremesse. Doch nicht alle, denen sie von dem Vorhaben erzählte, leuchtete ihr Plan ein. Immer wieder sei sie gefragt worden, weshalb eine Karrieremesse für Frauen notwendig sei und warum sie sich diese Nische ausgesucht habe. Mit einem Lächeln auf den Lippen antwortet sie: "Es ist eine ziemlich große Nische, wenn die Hälfte der Bevölkerung dazugehört."

Mehr als 450 Referentinnen und Referenten kommen am 10. und 11. Oktober nach München zur Messe. Hoffner konnte vor allem erfolgreiche Frauen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik als Vortragende gewinnen. Auch die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Kerstin Schreyer (CSU), wird am ersten Messeabend anzutreffen sein. Bei den Vorträgen und sogenannten Meet-Ups soll es vor allem darum gehen, Studentinnen, Absolventinnen und Gründerinnen von Start-Ups mit Unternehmen aller Art und "weiblichen Rolemodels" in Kontakt zu bringen.

Ein Selbstläufer sei die Unternehmensgründung aber nicht gewesen, wie Natascha Hoffner erklärt. Vor allem die anfängliche Finanzierung habe sie damals bis an die österreichische Grenze getrieben. "Ich hatte zwar ein eigenes Startkapital, aber ich war dennoch auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um unteranderem die Location, Mitarbeiter, Dienstleister und das Marketing zu bezahlen." Die Suche nach einem geeigneten Partner entpuppte sich aber als schwierig. Schließlich konnte sie die Sparkasse München-Starnberg-Ebersberg von ihrem Vorhaben überzeugen.

Die wichtigste Unterstützung habe die 39-Jährige aber von ihrem Mann Michael erhalten. "Als ich die Messegesellschaft gegründet habe, war mein zweites Kind Emma gerade einmal ein paar Monate alt. Mein Mann hat mir zuhause viel Arbeit abgenommen, um das zu ermöglichen", erzählt sie. Leicht sei es für die Familie nicht immer gewesen. Bevor sich Hoffner in München selbständig machte, arbeitete sie als Geschäftsführerin in einem anderen großen Messeunternehmen in Mannheim - vierhundert Kilometer entfernt von ihrem Mann und ihrem ersten Kind Maximilian. Zwei Jahre pendelte sie zwischen ihrer Familie und ihrem Job hin und her. Den Beruf zu wechseln kam für sie dabei nicht in Frage. Schon früh habe sie sich immer für Partys und Events verantwortlich gefühlt: "Das Messegeschäft ist einfach genau das, was ich machen will."

Natascha Hoffner merkt man an, dass sie alles unter Kontrolle zu haben scheint - ob es dabei um Michael, Maximilian und Emma oder ihr Unternehmen "messe.rocks" geht, spielt keine Rolle. Den Ehrgeiz und die Kraft habe sie vor allem von ihrer Mutter. "Sie hat uns - also mich und meine drei Geschwister - allein großgezogen. Wir haben ihr so viel zu verdanken", erzählt sie. Es ist das erste Mal, dass ihre Stimme brüchig wird. "Sie hat uns Unabhängigkeit und Selbstständigkeit mit auf den Weg gegeben."

Alleine ihre Leidenschaft dafür, Menschen zusammenzubringen und zu ermutigen, macht ihre Stärke aus. Denn wie eine andere starke Frau einmal gesagt hat, Michelle Obama bei einer Wahlkampfrede: "Starke Menschen helfen anderen. Wirklich starke Menschen bringen andere zusammen."

© SZ vom 05.10.2019
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