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Großer Erfolg:Ebersberger führt bayerische Grüne an

Landesdelegiertenkonferenz der bayerischen GRÜNEN 17.04.2021 Augsburg Parteitag von der Partei Bündnis 90 / Die Grünen

Für "krisenfeste Politik mit Weitblick" will Thomas von Sarnowski als Chef der bayerischen Grünen stehen.

(Foto: Imago)

Thomas von Sarnowski wird zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Kreisrat will er dennoch bleiben

Von Anja Blum, Ebersberg

Thomas von Sarnowski aus Ebersberg ist zum neuen Chef der bayerischen Grünen gewählt worden. Beim Landesparteitag am Samstag setzte er sich mit überwältigender Mehrheit der Delegiertenstimmen (87,9 Prozent) gegen seinen Mitbewerber Hajü Hödl aus Niederbayern durch. Von Sarnowski, 33 Jahre jung, wird den Landesverband künftig im Duo mit der Landtagsabgeordneten Eva Lettenbauer führen. Sein Engagement als Kreisrat in Ebersberg will der frisch gekürte Parteivorsitzende trotzdem weiterführen: Die Kommunalpolitik mit ihrer direkten Wirksamkeit sei viel zu schön und zu wichtig, um sie aufzugeben.

"Die Menschen in Bayern setzen auf uns Grüne, unsere Ideen und unseren Willen zur entschiedenen Umsetzung, wenn es um Klimaschutz, Artenvielfalt und eine offene, vielfältige, soziale und demokratische Gesellschaft geht", so Thomas von Sarnowksi. Die Menschen wüssten: "Wir Grüne denken auch über die Corona-Krise hinaus. Wir machen krisenfeste Politik mit Weitblick." Denn gegen die Klimakrise gebe es keinen Impfstoff, gegen die Klimakrise wirke nur grüne Politik. Zusammen mit Eva Lettenbauer will von Sarnowski seine Partei in einen Bundestagswahlkampf führen, "wie wir ihn noch nicht gesehen haben - für eine grün geführte Regierung. Denn jetzt ist die Zeit fürs Machen." Auch seine Kollegin gibt sich kämpferisch: "Heute beginnt ein ganz neues Kapitel in der Geschichte der bayerischen Grünen: Thomas und ich sind das jüngste Vorsitzenden-Duo der Parteigeschichte. Wir werden leidenschaftlich mit allen Menschen über Zukunftsideen für Bayern sprechen."

Thomas von Sarnowskis politische Kernthemen sind Klimaschutz, Digitales und Mobilität. So kämpft er zum Beispiel dafür, das Fahrrad als sicheres und praktikables Verkehrsmittel in ganz Bayern zu ermöglichen. In seiner Heimat liegt dem Ebersberger derzeit vor allem das Thema Windkraft am Herzen, sprich: die umstrittene Anlage im Ebersberger Forst. Mit Blick auf den Bürgerentscheid am 16. Mai hoffe er "auf eine verantwortungsvolle Entscheidung für den Klimaschutz".

Obwohl von Sarnowski vergleichsweise jung ist: An politischer Erfahrung mangelt es dem 33-Jährigen nicht. Im Landkreis ist er seit mehr als 18 Jahren politisch aktiv, zuerst als Sprecher der Grünen Jugend, dann des Kreisverbands. 2018 kandidierte er für den Landtag: Zwar lag er dabei deutlich hinter Thomas Huber von der CSU, erreichte aber mit 21,09 Prozent ein Rekordergebnis für die Grünen in Ebersberg. Seit 2019 ist von Sarnowski Mitglied im Landesausschuss und seit 2020 Kreisrat.

Schon als Jugendlicher war er zur Politik gekommen, aus Ärger über die Südumfahrung durch das Laufinger Moos. Auch die Arroganz der Macht aufseiten der CSU sei für ihn ein Antrieb gewesen. Dass Lokalpolitik wirke, erwähnte Sarnowski nun auch in seiner Bewerbung um den Parteivorsitz - das habe zuletzt ein Straßenneubau bei ihm in Ebersberg gezeigt: Eine 300 Jahre alten Eiche sollte weichen, doch es gab lauten Protest. Wenn er jetzt daran vorbei radele, "steht die Eiche da, wo sie immer stand", die Straße mache einen Bogen um den Baum. "Das freut mich narrisch."

Seine beruflichen Aufgaben als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Münchner Bundestagsabgeordneten Dieter Janecek und als Geschäftsführer der oberbayerischen Grünen wird Thomas von Sarnowski nun übrigens aufgeben. "Der Parteivorsitz ist ein Full-Time-Job, in den ich mich voll und ganz einbringen will."

© SZ vom 19.04.2021
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