Süddeutsche Zeitung

Große Ehre für Kirchseeoner Gymnasiasten:Mit Spätantike ganz vorne dabei

Der Ebersberger Leo Hesse erhält den Preis des Bayerischen Clubs für seine Seminararbeit über die Landesgeschichte

"Bayern zwischen Spätantike und Frühmittelalter. Zur Frage der Kontinuität zwischen Bayern und Bajuwaren." Diesen Titel trägt die Seminararbeit, die Leo Hesse, Abiturient des Kirchseeoner Gymnasiums, nun stolze 750 Euro eingebracht hat. Zum 20. Mal zeichnete der Bayerische Club Abiturientinnen und Abiturienten mit dem Preis zur Förderung der bayerischen Kultur für herausragende schriftliche Seminararbeiten aus. Leo Hesse war einer der Preisträger.

Mit einer Archäologin als Mutter wurde der Ebersberger bereits in seiner Kindheit mit antiken Themen vertraut gemacht und nutzte die Gelegenheit, um sich unter anderem die aufwendige Quellensuche zu ersparen. Das meiste Wissen, das er in seiner Arbeit zu Papier brachte, habe er in den Büchern seiner Eltern recherchiert. Zusätzlich "koche" das Thema seiner Seminararbeit "in letzter Zeit in der Forschung wieder hoch", sagt Hesse. Auf der einen Seite ein Vorteil, denn er habe sich zusätzlich auch in Fachzeitschriften informieren können und sich nicht nur mit uralten Quellen befassen müssen. Auf der anderen Seite aber auch ein Nachteil, da sich Wissenschaftler in der topaktuellen Literatur oft widersprächen.

In seiner Arbeit beschäftigte sich der Abiturient mit der Entwicklung Bayerns, der Infrastruktur, Kultur und Wissenskontinuität, vom dritten bis sechsten Jahrhundert. Der erste Teil der Arbeit ist ein Bericht über Bayern als ehemalige römische Provinz. Hesse beschäftigte sich damit, die Wurzeln der Spätantike sowie Hinterlassenschaften der Römer zu erforschen. Das vierte und fünfte Jahrhundert beschreibt er als Grauzone, da es aus dieser Zeit kaum Geschichtszeugnisse gebe. Anhand von nur drei Quellen habe er herausfinden müssen, was in dem Zeitalter in Bayern passierte und unter welchen Volksstämmen Bayern geführt wurde. Im letzten Teil der Arbeit erklärt er abschließend, wie Bayern in der darauffolgenden Zeit verschiedenen Herrschaften unterlag, bis die Bajuwaren Mitte des sechsten Jahrhunderts entstanden.

Das Leitfach des Seminars, Latein, belegte der 18-Jährige, der inzwischen studiert, von der sechsten Klasse an. Hauptsächlich, um der Sprache Französisch zu entgehen, aber auch, weil er das Latinum für sein Studium braucht. Als phasenweise großer Leser beschäftigte sich Hesse in seiner Kindheit mit Geschichtswissen, hauptsächlich in Bezug auf die Antike und ein bisschen Mittelalter. Er beschreibt sich selbst aber eher als naturwissenschaftlichen Typ, der nun auch nicht Geschichte, sondern molekulare Medizin studiert. Ausschlaggebend für sein Seminar sei aber nicht das Fach Latein gewesen, sondern sowohl der Lehrer, als auch die möglichen Themen der Seminararbeiten, für die er sich interessierte.

Die Lehrerwahl kam Hesse später zugute. Anfangs habe er ein wenig unter Druck gestanden, die vielen Aufgaben des Lehrers zu erfüllen, doch später habe ihm die bereits fertige Gliederung der Arbeit das Schreiben enorm erleichtert. Ganz so einfach wie er sich das vorgestellt hatte, sei das Verfassen der Seminararbeit dann jedoch nicht gelaufen. Hesses Lehrer habe seine Schüler zwar gut vorbereitet, allerdings hätten sich für den Themenschwerpunkt der Arbeit nur drei Quellen gefunden, mit denen der größte Teil der 15 Seiten mit ausreichend lateinischen Quellen gefüllt werden musste. Ein weiteres Problem war, dass Hesse gerne mehr ins Detail gegangen wäre und die Fakten ausführlicher beschrieben, den Themenschwerpunkt dann jedoch verfehlt hätte. Doch seine Mühe wurde belohnt. Mit voller Punktzahl sowohl im Vortrag der Arbeit, als auch in der Arbeit selbst, hat Hesses Seminararbeit zu den besten der Schule gezählt und wurde daraufhin eingeschickt. Bei der Zeugnisverleihung hat der Abiturient dann von seinem Gewinn erfahren und zählt nun zu den sieben Preisträgern der Bezirke Bayerns.

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Quelle:
SZ vom 19.10.2019
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