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Sicherheit:Auf dem Grafinger Volksfest gibt es dieses Jahr Hausverbote

Oktoberfest 2017

Ähnliche Bilder wie hier in München findet man bisweilen auch am Rande des Grafinger Volksfestes.

(Foto: dpa)

Erst saufen, dann raufen? Bevor es am Freitag los geht, kündigen Stadt und Polizei härtere Maßnahmen an.

Von Heloise Olufs, Grafing

Es sind Nachrichten und Bilder, die nicht nur den Besuchern des Grandauer Volksfestes vertraut sind: Prügeleien zwischen betrunkenen Jugendlichen und Minderjährige, die kaum noch aufrecht stehen können und von der Polizei nach Hause gebracht werden müssen. Genervte Nachbarn, die die Zeichen übermäßigen Alkoholkonsums in ihren Vorgärten wieder finden. Passanten, die sich über Bierleichen in der Botanik ärgern.

An diesem Freitag geht es wieder los, das Grafinger Volksfest. Um die meist alkoholbedingten Auswüchse rund um die Festwiese trocken zu legen, hat sich die Stadt Grafing einen Maßnahmenkatalog überlegt, den Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) auf einer Pressekonferenz vorstellte.

In den vergangenen Jahren sei das Volksfest immer wieder in die Kritik geraten, sagte Obermayr. Insbesondere deshalb, weil der Alkoholmissbrauch von Jugendlichen Ausmaße angenommen habe, gegen die die Stadt schon seit Längerem vorgehe, so auch in diesem Jahr während der Volksfestzeit von Freitag, 4. bis Dienstag, 15. Mai. Für Volksfestbesucher bedeutet das, dass es neben den ohnehin geltenden Regelungen des Jugendschutzes, die erst 18-Jährigen den Konsum von hochprozentigem Alkohol erlauben, in diesem Jahr wieder eine alkoholfreie Zone für Besucher jedweden Alters geben wird.

Aufbau Volksfest Grafing

Es ist angerichtet: Karl Agtsch, Inhaber des Fahrgeschäftes "Tropical Trip", nimmt die letzten Reparaturen an der Beleuchtung vor, damit zum Volksfestbeginn am Freitagabend alles schön glitzert.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Rund um das Festgelände vom Marktplatz über die Bahnhofstraße, den Bahnhofsplatz, die Jahnstraße, den Platz um das Gymnasium und einigen Grünstreifen ist der Konsum von Alkohol verboten. Diese Zone soll Obermayr zufolge verhindern, dass sich junge Leute zu kleinen "Park-Partys" verabreden, also den Volksfestbesuch feuchtfröhlich einleiten oder ausklingen lassen. Der Fokus des Sicherheitsdienstes könne sich dann vermehrt auf die Festwiese richten.

Die Bürgermeisterin sagt: Es soll "flüssig vonstatten gehen"

Neu ist, dass in diesem Jahr erstmals Betretungsverbote gegen einzelne Personen ausgesprochen werden sollen. Wer auf der Grafinger Wiesn Hausverbot erhält, wird die Polizei entscheiden. Man richte das Augenmerk auf Personen, die voriges Jahr auffällig gewesen seien, darunter mehrere junge Erwachsene sowie ein Jugendlicher. Die Polizei wird außerdem wie auf dem Oktoberfest eine Art Wiesn-Wache einrichten. Obermayr sagt, dass die Beamten mit Räumlichkeiten ausgestatten würden, damit die "Regelung vor Ort flüssig vonstatten gehen kann".

Des Weiteren werden Polizisten sowie Mitarbeiter des DB-Sicherheitsdienstes die S-Bahnlinien vier und sechs kontrollieren, um dem möglichen "Vorglühen" von Jugendlichen entgegenzuwirken. Dies sei laut Obermayr ohnehin das größte Problem: das heimliche Trinken von Alkohol vor dem Fest, sodass die Besucher schon betrunken ankämen. Unterstützt wird die Sicherheitsarbeit von einem weiteren Dienst, der Taschenkontrollen am Eingang zur Festwiese vornehmen und jedes alkoholische Getränk einsammeln werde. Das Alter des Trägers ist dabei unwichtig.

Um auch präventiv Maßnahmen in Vorbereitung auf das Fest zu treffen, werden jeweils ein Brief der Bürgermeisterin sowie ein Flyer der Caritas 587 Familien in der Stadt zugestellt. Die Kinder der betroffenen Familien sind im Alter von 14 bis 17 Jahren und seien damit den direkten Gefahren und Verführungen des Alkohols ausgeliefert, sagte Markus Weißmüller, Leiter des Referats zur Öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Grafing. Außerdem sei eine Sozialarbeiterin in den neunten Klassen zu Besuch gewesen und habe Aufklärungsarbeit geleistet.

Ein Container mit kostenloser Brotzeit und alkoholfreien Drinks

Dass das "Grenzenausloten das Vorrecht der Jugend" sei, weiß Ibrahim Al-Kass, Jugendpfleger in der Stadt, sehr genau. "Wir wollen keine Spaßbremsen sein", stimmte die Bürgermeisterin ihm zu, "wir appellieren lediglich an die Vernunft der Jugendlichen und die Verantwortung der Eltern."

Darüber hinaus wird Al-Kass mithilfe der Caritas, dem Kreisjugendamt und der Jugendpflege Vaterstetten, Aßling und Kirchseeon an drei Tagen des Volksfestes vertreten sein. Die Stadt Grafing wird dafür einen Container aufstellen. Dort können sich die Jugendlichen bei kostenlosen alkoholfreien Getränken und einer kleinen Brotzeit über Alkohol, seine Auswirkungen und Folgen informieren. Außerdem können die Jugendlichen, wenn sie wollen, im Container einen Promilletest machen.

Der Container werde direkt am Eingang (Zugang Stadtmitte), hinter den Sicherheitskontrollen stehen. Das Ganze hat laut Al-Kass einen freundschaftlichen Hintergrund und Kontext: "Die Security, die den Alkohol einsammeln wird, ist der Buhmann, der Container dagegen ein positiver Ort. Hoffentlich dringen wir so zu den Jugendlichen durch."

© SZ vom 03.05.2018/koei
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