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Coronakrise im Kreis Ebersberg:Grafinger Volksfest für 2020 abgesagt

Steinheben, Stoaheb'n Volksfest Grafing

Auf Stimmung im Festzelt werden die Grafinger heuer verzichten müssen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Wegen der Pandemie fallen im Landkreis Ebersberg Traditionsveranstaltungen und Straßenfeste aus. Auch in der Kreisstadt, in Poing und in Vaterstetten.

Von Thorsten Rienth, Anja Blum und Barbara Mooser

In normalen Jahren haben die Ebersberger im Sommer die Qual der Wahl: Volksfeste, Straßenfeste, Konzerte - irgendwas ist immer los. Doch normal ist in diesem Jahr gar nichts, und auch der Sommer wird deutlich stiller als sonst: Noch sind zwar nicht alle Volksfeste in dieser Saison abgesagt, aber die Perspektiven stehen schlecht nach der Ankündigung, dass Großveranstaltungen bis Ende August verboten sind. Beim Grafinger Volksfest - das am 15. Mai beginnen sollte und üblicherweise den Reigen der Traditionsfeste im Landkreis Ebersberg eröffnet - ist die Absage seit Donnerstag bereits fix.

"Mit Bedauern geben wir, die Stadt Grafing, der Festwirt Anton Kainz und der Bräu, Gregor Schlederer, bekannt, dass das Grafinger Volksfest 2020 leider ausfallen muss", berichtete Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) am Donnerstagnachmittag per Pressemitteilung. Kurz zuvor hatte Schlederer im SZ-Gespräch noch so etwas wie Resthoffnung gehegt: "Es sieht nicht gut aus, aber wir entscheiden am Montag." Dass dann doch alles ganz schnell ging, lag wohl mit an der Deutlichkeit der freistaatlichen Allgemeinverfügung, die im Tagesverlauf zirkulierte: Großveranstaltungen sind demnach bis Ende August verboten - und Volksfeste fallen in eben diese Kategorie.

"Auch wenn uns die Absage sehr leid tut, befürworten wir uneingeschränkt die Strategie der Bayerischen Staatsregierung", heißt es in der Mitteilung weiter. "Diese weitreichenden Distanzregelungen sind die einzige Möglichkeit, die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus zu bremsen." Das Schreiben schließt mit dem Satz: "Wir freuen uns auf das Volksfest 2021!" Damit ist auch gleich die Diskussion vom Tisch, ob nicht vielleicht im Herbst ein Ersatztermin gefunden werden könnte. Diese Hoffnung jedenfalls hatte in den vergangenen Tagen unter Volksfestfreunden, örtlichen Gewerbevertretern und Lokalpolitikern die Runde gemacht.

In anderen Gemeinden hat man die Festplanung 2020 zwar noch nicht offiziell zu den Akten gelegt, aber tatsächlich rechnet noch kaum einer damit, dass in absehbarer Zeit die Menschen fröhlich unterm weiß-blauen Bierzelthimmel feiern werden. Man habe sich selbst für die Entscheidung zum Poinger Volksfest, das vom 10. bis zum 19. Juni geplant war, eigentlich noch ein paar Tage Zeit geben wollen, sagt der Poinger Bürgermeister Albert Hingerl, aber nach der Ankündigung vom Mittwochabend sehe es nicht so aus, als gäbe es tatsächlich irgend etwas zu entscheiden. Der nun eingeschlagene Kurs sei "sehr nachvollziehbar", aber natürlich sei alles auch sehr bedauerlich.

Bereits jetzt die Reißleine gezogen haben auch die Organisatoren des Poinger Straßenfestivals. Die beliebte Veranstaltung mit Livemusik und Showeinlagen auf drei Bühnen hätte heuer am Samstag, 27. Juni, stattfinden sollen - es wäre die 20. Ausgabe und damit ein kleines Jubiläum gewesen. Doch darauf wird Poing nun verzichten müssen. "Wir sind zwar traurig, dass die ganze Vorbereitungsarbeit vergeblich war", schreiben die Organisatoren rund um Peter Keegan, aber "oberste Priorität hat weiterhin die Fürsorge für alle Menschen".

Auch in Vaterstetten ist am Donnerstagnachmittag die Entscheidung gefallen: Nach einer Krisensitzung mit allen Beteiligten habe man sich dafür entschieden, sowohl das Volksfest, das vom 10. bis 16. Juni geplant war, als auch das Straßenfest Mitte Juli abzusagen, erläutert der Zweite Bürgermeister Martin Wagner. "Das ist zwar schade, aber alles andere macht keinen Sinn", sagt er. Die Vorgaben vom bayerischen Kabinett seien sehr klar, so Wagner, er selbst könne sich einen Bierzeltbesuch unter den momentanen Bedingungen auch gar nicht vorstellten: dicht gedrängt an einem Biertisch, auch zum Gegenüber nicht einmal einen Meter Abstand.

In Hohenlinden war bisher geplant, dass Bürgermeister Ludwig Maurer am 10. Juni das erste Fass Festbier anzapft und dann bis 16. Juni gefeiert wird. Ob das auch tatsächlich passiert, wird laut Anton Speckmaier, dem Vorsitzenden der Feuerwehr, die das Fest traditionell organisiert, in den nächsten zwei Wochen entschieden, doch allzu optimistisch ist auch Speckmaier nicht. Man müsse sich nun erst einmal die Definition, was als Großveranstaltung zu gelten habe, genauer anschauen, sagt er, momentan sei die Ankündigung noch zu frisch, um eine endgültige Aussage treffen zu können.

Der Abschluss der Volksfestsaison wird traditionell in der Kreisstadt gefeiert, vom 7. bis zum 17. August sollte in diesem Jahr auf dem Festplatz gefeiert werden. 16 Wochen sind es noch bis dahin; Entscheidungen sind hier also deutlich weniger eilig als in anderen Gemeinden. Doch auch hier wollen sich die Mitglieder des Volksfestvereins mit allen anderen Beteiligten in den nächsten Tagen zusammensetzen und darüber sprechen, wie man weiter vorgeht, heißt es von der Stadt Ebersberg.

Wie es mit den vielen kulturellen Veranstaltungen im Landkreis weitergeht, wird sich wohl erst im Laufe der kommenden Wochen zeigen. Zu den sommerlichen Highlights im Kalender des Landkreises gehört auf jeden Fall das Kulturfeuer, ein Festival in Ebersberg, das wegen des großen Aufwands ohnehin nur alle zwei Jahre stattfindet. 2020 soll es von 15. bis 26. Juli neben Karibikflair und Musik im Klosterbauhof wieder ein Feuerwerk an Veranstaltungen mit Kabarett, Konzerten, Theater und Artistik im Alten Speicher bieten. Doch ob das alles möglich sein wird, kann momentan noch niemand sagen. "Ich bin pessimistisch - habe aber noch nicht aufgegeben", sagt Markus Bachmeier, Chef des Teams von Altem Kino und Altem Speicher. Zu den Großveranstaltungen mit mehr als tausend Besuchern zähle das Kulturfeuer schließlich nicht. Außerdem finde ein Großteil des Festivals unter freiem Himmel statt, so dass man möglicherweise nur auf die Abende im Saal verzichten müsse. Fest steht aber: Fällt das Kulturfeuer der Corona-Pandemie zum Opfer, wird es finanziell eng für die Ebersberger Veranstalter, die längst Kurzarbeit beantragt haben und an alternativen Konzepten arbeiten, "um irgendwie trotzdem zu überleben", wie Bachmeier sagt. Die Plakate für das Festival jedenfalls wird er nicht so bald drucken lassen.

© SZ vom 17.04.2020
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