Jean Poillou kannte sich gut aus in der Stadt. Über Jahre hatten die Grafinger den französischen NS-Zwangsarbeiter zu allerlei Hilfsarbeiten gezwungen. Zum Beispiel musste er ein Alkohollager im Wildkeller, dem heutigen Kegelkeller in der Lederergasse, zumauern. Am 2. Mai 1945, einen Tag, nachdem die Amerikaner das Dorf mit Ausnahme eines wohl verirrten Granateneinschlags im Garten der Villa Bavaria in der Münchner Straße kampflos unter ihre Kontrolle gebracht hatten, teilte Poillou das Geheimnis vom versteckten Alkohollager. Es sprach sich herum wie ein Lauffeuer. Im Heckerkeller in der Rotter Straße gab es ebenfalls ein Depot. Auch davon konnte Poillou erzählen.
Grafinger GeneralbesäufnisDer Tag, an dem sich nach dem Krieg alle besoffen
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Erst brach jemand die eingemauerten Schnaps- und Weindepots auf, dann gaben sich Sieger und Besiegte, Befreier und Befreite kollektiv die Kante: Der 2. Mai 1945 geht als Grafinger Generalbesäufnis in die Geschichte ein. Nicht alle überlebten den Tag.
Von Thorsten Rienth, Grafing

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