Menschen, die sich viel mit Worten beschäftigen, womöglich damit sogar ihr Geld verdienen, wird oft nachgesagt, dass sie es auf der anderen Seite mit Zahlen weniger haben. Was für ein Glück für die Kinder und Jugendlichen im Landkreis Ebersberg, dass Michael Skasa da eine Ausnahme zu sein scheint: Der Grafinger Journalist und Autor hat sein Geld gut angelegt, mit Aktien ein glückliches Händchen bewiesen, und will nun, mit 84 Jahren, andere an seinem Vermögen teilhaben lassen: Im Dezember wurde die Skasa-Stiftung gegründet, bald kann sie ihre Arbeit aufnehmen.
Gefördert werden können vielfältige Aktivitäten in Grafing und im ganzen Landkreis: soziokulturelle Projekte und Institutionen, aber auch Anschaffungen von Büchern, Noten oder Instrumenten. Den Schwerpunkt sieht Skasa im kulturellen Bereich und in gemeinschaftsstiftenden Aktionen. Vor allem die Jugend soll profitieren, doch auch Menschen mit wenig Geld können laut Satzung gefördert werden, wie der Stifter zuletzt bei einem Pressegespräch im Grafinger Rathaus erläuterte.
Viele Jahrzehnte lebte und arbeitete Skasa in München – Hörerinnen und Hörer werden sich insbesondere an seine beliebte „Sonntagsbeilage“ beim Bayerischen Rundfunk erinnern –, doch die Verbindung nach Grafing blieb eng. Hier verlebte Skasa eine schöne, freie Kindheit, auch wenn in der Nachkriegszeit das Geld knapp war und die Mutter laut Skasa regelmäßig auf Betteltour zu den Bauern in der Umgebung gehen musste.
Später zog es Michael Skasa in die Welt hinaus, erst mit einem Schrott-Fahrrad, dann per Anhalter. Rotterdam, Paris, Barcelona und Edinburgh lernte er auf diese Weise als junger Mensch kennen – und wahrscheinlich wurde Skasa auf diesen Reisen zu dem Menschenfreund, der er heute ist. Damals habe sich jedenfalls in ihm der – vielleicht falsche – Eindruck verfestigt, „dass die Menschen überall wunderbar sind, oder doch sein könnten“, so beschreibt er es selbst.
Seit zwei Jahren lebt Skasa wieder in Grafing in seinem Elternhaus, das nach seinem Tod ebenso zum Stiftungsvermögen gehören wird wie zwei Münchner Wohnungen und ein Aktienpaket in erheblichem Wert – momentan käme es laut Skasa wohl auf etwa 1,7 Millionen Euro. Die Mieteinnahmen und die Erträge aus der Geldanlage werden die Stiftung speisen. Jährlich könnten an die 50 000 Euro zur Verfügung stehen, schätzt Skasa, ganz genau weiß man das erst, wenn alles richtig ins Laufen gekommen ist. In einem ersten Schritt wird der 84-Jährige 500 000 Euro an die Stiftung übertragen.
Anträge nimmt die Stadt Grafing entgegen, sie ist Trägerin der Treuhandstiftung
Skasa hat viele Ideen, für welche Zwecke das Geld ausgegeben werden könnte, er hat bereits eine dicke Mappe mit Zeitungsartikeln, die ihm Inspiration bieten. Die Stiftung nimmt aber auch gern Anträge entgegen. Bei der Auswahl der Projekte werden Skasa zwei Stiftungsbeiräte unterstützen: der Poinger Altbürgermeister Albert Hingerl, dem für sein Engagement für die Gemeinde Poing soeben die Willy-Brandt-Medaille verliehen worden ist und der auch bereits dem Autorenpaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath – bekannt unter dem Pseudonym Iny Lorentz – bei der Gründung einer Stiftung für Leseförderung geholfen hat; außerdem die SZ-Redakteurin Anja Blum, die durch ihre journalistische Arbeit in der Kulturszene bestens vernetzt ist.

Ausgezahlt werden die Gelder durch die Stadt Grafing, die Trägerin der Treuhandstiftung ist. Wirtschaftsförderin Julia Rainert wird die Stiftung betreuen, Bürgermeister Christian Bauer betont, er freue sich sehr über diese neue Art der Kulturförderung in Grafing und dem Landkreis.
Bevor es richtig losgehen kann, müssen aber noch einige Details geklärt werden – etwa, wie die Vergabe der Mittel konkret erfolgen wird. Dazu müssten noch Richtlinien erarbeitet werden, sagte Albert Hingerl beim Pressegespräch, beispielsweise wolle man vermeiden, dass das Geld nach dem „Windhundprinzip“ vergeben werde – also nur die zum Zug kommen, die am schnellsten sind. Ebenso wolle man nicht, dass die Zuschüsse zur Dauerförderung für Projekte würden oder die Stiftung für Aufgaben der Kommunen einspringe. Ist einmal alles geklärt, wird es umfassende Informationen zur Stiftung auf einer eigenen Homepage geben.


