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Energiewende:Grafinger Stadtrat plant riesiges Photovoltaik-Feld

Photovoltaik Solaranlage Schafweide EBE

Auf der ehemaligen und später renaturierten Kreismülldeponie Schafweide in der Grafinger Nachbarstadt Ebersberg wird seit zehn Jahren Strom mit Solaranlagen gewonnen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Freiflächenanlage soll eine Leistung von bis zu vier Millionen Kilowattstunden pro Jahr bringen - und könnte sehr bald in Betrieb gehen.

Von Thorsten Rienth, Grafing

Die Fläche wäre bestens geeignet, fürs Betriebspersonal gut erreichbar und die Mittelspannungsleitung für die Einspeisung stünde auch gleich nebenan: An den Bahngleisen zwischen Grafing Bahnhof und Kirchseeon soll schon bald eine Photovoltaik-Freiflächenanlage entstehen, mit der sich die Größe der PV-Freiflächen im Landkreis fast verdoppeln würde. Ohne große Umschweife hat der Grafinger Stadtrat in der jüngsten Sitzung sein grundsätzliches Einverständnis erteilt.

"Wenn sich so eine Möglichkeit bietet, dann müssen wir sie nutzen", befand Stadtrat Jupp Klinger (Freie Wähler). CSU-Chef Florian Wieser sah einen "wichtigen Grafinger Beitrag zur Energiewende. Grünen-Stadtrat Hermann Maier sprach sogar von einer ökologischen Aufwertung des Areals, wenn unter den Solarpaneelen einmal Schafe grasen könnten.

Das freilich waren Worte, die Eberwerk-Geschäftsführer Markus Henle gerne gehört haben muss. Ein paar Minuten zuvor hatte er von den politischen Entscheidungsträgern im Landkreis mehr Entschlossenheit bei der Umsetzung der Energiewende angemahnt: Von den 95 Hektar, die der Landkreis bis zum Jahr 2030 für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern an PV-Freiflächenanlagen aufweisen müsste, seien gerade einmal fünf in Betrieb. "Wir liegen bei der Energiewende meilenweit zurück", stellte Henle klar.

Die vier Hektar, die in Grafing womöglich schon zum Jahresende 2021 in Betrieb gehen könnten, würden das Missverhältnis von Ziel und aktuellem Ausbaustand deutlich verkleinern. Aufs Gemeindegebiet bezogen würden die im Jahr produzierten bis zu vier Millionen Kilowattstunden Strom bis zu zehn Prozent des Energieverbrauchs abdecken. Das Areal, auf dem die PV-Reihen gen Süden ausgerichtet werden sollen, ist Henle zufolge eine der wenigen geeigneten Flächen im gesamten Stadtgebiet.

Henle ist auch deshalb optimistisch, weil der Nachbar Deutsche Bahn PV-Anlagen gegenüber ziemlich aufgeschossen sei. "Die verlangen ein Blendgutachten, damit ihr Zugpersonal nicht geblendet wird. Ansonsten gibt es da wenig Widerstand", sagte der Geschäftsführer des Unternehmens, das die Anlage planen, bauen und schließlich betreiben will.

Einen wohl eher kleineren Effekt dürfte die Anlage aber wohl auf den Bahnlärm haben. "Zumindest physikalisch wird man schon einen Unterschied messen können." Ob ihn das menschliche Ohr auch tatsächlich wahrnehme, das bezweifele er allerdings.

Mit dem einstimmigen Beschluss aus dem Stadtrat steigt die Stadt nun formal in die Bauleitplanung ein. In deren Zuge ist eine Änderung des Flächennutzungsplan ebenso notwendig wie die obligatorische artenschutzrechtliche Prüfung.

Die schlussendliche Größe der Anlage ist allerdings mit einem Unsicherheitsfaktor versehen. "Wir müssen noch geeignete landwirtschaftliche Flächen zum Tausch finden", schränkte Henle ein. Gelingt das nicht, wäre die Fläche auf 1,7 Hektar respektive rund 1,7 Millionen Kilowattstunden Jahresleistung beschränkt. Aber auch das bedeute für den Landkreis einen ebenso spür- wie sichtbaren Schritt in Richtung Energiewende.

In absehbarer Zeit könne einige Kilometer weiter ein sogar im Vergleich zur Grafinger Maximalvariante noch größerer Schritt folgen. In Ebersberg laufen derzeit die Planungen für eine Sechs-Megawatt-Freiflächenanlage nahe Oberndorf. Sie würde weit über zehn Prozent des gesamten Landkreis-Ziels entsprechen. Ein städtebauliches Entwicklungskonzept für Freiflächen-PV-Anlagen klärt aktuell, ob das Areal mit der Größe von etwa neun Fußballfeldern auch tatsächlich geeignet ist.

© SZ vom 14.10.2020/koei
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