Ausgesprochen harmonisch ist die erste Sitzung des neuen Grafinger Stadtrates am Dienstagabend über die Bühne gegangen. Sogar die Besetzung diverser Posten, von den Stellvertretern des Bürgermeisters bis zu den Jugend- und Seniorenvertretern, wurde geräuschlos vollzogen. Die Absprachen haben offenbar funktioniert. Vielleicht auch deshalb, weil die Machtverhältnisse in dem Gremium inzwischen alles andere als ungeklärt sind.
Die CSU stellt in Christian Bauer nicht nur den Rathauschef, sondern ist mit neun Sitzen obendrein die stärkste Fraktion – und zwar mit großem Abstand. Die Grünen nämlich haben bei der Wahl im März deutlich verloren, ihre Fraktion ist von sieben auf fünf Mandate geschrumpft. An dritter Stelle stehen die Freien Wähler mit vier statt zuvor drei Sitzen. Auch die SPD und die Bayernpartei konnten sich jeweils um einen Sitz verbessern, sie haben nun drei beziehungsweise zwei Mandate.
Zweiter Bürgermeister von Grafing bleibt Christian Einhellig, bei der Kommunalwahl der absolute Stimmengewinner der Freien Wähler. Und auch im Stadtrat war der Zuspruch groß: 22 von 24 Mitgliedern votierten für Einhellig als ersten Stellvertreter des Rathauschefs. Beim Amt des Dritten Bürgermeisters hingegen gab es einen Wechsel: Die SPD gibt diesen Posten ab an die Grünen, an die Stelle von Regina Offenwanger tritt nun Sepp Biesenberger, der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz. Er erhielt 19 Ja-Stimmen.
Verloren hat also, wenn man so will, nur das weibliche Geschlecht. Obwohl die Grafingerinnen und Grafinger zuletzt zehn Frauen in ihren Stadtrat gewählt haben, gibt es nun keine Bürgermeisterin mehr. Und bei den Fraktionsvorsitzenden sieht es nicht besser aus: Diese sind durch die Bank männlich. Einzige Ausnahme, zumindest theoretisch: Marieke Bleiel von der Linken. „Aber sie ist allein, deswegen kann sie keine Fraktion bilden“, stellte der Rathauschef gleich klar.

