Stadthalle Grafing:Riskanter Umzug

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(Foto: Christian Endt)

Friedhelm Haenisch vom Kulturverein Grafing freut sich über ein überraschend gelungenes Kammerkonzert im großen Saal der Stadt.

Interview von Anja Blum

Seit mittlerweile 25 Jahren gibt es nun schon den Kulturverein Grafing. Sein Hauptaugenmerk liegt seit jeher auf der klassischen Musik, sein Konzertsaal befindet sich im Grafinger Rathaus, die Stadt stellt den Raum mietfrei zur Verfügung. Nun aber musste die Konzertreihe erstmals ausweichen, wegen Corona natürlich, und zwar in die Stadthalle. Friedhelm Haenisch , Vereinsvorsitzender und früherer Stadtrat, erzählt, wie der Ausflug verlaufen ist.

SZ: Herr Haenisch, in Grafing kocht ja immer wieder die Debatte um Kulturräume hoch. Wie sehen Sie das?

Friedhelm Haenisch: Ach, wir sind eigentlich mit dem Rathaussaal sehr zufrieden. Der hat, gerade wenn er voll besetzt ist, eine hervorragende Akustik, so dass die Musiker sich keine Ungenauigkeiten leisten können. Außerdem ist der Raum mit seiner anheimelnden Atmosphäre für Kammermusik wunderbar geeignet.

Nun mussten Sie das angestammte Domizil verlassen...

Ja, leider, denn in den Rathaussaal dürften wir unter Pandemiebedingungen nur maximal 20 Zuhörer einlassen. Das wäre für das "Diogenes Quartett" viel zu wenig gewesen.

Der Saal der Stadthalle ist aber gleich ein ganz anderes Kaliber. Viel größer und, wie oft bemängelt wird, von der Akustik her nicht optimal.

Das stimmt ja auch. Ich habe das dort schon öfter erlebt: Ab der vierten Reihe hört man praktisch nichts mehr. Diese Bühne schluckt einfach alles. Es ist eine Katastrophe. Aber mein Vorschlag, eine Muschel für die Bühnenakustik anzuschaffen und so für Abhilfe zu sorgen, hat bislang leider kein Gehör gefunden.

Trotzdem haben Sie sich nun auf diesen Ortswechsel eingelassen?

Ja. Es war eine schwierige Entscheidung, aber letztendlich haben wir uns dafür entschieden, es zu versuchen. Und wir haben den Raum unseren Bedürfnissen angepasst: Wir haben die Musiker nicht auf der großen Bühne platziert, sondern ein zweites, viel niedrigeres Podest aufgebaut, direkt davor. So saßen die Streicher etwa auf einem halben Meter Höhe, das Publikum direkt drumrum. So war der Klang wunderbar, sogar die Musiker selbst waren ganz angetan vom schönen Hall in diesem hohen Raum. Damit hatten wir gar nicht gerechnet.

Und das Ambiente? Die Stadthalle wirkt ja, vor allem, wenn sie halb leer ist, nicht gerade einladend...

Auch das war kein Problem: Wir haben einfach das Licht sehr gedimmt und nur die Bühne ausgeleuchtet. So war die Stimmung wunderbar.

Wie viel Publikum ist denn gekommen?

Wir hatten 80 Plätze und etwa 65 waren belegt. Und das nicht nur von Senioren, sogar einige Schüler vom Gymnasium waren da. Das Fazit fällt also sehr gut aus - auch wenn viele unserer Stammgäste fern geblieben sind, vermutlich, weil ihnen der neue Ort nicht geheuer war. Das ist mehr als bedauerlich.

Denken Sie, es wird eine weitere Gelegenheit geben, Kammermusik in der Stadthalle zu hören?

Ja, durchaus. Der Saal ist eine echte Alternative. Derzeit planen wir ein weiteres Konzert im November, und da wird die Pandemie sicher noch nicht vorbei sein. Die volle Unterstützung der Stadt ist uns jedenfalls hier wie da sicher - worüber wir sehr glücklich sind.

Aber nach Corona, sofern wir das erleben dürfen, wird der Kulturverein ins Rathaus zurückkehren?

Ganz bestimmt.

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