Grafing Sattelfest

Sowohl die Lehrer als auch die Mitarbeiter der Firma Cadfem sind reichlich stolz auf das technische Projekt-Seminar des Grafinger Gymnasiums.

(Foto: Christian Endt)

13 Schüler eines Projekt-Seminars am Gymnasium Grafing bilden mittels computergestützter Simulationen und mithilfe erfahrener Profis erfolgreich sportliche Bewegungsabläufe nach

Von Annalena Ehrlicher, Grafing

Will man die perfekte Sattelhöhe bei einem Fahrrad einstellen, hat man diverse Möglichkeiten: Faustregeln gibt es zahlreiche. Eine andere Möglichkeit ist, eine "computergestützte Mehrkörpersimulation" einzusetzen, welche die ideale Höhe ermittelt. Letzteres hat nun eine Gruppe von Grafinger Gymnasiasten im Rahmen eines Projekt-Seminars realisiert: Sportliche Bewegungsabläufe mittels computergestützter Simulationen nachzubilden - das war die Grundaufgabe, welche die Lehrkräfte Marc Schuster und Dagmar Feller ihren Schülern gegeben hatten.

Dreizehn Oberstufen-Schüler nahmen an dem Seminar teil und arbeiteten in drei Gruppen an ihren jeweiligen Projekten. Neben der Fahrradsattel-Gruppe kümmerten sich die beiden anderen Teams um die perfekte Handposition bei Klimmzügen und Liegestützen. "Wir sind der Meinung, dass die Arbeit der Schüler das Attribut exzellent verdient hat", so Mathelehrer Schuster. Dass das Projekt nun unter den 24 Besten im Rennen um den P-Seminarpreis 2016 des Bayerischen Kultusministeriums ist, zeigt, dass die Lehrkräfte mit dieser Meinung nicht alleine dastehen. Nachdem vergangenes Jahr das Gymnasium Kirchseeon mit einem Lateinseminar zu den vier Preisträgern gehörte, könnte nun also auch heuer einer der Gewinner aus dem Landkreis kommen - dieses Mal jedoch mit einem technischen P-Seminar.

"Das Besondere an diesem Seminar ist seine Vielfältigkeit", sagt Dagmar Feller, "und technische Seminare gibt es sonst nicht so viele". Zum einen seien diese häufig nicht realisierbar, zum anderen gebe es oft nicht genügend Physiklehrer. Über das Grafinger Seminar sagt der 17-jährige Sebastian von Kann: "Man kann es ja nicht nur auf das Technische beschränken - letztlich waren wir in diesem Seminar ja auch am nächsten an der Realität dran." Dass das Seminar in dieser Form - also so technisch - überhaupt möglich war, verdankt die Schule einer Kooperation mit "Cadfem", einer in Grafing ansässigen Firma, die sich auf rechnergestützte Entwicklung (CAE) spezialisiert und den Schülern ihr Programm für Mehrkörpersimulationen zur Verfügung gestellt hat. "Das wäre sonst finanziell gar nicht machbar", erklärt Schuster. Ob die Firma durch derartige Kooperationen auf Nachwuchs hofft? Geschäftsführer Günter Müller lächelt nur.

Besonders beeindruckt zeigt sich Alexander Nolte von Cadfem, der den Schülern zu Beginn des Projektes in einer eineinhalb Tage dauernden Schulung die Simulationssoftware "Anybody" erklärt hat. Im realen Leben wird diese beispielsweise für Ergonomie-Bewertungen eingesetzt, etwa um die geringste Belastung bei Bewegungsabläufen zu ermitteln. Nolte stand den Schülern auch im Laufe des Projektes als Ansprechpartner zur Verfügung. "Ich bin Ingenieur und arbeite seit zehn Jahren mit der Software - ich kann nur sagen: Die haben das sehr gut gelöst", sagt er. Nach der Schulung, also zu Beginn des Seminars, gab es zwar noch "das eine oder andere Treffen nach Feierabend", sagt er. "Den Rest mussten sich die Schüler jedoch erarbeiten", wirft Mathelehrer Schuster sichtlich stolz ein. Dazu gehörte sowohl die Koordination innerhalb des Projektes als auch das Einarbeiten von Details und das Programmieren ihrer spezifischen Fragestellungen. Cadfem-Geschäftsführer Müller ist von der Nützlichkeit der Projekt-Seminare überzeugt: "Die Schüler lernen dort das selbstständige Arbeiten, das sie bei uns dann dringend brauchen."

"Wir haben einen sehr guten Einblick in die Durchführung eines Projektes bekommen", fügtJan-Philipp Glander hinzu, dessen Gruppe sich mit der Sattel-Einstellung beschäftigt hat. Zusammenarbeit und Arbeitsaufteilung habe man durch das Seminar in einem Ausmaß gelernt, das sonst in der Schule nicht möglich sei, bestätigt auch Jonathan Küssner, der in der Klimmzug-Gruppe war. Er selbst hat keinen besonders technischen Hintergrund, will auch im Gegensatz zu den beiden anderen nichts in dieser Richtung studieren - und doch: "Das Projekt hat mich einfach interessiert", sagt der 19-Jährige. "Und die Schüler haben gelernt, komplizierte Sachverhalte ganz klar darzustellen", fügt seine Lehrerin hinzu. Die nächste Kooperation zwischen dem Gymnasium und Cadfem ist übrigens bereits in Planung. Thema: "Zukunftsstadt".