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Bewegte Bilder aus Grafing:Geld kommt und geht, Leidenschaft bleibt

Videofilmer Roman Betzenbichler aus Grafing Lion-Tooth-Studio

Mit einem Stop-Motion-Film im Kinderzimmer hat alles angefangen, weiter ging es mit einem Erklärvideo für den Physikunterricht. Heute betreibt der Grafinger Roman Betzenbichler eine eigene Videoproduktionsfirma. Sein Motto: "Anders ist besser als besser".

(Foto: Lion-Tooth-Studio/oh)

Roman Betzenbichler hat sich mit 18 Jahren als Videofilmer selbständig gemacht. Drei Jahre später will der Grafinger anderen jungen Gründern Mut machen.

Interview von Michaela Pelz

Wer sich im Landkreis Ebersberg mit dem Internetauftritt ganz unterschiedlicher Personen und Firmen beschäftigt, stößt in Sachen Bewegtbild immer wieder auf einen Namen: Lion-Tooth-Studio. Die kleinen Einspieler sind unterhaltsam und informativ zugleich. Weil die Videoproduktionsfirma zwar einen Youtube-Kanal, aber keine eigene Website hat, ruft man den Eigentümer kurzerhand an. Roman Betzenbichler ist sein Name, er lebt in Grafing Bahnhof.

SZ: Herr Betzenbichler, Sie unterstützen Unternehmen und Privatpersonen im Bereich Social Media, verfügen selbst aber über keine Website. Wie kommt's?

Roman Betzenbichler: Das war schlichtweg noch nicht nötig (lacht). Bisher habe ich alle meine Kunden über Empfehlungsmarketing bekommen, also Mundpropaganda.

Und bei Fragen nach Arbeitsproben haben Sie wahrscheinlich auf ihren Youtube-Kanal verwiesen?

Tatsächlich habe ich den in erster Linie angelegt, um zu dokumentieren, was ich bisher so alles gemacht habe. Und auch um zu sehen, wie ich mich selbst im Lauf der Zeit gesteigert habe.

Die allerersten Frühwerke sind aber vermutlich nicht drauf?

Nein (lacht). Das war ein Stop-Motion-Film mit Legofiguren, produziert mit dem Handy meiner großen Schwester. Im Kinderzimmer, vor mehr als zehn Jahren.

Hat das damals ihre Leidenschaft geweckt?

Auch. Vor allem aber ist diese meinen Aktivitäten im Gymnasium Grafing zu verdanken. Ich erinnere mich da etwa an eine dreitägige Exkursion im Karwendel, bei der ich unsere Unternehmungen filmte - das war ziemlich challenging, weil wir kaum Strom hatten. Und dann natürlich ein im Rahmen eines P-Seminars entstandener Film. Sinn und Zweck war es, bestimmte Versuche für andere Schüler aufzuzeichnen und begreiflich zu machen, weil zu der Zeit der Physikraum saniert wurde und echte Experimente damit eine Zeitlang unmöglich waren. Einer aus unserem Fünferteam wurde als Einstein verkleidet und dann legten wir los.

Das hat sich hoffentlich gelohnt?

Oh ja, für uns alle gab es 15 Punkte. Allerdings sind auch deutlich mehr Stunden in das Seminar eingeflossen als gedacht - das Mikro hat nicht so gut funktioniert, alle Redeszenen mussten lippensynchron nachgesprochen werden.

Klingt, als sei Ihre Arbeit schon damals immer wieder mit Herausforderungen verbunden gewesen.

Das kann man so sagen. Zumal es sich direkt fortsetzte: Nach dem Abi hat meine Schwester gefragt, ob ich die Hochzeit ihrer besten Freundin aufnehmen könne. Das waren dann 16 ziemlich anstrengende Stunden - vor allem, weil ich nebenher noch die Bar gemanagt habe.

Das war Ihr Einstieg ins Profigeschäft?

Ja. Es begann mit Filmen von Familienfeiern, Volksfesten oder Hobbyprojekten, wie Sprünge mit dem Mountainbike im Dirtpark. Dann kamen die Firmen. Für manche mache ich auch Marketing. Wie etwa für das digitale Startup "Doitll" aus Glonn - hier allerdings unentgeltlich, weil ich es mit aufbauen will.

Auch viele alteingesessene Unternehmen gehören zu ihren Kunden...

Da hat manchmal der Zufall eine Rolle gespielt: 2018 ging ich mit dem Trachtenverein statt zur Probe zum Kesselfleischessen aufs Volksfest. Der Chef vom Wildbräu war auch da, wir unterhielten uns, und kurze Zeit später drehte ich mit zwei Burschen ein "Duell" der besonderen Art.

In diesem Spot werden Bierflaschen auf die unterschiedlichste Weise geöffnet - einmal auch mit einer SZ...

Das geht sogar mit einem Geldschein!

Können Sie das auch?

Wir haben im Vorfeld bei allem getestet, ob es auch möglich ist. Mir ist sehr wichtig, dass alles authentisch ist, was ich im Bild zeige - ich will nichts erzählen, was nicht stimmt oder gelogen ist. Deswegen lautet mein Motto: "Anders ist besser als besser".

Das müssen Sie erklären.

Lieber senke ich die Erwartungshaltung, als mit einem Film etwas zu versprechen, was ich nicht halten kann.

"Anders" war zunächst auch ihr Studienweg...

Ja, im Oktober 2019 habe ich nach drei Semestern Maschinenbau den Studiengang gewechselt. Jetzt mache ich Digital Film Design. Weil ich als Kind gern gebaut und getüftelt habe, dachte ich zuerst, etwas Technisches sei das Richtige. Dann habe ich - vor allem durch mein Filmbusiness, das ich ja parallel betrieben habe - gemerkt, dass meine Leidenschaft doch beim Film liegt und ich dort auch gern mehr Zeit investiere. Die beste Arbeit ist, wenn einem die Arbeit gefällt!

Ist Ihr Ziel dann jetzt ein Kinofilm?

In meinem Studiengang beschäftigen wir uns hauptsächlich mit Computergrafik und Special Effects. Aber ja, so ein Kinofilm wäre schon ein Traum. Gerne würde ich die Lebensgeschichte eines Menschen erzählen. Mein Anspruch wäre es, die Höhen und Tiefen in Bild und Ton so authentisch wiederzugeben, dass man sich zu jeder Zeit in den Charakter einfühlen kann.

Auch bei Ihren bisherigen Aufträgen haben Sie schon Erfahrung damit gesammelt, nicht nur Produkte, sondern auch Menschen in Szene zu setzen, oder?

Ich habe mehrere CSU-Kandidaten während des Kommunalwahlkampfes medial begleitet. Und als Wettbewerbsbeitrag habe ich einen Film über den Werdegang meines Schulfreunds, den Maler David Ambarzumjan, gedreht.

Auch der hat in jungen Jahren schon einiges erreicht...

Das stimmt - und es sollten noch viel mehr junge Leute den Mut haben, einfach ihr Hobby zum Beruf zu machen. Auch als Newcomer und junger Mensch kann man durch harte Arbeit, Mut und Durchhaltevermögen Anerkennung finden und bestehen. Es ist so schade, dass in der Schule so wenig darüber geredet wird, dass auch das eine Option ist. Ein Gewerbe anzumelden, ist nicht wirklich kompliziert. Je nachdem, was man vorhat, braucht man auch keine komplizierte oder teure Ausstattung. Geld kommt und geht, eine Leidenschaft kann man nicht kaufen - wenn man die findet, ist das wie ein kleiner Jackpot im Leben!

Und was ist Ihr ganz persönlicher Hauptgewinn durch das Lion-Tooth-Studio?

Ich war früher sehr schüchtern und ruhig. Heute besitze ich mehr Selbstvertrauen. Das absolut Schönste aber ist die Tatsache, dass ich in den verschiedensten Branchen einen Blick hinter die Kulissen werfen kann, den ich sonst nicht hätte. Sozusagen ein "Behind-the-Scenes"-Ticket bei allen, für die ich arbeite.

© SZ vom 12.01.2021
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