Betreuungsplätze sind in den meisten Kommunen knapp, um so mehr ließ der Beschluss des Stadtrates im Januar aufhorchen. Bis auf weiteres stoppte das Gremium ein seit Jahren geplantes Projekt, das Kinderhaus mit 124 Krippen- und Kindergartenplätzen in der Forellenstraße. Nun, zwei Monate später hat das Gremium die Bremse wieder gelockert, der Planungsstopp ist aufgehoben. Zu einer kompletten Neuplanung des Gebäudes, die im Januar im Raum gestanden hatte, wird es nun aber doch nicht kommen. Mit der damals aktuellen Planung hätte der selbst gesteckte Kostenrahmen von achteinhalb Millionen Euro nicht nur ein bisschen überschritten werden können. Mehr als zehn Millionen waren es am Ende und das, obwohl Vorschläge, wie der Einbau von Mitarbeiterwohnungen und eines Übungsraums für das Jugendorchester bereits verworfen waren. Vor zwei Monaten beschloss der Stadtrat dann den vorläufigen Planungsstopp, als sich herausstellte, dass Grafing mit nicht mehr als 2,7 Millionen Euro an Förderung rechnen könnte.
Daran hat sich zwar nichts geändert, laut Sitzungsvorlage der Verwaltung könne die Stadt mit Fördergeldern von zwei Millionen Euro nach dem Bayerischen Finanzausgleichsgesetz sowie 711 000 Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm Kinderbetreuung kalkulieren. Allerdings könne man die Baukosten deutlich reduzieren, etwa durch eine Verkleinerung von 2239 auf 1820 Quadratmeter Grundfläche. Auch auf eine Lüftungsanlage könne man verzichten und die Haustechnik insgesamt nach einfacheren Standards ausführen. Auch könnte man die Fotovoltaikanlage nicht im ersten Bauabschnitt errichten, sondern bei Bedarf und nach Kassenlage nachrüsten. Ähnlich will man bei den Außenanlagen verfahren, diese sollen zunächst in einer Basisversion hergestellt und später mit weiteren Spielgeräten nachgerüstet werden. Einsparpotenzial gebe es eventuell auch bei der Fassade. Insgesamt käme man so auf knapp acht Millionen Euro brutto. Als Option zwei schlug die Verwaltung eine komplette Neuplanung in Holzbauweise vor. Diese könnte unterm Strich zwar um mehr als zwei Millionen Euro günstiger werden, dafür verlöre man aber nicht nur die bereits zugesagten Fördermittel sondern auch viel Zeit. Die Verwaltung empfahl den Stadträten daher Variante eins.
Eine Empfehlung, welcher die meisten im Gremium auch folgten, lediglich die SPD stimmte für die zweit Variante. Christian Kerschner-Gerling meinte, er könne zwar mit beidem leben, schöner finde er aber die Umplanung, auch weil dann drei Geschosse möglich wären. Der Verlust der Fördermittel sei zu verschmerzen, schließlich würden die Baukosten um den entsprechenden Betrag sinken, da müsse man "nicht jeden Fördertopf auslutschen".
Walter Schmidtke (Bayernpartei) sprach sich zwar für Variante eins aus, aber ohne das Schülercafé Chaxter. Er sehe die Notwendigkeit nicht, 900 000 Euro mehr auszugeben - diese Summe steht in der Vorlage -, obwohl das Chaxter ja bereits Räume habe. Nicht zuletzt sei der neue Standort zwar näher an der Grund- und Mittelschule, aber weiter entfernt vom Gymnasium und der S-Bahn, was für viele Schüler einen weiteren Weg bedeute.
Die Kosten von 900 000 Euro für das Chaxter seien eine reine Kalkulation auf Basis des Anteils an der Gesamtfläche, so Yvonne Magdon vom Bauamt, auf Nachfrage von Ottilie Eberl (Grüne) ob man diese Summe wirklich einsparen könne. Die Antwort ist ein klares Nein. Denn bestimmte Maßnahmen, wie etwa die Absicherung des Hanggrundstückes erhöhten die Baukosten, egal ob dann ein Raum mehr oder weniger gebaut werde. Außerdem müsste man ohne Chaxter die Kita-Räume anders anordnen - und darum einen neuen Förderantrag stellen. Außerdem könne man ja die Räume im Kiermeierhaus anders nutzen oder verwerten, in denen das Chaxter derzeit untergebracht ist, sagte Josef Klinger (FW).
Man solle das neue Chaxter ja bauen, so Eberl, aber auch darauf achten, dass die Räume am Abend, an den Wochenenden und in den Ferien anderen Nutzern zugänglich seien. Dies sei sicher möglich, sagte Bürgermeister Christian Bauer (CSU), durch den neuen Standort etwa abseits der Wohnbebauung seien etwa Abendveranstaltungen besser möglich.
Ansonsten gab es viel Lob für die Verwaltung, dass es gelungen war, die Kosten wieder etwas zu drücken, ohne das Projekt an sich zu sehr einzukürzen: "Mir fällt ein Stein vom Herzen, dass der wesentliche Teil des Grundentwurfs Platz gefunden hat und nicht fahrlässig Geld zum Fenster hinausgeworfen wurde", sagte Christian Einhellig (FW). "Ich finde, dass es sich gelohnt hat, dass wir beim letzten Mal noch nicht abgestimmt haben", sagte Susanne Linhart (CSU). Zudem keine "Superspar-Variante" dabei herausgekommen sei, wie ihre Fraktionskollegin Elfriede Huber sagte, "es darf schon ein ansprechendes Kinderhaus werden." Auch Claus Eimer (FDP) sprach der Verwaltung Anerkennung aus, die Variante für zehn Millionen sei im Januar schon beschlussfähig gewesen, nun spare man sehr viel Geld, "dafür Danke an den Bürgermeister und ein großes Lob."
Gleich in der kommenden Woche geht es im Ausschuss für Klima, Umwelt, Kultur, Schule und Soziales in Grafing erneut um das Thema Kinderbetreuung. Am Dienstag, 9. März, steht dort ein Antrag der Grünen auf der Tagesordnung, in dem es um die Einrichtung eines Wald-Hortes geht.
