Keine Frage: Wer eine solche Ausstrahlung von Wärme, Güte und freundlicher Heiterkeit hat wie Anicet Mutonkole-Muyombi, kann wahrscheinlich nur Pfarrer werden. Doch nun sagt der promovierte Theologe, der in seinem Geburtsland Kongo mit Suaheli aufgewachsen ist, „Kwa heri!“ oder „Adieu“. Denn nur noch bis Ende Januar steht der Geistliche dem Pfarrverband Grafing vor, danach wechselt er in den Landkreis Mühldorf.
Viel hat der deutlich jünger wirkende 59-Jährige erlebt, seit seiner Ankunft in Grafing 2015. Etwa die kontrovers diskutierte Renovierung des Kirchenraums von St. Ägidius. Zum Glück habe er damals dazu beitragen können, einen Kompromiss zu finden, berichtet der Seelsorger in der Rückschau.

Pfarrkirche Grafing:Kleine Lösung für großen Frieden
Im Streit über die Renovierung der Grafinger Pfarrkirche haben die Beteiligten nun einen Kompromiss gefunden: Altäre und Figuren werden restauriert, ansonsten bleibt aber alles so, wie es ist.
Vielleicht auch deswegen nennt er den ersten Gottesdienst nach der Rückkehr der Figuren nach jahrelanger Auslagerung bei einem Restaurator einen „wirklich großen Moment, der für immer bleibt“. Zumal damals auch ein neuer Ambo eingeweiht worden sei, ein ebenso schlichtes wie imposantes Steinpult nach einem Entwurf des Grafinger Künstlers Robert M. Weber. Auch die Feier seines 25-jährigen Priesterjubiläums im September 2022 gehört zu den von Mutonkole-Muyombi mit Freude erinnerten Ereignissen.
Ein anderes, aus demselben Jahr, wird er wohl auch nicht mehr vergessen. Da nämlich hat der Priester, für den bei seiner Arbeit vor allem der Kontakt mit den Menschen zählt und der keine Konflikte mag, sich dennoch nicht gescheut, einer Gruppe, die gegen Coronamaßnahmen demonstrierte, die Versammlung vor seiner Kirche zu untersagen.

Pandemie:"Jesus' Taten sind keine Verschwörungstheorie"
Auf dem Vorplatz der Kirche in Grafing versammeln sich seit längerem regelmäßig Gegner der Corona-Politik. Nun hat Pfarrer Anicet Mutonkole-Muyombi ihnen den Zutritt verweigert. Ein Gespräch über seine Gründe und die Glaubwürdigkeit des Glaubens.
Es sei eine schwierige Zeit für alle gewesen, sagt Mutonkole-Muyombi, doch auch ein Pfarrer müsse eine politische Haltung haben. Vertiefen will er das Thema aber nicht. Lieber betont er, wie dankbar er seiner Gemeinde für die gute Zusammenarbeit sei. Seine Hautfarbe habe im Übrigen nie eine Rolle gespielt.
1992 kam der Sohn eines Fischers nach Fulda ans Priesterseminar. 1996, nach der Weihe zum Diakon, kehrte er zunächst in den Kongo zurück, wirkte dort als Kaplan und Pfarrer, bevor er Ende 1999 freigestellt wurde, um in Frankfurt am Main zu promovieren. 2004 dann erhielt er eine Stelle im Würmtal, wo er fast elf Jahre blieb.
Nicht mehr alleine verantwortlich zu sein – das war einer der Gründe für das Versetzungsgesuch
Nun ein weiterer Wechsel: Nach einer kurzen geistlichen Auszeit wird Mutonkole-Muyombi ab April in den Pfarrverbänden Obertaufkirchen und Buchbach als Pfarrvikar tätig sein. Heute Pfarrer, bald „nur“ noch Vikar? Mutonkole-Muyombi lacht. „Der einzige Unterschied besteht darin, dass ich nicht mehr der Leiter bin, sondern ein Mitarbeiter.“ Für administrative Aufgaben wie etwa das Personal sei er dann nicht mehr zuständig, „aber für die Sakramente und alles sonst, was ein Priester macht“.
Der Wunsch, mit einem anderen Pfarrer zusammenzuarbeiten und nicht mehr alleine verantwortlich zu sein, wie er das für die rund 6000 Schäfchen in Grafing und Straußdorf war, sei einer der Gründe für sein Versetzungsgesuch gewesen, bestätigt der Seelsorger: „Die Arbeit hier hat viel Kraft gekostet.“ Darüberhinaus brauche man im Leben Veränderung. Zumal neue Ideen eines neuen Geistlichen für die Gemeinde Grafing auch eine Chance darstellten.
In Straußdorf ließen sich viele Schüler ein Autogramm geben
Die wird ihn und seine „humorvolle, freundliche und offene Art“, mit der er laut einer Sprecherin des Pfarrgemeinderats das Gemeindeleben sehr bereichert habe, bestimmt vermissen. Auch dem Pfarrer selbst fällt der Abschied nicht leicht, das ist deutlich zu spüren. Was er unbedingt noch erwähnen will: die gute Zusammenarbeit mit den anderen drei christlichen Gemeinden am Ort – der Evangelisch-Lutherischen Kirche, der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten sowie der Neuapostolische Kirche. Gemeinsam feiere man seit einigen Jahren am Pfingstmontag einen ökumenischen Gottesdienst. „Bei all unseren Unterschieden steht im Vordergrund doch das Gemeinsame.“ Diese gegenseitige Akzeptanz ist dem Priester sehr wichtig.
Was ihn außerdem besonders berührt hat, liegt erst wenige Wochen zurück. Da nämlich kamen nach einem ökumenischen Gottesdienst in Elkofen viele Schüler in die Sakristei und sagten, wie traurig sie sein Weggang mache. „Anschließend wollten sie alle Autogramme haben. Das ist mir bis jetzt noch nie passiert.“
Die Nachfolge soll laut Ordinariat bis Ende März entschieden und verkündet sein
Wie er sich langfristig seine Zukunft vorstellt, kann Mutonkole Muyombi, der seit vielen Jahren einen deutschen Pass besitzt, noch nicht sagen. Bis zu seiner Pensionierung werde er auf jeden Fall in Bayern bleiben. „Ich gehöre zum Erzbistum München-Freising, bin inkardiniert.“ Zudem lebe er hier schon so lange, habe viele Freunde und Bekannte. Doch wo seine Heimat sei, könne er dennoch nicht so einfach beantworten. Im Kongo, wo seine Geschwister leben, sei es nicht nur schön warm, sondern auch das Leben viel einfacher – ohne Zeitdruck und Bürokratie. Ob er irgendwann dorthin zurückkehren wird, habe er aber noch nicht entschieden. Jetzt geht es erst mal nach Obertaufkirchen.
Wer Mutonkole Muyombis Platz in Grafing einnimmt, dazu äußert sich das Ordinariat auf Nachfrage so: „Die Frage der Nachfolge soll bis Ende März entschieden und verkündet sein. Bis zum Amtsantritt im September wird Dekan Josef Riedl die Administration für den Pfarrverband Grafing und die dort anfallenden Aufgaben übernehmen.“ Mutonkole-Muyombi wünscht seinem Nachfolger eine ebenso herzliche Aufnahme in Grafing, wie er sie erfahren habe. Und „dass die Gläubigen am Glauben festhalten.“ Gerade in einer Zeit des Umbruchs brauche es Menschen, denen die Kirche wichtig sei – „selbst wenn sie mit manchem, was passiert, nicht einverstanden sind“.
Verabschiedung: Sonntag, 12. Januar, um 10 Uhr mit einem Familien-Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Ägidius und anschließender Feier im Pfarrheim.

