Angebot der VHS Neuer Service für Hörgeschädigte in Grafing

Franz Bader, Martina Eglauer und Nadine Mafke sehen die Geräte als Möglichkeit, "die inklusive Idee zu leben".

(Foto: Christian Endt)

Die Volkshochschule Grafing bietet neue Geräte an, die vor allem älteren Menschen die Kursteilnahme ermöglicht.

Von Christian Bauer, Grafing

Im Zuge der Inklusion hat die Volkshochschule Grafing (VHS) acht sogenannte Hörfunkanlagen angeschafft. Mit deren Hilfe soll es Hörgeschädigten möglich gemacht werden, an den Seminaren teilzunehmen. Schwerpunktmäßig geht es hierbei um ältere Menschen, erklärt die Leiterin der VHS, Martina Eglauer. Meist seien diese schon seit Längerem Teil eines Kurses, könnten oder wollten ihn aber aufgrund ihres nachlassenden Gehörs nicht mehr besuchen.

Dabei seien besonders für Ältere diese Treffen in vielfacher Hinsicht wichtig: um geistig fit zu bleiben sowie sich auszutauschen und Sozialkontakte zu pflegen. Aber auch jüngere Schüler mit einer Gehörschädigung können von den neu angeschafften Geräten profitieren.

Noch sind diese nicht im Einsatz. Momentan ist man an der VHS damit beschäftigt, sie bekannt zu machen, um sie im anlaufenden Semester auf individuelle Anfrage hin zu verteilen. Ein Problem: Sich im Alter entwickelnde Hörschwächen sind häufig mit einem starken Schamgefühl der Betroffenen verbunden, wie Eglauer beobachtet. Daher wolle man durch die Anschaffung der Geräte "zur Enttabuisierung des Themas beitragen". Genauso selbstverständlich wie bei Bedarf eine Lesebrille aufzusetzen, solle auch die Benutzung einer Hörhilfe sein, wenn schon "eine so wunderbare technische Möglichkeit" zur Verfügung stehe.

Tatsächlich ist die Funktionsweise der Geräte so banal wie effektiv. Es gibt nur vier Knöpfe: Einen zum An- oder Ausschalten, zwei zur Regelung der Lautstärke, einen zur Aktivierung des Mikrofons. Ein einfacher roter Clip macht aus einem der Geräte - im Normalfall dem des Dozenten - einen Sender. Durch ein angeschlossenes Mikrofon wird seine Stimme an die Kopfhörer aller gekoppelten Geräte - also die Empfänger - transportiert.

Ähnlich wie ein Walkie-Talkie

Da jedes Gerät zusätzlich ein eingebautes Mikrofon besitzt, besteht die Möglichkeit, über die Headsets in den Gruppen zu kommunizieren. Während aber der Sender sein Mikrofon nur einmalig aktivieren muss, funktionieren die der Empfänger ähnlich wie bei einem Walkie-Talkie nur bei permanentem Druck auf die Taste.

Grundsätzlich, erläutert Eglauer, sind die Geräte für größere Gruppen oder für Räume mit schlechter Akustik gedacht. Aus Kostengründen habe man sich bewusst gegen die Verlegung von Induktionsstreifen im Fußboden entschieden, wie mittlerweile in Museen und Theatern üblich. Die mobilen Anlagen würden zudem den Vorteil bringen, dass sie je nach Bedarf aufgeteilt werden und somit in verschiedenen Räumen gleichzeitig genutzt werden können.

Ein dritter Aspekt, der die Entscheidung beeinflusste, sei die Tatsache gewesen, dass die angeschafften Geräte für alle nutzbar sind. Einerseits sorgt eine eingebaute Induktionsspule dafür, dass sie für Menschen geeignet sind, die ein Hörgerät mit T-Spule besitzen. Andererseits können sie auch als reine Kopfhörer verwendet werden, wodurch sie auch für Hörgeschädigte verwendbar sind, die ein Hörgerät ohne T-Spule oder gar keines tragen.

Denn es sei ein Trugschluss zu glauben, dass mit der Anschaffung eines Hörgeräts "alles prima" ist. Sobald der Nachbar raschle, der Dozent sich umdrehe oder undeutlich spreche, würden Hörgeräte allein häufig bereits an ihre Grenzen stoßen. In großen Räumen ist es laut Franz Bader, Leiter des Fachbereichs Beruf und EDV, sinnvoll, dass auch die Teilnehmer ohne Hörprobleme ein Gerät bekommen, um so den Gesprächen über die Headsets folgen zu können.

In der Vergangenheit hörte man an der VHS immer wieder Stimmen von Teilnehmern, die klagten, die Kurse aufgrund akustischer Schwierigkeiten nicht mehr besuchen zu können. Dass derartige Berichte sich gehäuft haben, war laut Eglauer "für uns ein Signal, zu handeln". Der Zeitpunkt für die Anschaffung der zwei Hörfunkanlagen-Sets - eines für Ebersberg, eines für Grafing - war außerdem günstig, da es einen Zuschuss vom Bayerischen Volkshochschulverband gegeben habe. Eglauer zufolge ist das Anbieten dieser Geräte für die VHS Grafing ein Beitrag dazu, die "inklusive Idee zu leben".